Neun Erfindungen, die uns in Zukunft begleiten werden Essen aus dem Drucker, Autos zum Stapeln, digitale Schneider

Wie wäre es, wenn wir auf Knopfdruck unser Essen aus dem Drucker bekämen? Unter unseren Städten ein System aus High-Tech Maulwürfen Rohrpost verteilte? Oder Containerschiffe nahezu emissionslos Güter über die Meere transportierten?

Es wäre einfacher, schneller, nachhaltiger. Und vorallem: Es wäre realisierbar. Vieles von dem, was in unseren Ohren wie Zukunftsmusik klingt, gehört zum Dauersound von Bernadette Förster, Christoph Markmann und Heiko von der Gracht. Die drei suchten die Welt ab nach Technologien für die Zukunft und veröffentlichten die besten Ideen in ihrem soeben erschienen Buch "Wie wir uns morgen bewegen werden".

Neun ihrer Ideen präsentieren die Autoren auf mm.de. Die Illustrationen dazu stammen von Heyko Stöber.

Die Frischeampel

Die Frischeampel

Foto: Heyko Stöber

Die Frischeampel

Gammelfleisch? Der Horror. Bislang mussten wir auf das Argusauge der Kontrolleure vertrauen. Es schützte vor augenfällig verdorbenem Fleisch. Aber nicht vor Verdorbenem in von außen unversehrt aussehenden Verpackungen oder vor unsichtbaren Unterbrechungen der Kühlkette. Oder vor Etikettenschwindel bei der Auszeichnung von Waren als "Produkte aus der Region". Ist die Ampel erst mal da, geht das alles nicht mehr über die Ladentheke.

Denn eine Frischeampel zeigt klar: Das Produkt war viel zu lange auf der Straße unterwegs, um noch als "regional" zu gelten. Der Smiley zeigt das zerknirschte Gesicht des Ertappten. Wann kommt die Ampel? Die ersten Versuche laufen bereits mit guten Ergebnissen. Kostenfaktor? Dank moderner Technik erschwinglich: Was aufs Produkt draufkommt, ist im Prinzip ein neues Etikett - aber eben ein hochintelligentes Etikett. Eine tolle Innovation.

Wie bei allen Innovationen gilt auch hier das Wer-zu-spät-kommt-Prinzip: Was heute noch viele für überflüssig halten, hat in fünf Jahren jeder zweite Mitbewerber - dann aber ist der Vorsprung der Konkurrenten schon groß und man schafft es kaum noch, auf den fahrenden Zug aufzuspringen.

Muss man diesen Zug nehmen? Gute Frage. Dieselbe Frage stellte man sich vor fünf Jahren zum Thema Nachhaltigkeit, Corporate Social Responsibility (CSR) und Supply Chain Governance. Wer weiß, ob in drei Jahren nicht gilt: Frische ist die neue Nachhaltigkeit!

Mittagessen aus dem Computer

Mittagessen aus dem Computer

Mittagessen aus dem Computer

Foto: Heyko Stöber

Kennen Sie den Koch vom Raumschiff Enterprise? Nein? Können Sie auch nicht: Die Enterprise hat keinen Koch! Dort kocht der Replikator. Ein Knopfdruck, und schon dampft der Krustenbraten auf dem Tisch. Oben aus einem Food Printer ragen die Patronen mit den Zutaten für die Speisen heraus. Diese werden nach Rezept vollautomatisch in einen Mixer gesaugt, entweder erhitzt oder abgekühlt und dann über eine Düse ausgegeben.

Essen aus der Tube quasi? Klar, das ist gewöhnungsbedürftig. Aber erstens haben sich die Astronauten seit Jahrzehnten daran gewöhnt und neuerdings auch die Triathleten und Hobbyradler, die sich unterwegs mit Power-Pasten aus der Tube fit halten. Und zweitens erlaubt die Mixbatterie des Printers Geschmacksrichtungen und Texturen, die jedem Fünfsternekoch den Gaumen wässrig machen und in der 40.000 Jahre alten kulinarischen Geschichte der Menschheit bislang schlicht unvorstellbar waren.

In der Industrie werden schon lange Modelle und Kleinteile mit dem sogenannten 3-D-Printer ausgedruckt - warum dann nicht auch irgendwann unser Essen?

Innovationen wie der Food Printer sind eine potenzielle Goldgrube. Vor allem deshalb, weil Food Printing zu einem Megatrend gehört: Individualisierung. Dieser Trend zeichnet sich schon heute in vielen Branchen ab: Sportler designen ihre Turnschuhe oder Jugendliche ihre T-Shirts im Internet selbst, und sogar sein Wunschhaus kann man sich inzwischen komplett individuell zusammenstellen.

Der Nonstop-Zug

Der Nonstop-Zug

Der Nonstop-Zug

Foto: Heyko Stöber

Was nützt ein über 300 Kilometer pro Stunde schneller Zug, der praktisch in jedem Kaff hält? Was bei superschnellen Zügen wirklich stört, sind die Passagiere, die ständig zu- und aussteigen und den Verkehr aufhalten.

Muss das sein? Muss nicht. Der Nonstop-Zug hält, was er verspricht. Ein Zug, der niemals hält! Die technische Lösung ist so simpel wie brillant: Passagiere steigen am Bahnsteig nicht in den eigentlichen Zug, sondern in ein kleineres, leichteres Shuttle. Dasselbe gilt für Güter. Dieser Zubringer beschleunigt dann auf das Tempo des Hochgeschwindigkeitszuges und dockt an diesem an, um Passagiere und Güter zu übergeben.

Das Shuttle-Prinzip im Verkehr ist nicht neu. In der Hochseeschifffahrt gehen nach diesem Prinzip zum Beispiel die Lotsen vor der Einfahrt in Flussmündungen an Bord. Es hat bloß noch nie jemand versucht, dieses Prinzip auf die Schiene zu setzen. Bis jetzt. Die Shuttle-Technologie könnte der Schiene für den Gütertransport neue Attraktivität verschaffen: Auch der schnellste Lkw der Welt schafft keine 300 Kilometer pro Stunde wie ein Hochgeschwindigkeitszug - egal, wie frei die Autobahnen sind.

Zugegeben: Die Technologie könnte teuer werden. Und braucht Platz. Denn es müssten nicht nur komplett neue Züge entwickelt, sondern auch die ganze Infrastruktur um- oder neu gebaut werden: Bahnhöfe, Tunnel, Brücken, Stromversorgung, Schienennetz … Die Kosten sind immens, könnten aber ganz schnell unwichtig werden - zum Beispiel in Asien, wo Platz genug vorhanden ist - und auch oft das nötige Geld und der nötige innovationsfreudige Enthusiasmus.

Der City-Maulwurf

Der City-Maulwurf

Der City-Maulwurf

Foto: Heyko Stöber

Was ist die letzte Meile? Manchmal ein Albtraum für Logistiker, Stadt- und Verkehrsplaner, Auto- und Lkw-Fahrer, Einzelhandel und Stadtbewohner. Frenetische Hupkonzerte, weil der arme, stressgeplagte Kurier seinen Transporter zur Auslieferung mal wieder in der zweiten Reihe parkt? Alles Vergangenheit, dem Maulwurf sei Dank.

24-Stunden-Belieferung ist eine schöne Sache. Wie wäre es mit Zehn-Minuten-Belieferung? Nur so lange benötigt der Urban Mole von der Bestellung bis zur Auslieferung an der nächsten Mole-Station, wo der Endverbraucher seine Bestellung abholen kann. Der city-logistische Maulwurf ist im Gegensatz zu seinem tierischen Namensgeber schneller unterwegs als alles andere - selbst und gerade zu Stoßzeiten, wenn alle anderen im Stau stehen.

Zwei Meter unter der Erde ist niemals Stau. Der Maulwurf ist nachhaltiger als alles andere, weil er elektrisch betrieben wird. Er verursacht im Betrieb keine Emissionen, er hält keinen auf, er stört das Auge nicht: Er ist für den normalen Verkehrsteilnehmer unsichtbar.

Er stört noch nicht einmal das Stadtbild oder verbraucht viel vom knappen Platz in einer Stadt: So eine Mole-Station benötigt gerade mal den Platz von grob zwei Telefonzellen. Ein weiterer Vorteil dieses modernen Transportsystems ist die individualisierte Belieferung. Einmal auf den Weg gebracht, erreicht die Lieferung vollautomatisch ihr Ziel. Es ist sogar denkbar, dass in jedem Wohnhaus und jeder Wohnsiedlung eine Mole-Station eingerichtet wird.

Das Transformer-Auto

Das Transformer-Auto

Das Transformer-Auto

Foto: Heyko Stöber

Parkplatz in der Innenstadt? Zu Stoßzeiten ein heilloses Unterfangen. Schon mancher Parkplatzsuchende hat sich da gedacht: Die ganze vergeudete Fläche! Man müsste die Autos stapeln können!

Kann man. Das CityCar lässt sich nicht nur mit anderen ineinanderschieben, sondern verfolgt auch sonst konsequent das Prinzip der Platzminimierung. Dank zweier Lenkachsen kann es seitlich einparken und auch statt einer Dreipunkt-Wende eine komplette 180-Grad-Drehung um die eigene Vertikalachse vollführen. Das Auto wendet praktisch auf dem sprichwörtlichen Pizzateller.

Am CityCar zeigt sich auch deutlich ein zentrales Charakteristikum der Mobilität der Zukunft: Konzepte schlagen Einzellösungen. Wer mit seinem CityCar in die Stadt fährt, findet zwar schneller einen Parkplatz. Aber allein damit wären die überragenden Vorteile der Idee vergeudet.

Eine viel größere Wirkung entfaltet das CityCar nicht als persönliches Transportmittel, sondern als Mobilitätskonzept via Carsharing: Niemand braucht mehr ein eigenes Auto (für die Stadt). Egal, wo man auch geht und steht, überall kann ein Auto "vom Stapel gelassen" werden und auch überall wieder in eine Parkreihe hineingeschoben werden.

Der digitale Maßschneider

Der digitale Maßschneider

Der digitale Maßschneider

Foto: Heyko Stöber

Immer dieser Ärger! Da bestellt man ein tolles neues Jackett oder die neuesten Pumps von Manolo Blahnik im Internet, der Paketdienst liefert prompt - und dann passt das Zeug nicht! Frustrierend.

Hätten Sie einen Maßschneider im Schlafzimmer, der exakt Maß nimmt, würde das nicht passieren. Dann hätten nicht Sie den Frust, sondern Ihr Logistiker. Der interaktive Bildschirm nimmt nicht nur Ihre Maße, er zeigt Ihnen auch, wie das ausgewählte Kleidungsstück an Ihnen aussieht: Sie bewegen sich vor dem Bildschirm, und auf dem Bildschirm bewegt sich Ihr Körper-Double im neuen Kleidungsstück perfekt synchron und simuliert Details bis hin zum Faltenwurf der Kleidung.

Die dafür am Bildschirm eingebaute Kinect-Kamera wird heute schon bei Videospielen verwendet. Viele kennen ihre Möglichkeiten zur Gestensteuerung vom Gebrauch diverser Spielekonsolen.

Strom im Schneckentempo

Strom im Schneckentempo

Strom im Schneckentempo

Foto: Heyko Stöber

Strom ist das Gold der Zukunft. Jedes neue Kohlekraftwerk müsste eigentlich mit Argwohn betrachtet werden, wenn man bedenkt, wie viele Gelegenheiten zur Stromerzeugung wir auslassen. Zum Beispiel, wenn wir zum Supermarkt fahren …

Jedes Automobil, das langsamer als 50 Kilometer pro Stunde fährt, produziert beim Überfahren der in den Boden eingelassenen kinetischen Platten Elektrizität. Diese Platten funktionieren im Prinzip wie der Dynamo am Fahrrad: Aus Bewegung wird Elektrizität. Das Gewicht des Autos drückt die Platten nach unten - dieser Hub aktiviert ein hydraulisches System, das seinerseits einen Generator antreibt.

300 Lkw-Überfahrten pro Tag könnten zum Beispiel ausreichen, um zwei komplette Gebäude mit Strom zu versorgen. Das ist nicht unbedingt viel, doch man bedenke: Die Lkws fahren doch sowieso über den Hof. Warum sollte man da nicht das Nötige mit dem Nützlichen verbinden und gleichzeitig den eigenen Geldbeutel und die Umwelt schonen?

Ganz anders sieht die Modellrechnung für Supermärkte, Bahnhöfe und Flughäfen, Innenstädte und Parkhäuser aus: Wo sich täglich Tausende Autos durchdrängen, kann mächtig Strom erzeugt werden. Zusammen mit der Fotovoltaik könnten Einkaufszentren sich so selbst mit der Elektrizität versorgen, die sie verbrauchen.

Grüne Containerschiffe

Foto: Heyko Stöber

Was schwimmt denn da auf dem Ozean herum? Die Umweltverschmutzung macht auch nicht vor den endlosen Weiten des Meeres Halt. Öffentlichkeit, Medien, Politik und Verbraucher fordern vehement "grüne" Schiffe.

Hier sind sie. Die neuen "grünen" Frachtschiffe und Tanker, wie zum Beispiel das NYK Super Eco Ship 2030, segeln mit versenkbaren Segeln im Wind und sollen deshalb bis zu 70 Prozent weniger CO2 ausstoßen als aktuelle Schiffe. Ist mal Flaute auf dem Meer, läuft der Schiffsdieselmotor nicht mehr mit Diesel, sondern mit Flüssiggas (LNG), was 30 Prozent weniger CO2 verursacht als ein herkömmlicher Schiffsantrieb.

Außerdem gewinnt das Super Eco Ship 2030 mit 31 000 Quadratmetern Solarzellen zusätzlich Energie für den Antrieb. Die E/S Orcelle setzt noch einen obendrauf. Sie fährt so umweltfreundlich, dass sie überhaupt keine Schadstoffe in Luft oder Wasser abgibt, also in der Nutzung komplett umweltneutral, quasi supergrün sein soll. Ihr Schiffsantrieb holt seine Kraft aus Brennstoff- und Solarzellen, Wind und Wellen.

Das ist schon interessant: Es geht also auch völlig ohne Diesel, ohne Abgase und Wasserverschmutzung? Wie immer lautet die Antwort: rein technisch ja. Wobei die Technik eben noch nicht ausgereift ist, die Schiffsingenieure und Konstrukteure tüfteln noch. Also liegt es doch an der Technik? Nein, es liegt immer nur am Menschen. Menschen, die sich seit 1903 hauptsächlich auf Diesel verlassen, hatten bislang einfach zu wenig Anreiz und Bewusstsein, um die Entwicklung dieselloser Technologien schnell genug voranzutreiben. Vielleicht ändert sich das ja gerade …

Klemmbrett zum Einrollen

Foto: Heyko Stöber

Was schleppen Ihre Leute mit sich herum, wenn Sie im Lager, auf dem Hof oder an der Rampe unterwegs sind? "Schleppen" ist das entscheidende Wort. Die ganzen elektronischen Begleiter sind immer noch viel zu sperrig, schwer und unhandlich - und fällt das Ding runter, ist der Bildschirm kaputt.

Das Folien-Display geht nicht kaputt, weil es nicht fällt, sondern wie ein herbstliches Blatt im Winde zu Boden segelt. Manche der neuen elektronischen Begleiter sind - als Prototypen - so elastisch, dass sie um einen Bleistift gewickelt werden können. In jede Hemdtasche passt so ein Bildschirm komplett mit Mikrocomputer.

Das macht das Arbeiten mit solchen Geräten sehr viel leichter. Es wird zum Beispiel nicht so oft verlegt, was man schnell mal zusammenrollen und in die Hosentasche stecken kann. Warum überhaupt noch in irgendeine Tasche stecken? Führen wir doch zwei Innovationen zusammen: das Flex-Display und Functional Clothing. Schon heute können Skifahrer beim Skifahren ihren in der Innentasche gut aufgehobenen MP3-Player mit Druckknöpfen außen auf dem Anorak bedienen.

Denkt man diesen Ansatz weiter, können Sie Ihr Klemmbrett auch gleich Ihren Kindern schenken oder im Büro lassen. Denn mit der neuen Flex-Technologie können Sie auf Ihrem linken Jackenärmel auf Höhe des Unterarmes ein Display sehen und darunter auf das Bedienfeld tippen. Die komplette Lagerübersicht plus sämtliche Dispo-Daten auf einen Blick, auf Knopfdruck und "immer am Mann". Der Technologie sind keine Grenzen gesetzt.

Wer weiß, wo wir überall noch Flex- Computer unterbringen werden? Auf dem Kopfkissen, in der Nackenstütze vom Pkw, in der Sonnenblende vom Lkw oder im Vorhang der Schlafkabine, im Smoking, im Ärmel vom Pyjama, in der Basecap, auf dem Rücken des Overalls vom Kollegen, im Duschvorhang …

Mehr lesen über