Neuer Eurowings-Chef kommt von O2 Der wichtigste Testpilot der Lufthansa

Thorsten Dirks Der neue Eurowings-Chefs ist eine Überraschung - und ein gewagtes Experiment

Thorsten Dirks Der neue Eurowings-Chefs ist eine Überraschung - und ein gewagtes Experiment

Foto: picture alliance / dpa

Es waren rund ein Dutzend Namen, die in den vergangenen Wochen durch Branchenkreise schwirrten. Lufthansa-Chef Carsten Spohr, soviel war klar, würde Anfang Dezember eine neue Spitzenkraft für seinen Billig-Ableger Eurowings präsentieren, nachdem der Amtsinhaber Karl Ulrich Garnadt nun doch in den Ruhestand muss.

Manche tippten auf Ex-Lufthanseaten, andere auf Hinterbänkler bei erfolgreichen Lowcost-Airlines wie Easyjet oder Vueling. Jetzt wird es einer, den keiner auf der Rechnung hatte: Thorsten Dirks (53), bislang Deutschland-Chef des Mobilfunkers O2. Und alle rätseln: Was hat sich Spohr dabei gedacht?

Denn auch wenn Dirks zweifellos ein respektabler und erfolgreicher Manager ist, fällt doch auf, dass er mit Luftfahrt bisher nichts zu tun hatte. Mithin soll ausgerechnet ein Branchenneuling die größte Baustelle der Lufthansa meistern: die eilig, um nicht zu sagen: rumpelig montierte Lowcost-Plattform Eurowings. (Lesen Sie dazu auch die mm-Analyse aus dem Dezember-Heft: Unter den Wolken - was bei Lufthansas Billiglinie Eurowings alles falsch läuft)

Vielleicht hat Spohr das Beispiel von Carolyn McCall ermuntert. Die Easyjet-Chefin kam vor ein paar Jahren aus dem Verlagswesen zu dem britischen Billigflieger und hat ihn seither deutlich vorangebracht. McCall kam allerdings zu einem gut eingeführten Unternehmen mit erfahrener Führungscrew. Davon kann bei Eurowings keine Rede sein.

Noch schlimmer: Dirks, der ab Mai am Eurowings-Sitz in Köln einziehen wird, muss sich darauf gefasst machen, dass ihm das Stammhaus der Lufthansa  in Frankfurt gern mal dazwischenfunkt.

Der notorische Optimist Spohr gewichtet offenbar die Chancen der Überraschungspersonalie größer: Als Nicht-Airliner und Nicht-Lufthanseat muss der Neue auch keine Rücksicht auf alte Absprachen und ehemalige Weggefährten nehmen. Und als Fachmann fürs Digitale kann er der auch IT-seitig überkomplizierten Eurowings sicherlich gute Dienste leisten.

Reüssiert Dirks, wird man Spohrs Experimentierfreude loben. Scheitert er, dann wird man es in erster Linie der Eigenwilligkeit des Lufthansa-Chefs anlasten.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.