Solarindustrie Centrotherm schließt Insolvenz ab

Centrotherm kann einen Neustart wagen: Das Solarunternehmen hat ein Insolvenz-Schutzschirmverfahren erfolgreich durchlaufen. Gläubiger erhalten Aktien der neuen Centroherm Photovoltaics AG.
Centrotherm-Zentrale: Das Ulmer Amtsgericht hob das Insolvenzverfahren gegen das Solarunternehmen auf

Centrotherm-Zentrale: Das Ulmer Amtsgericht hob das Insolvenzverfahren gegen das Solarunternehmen auf

Foto: Centrotherm / Andy Ridder

Blaubeuren - Das Ulmer Amtsgericht hat das Insolvenzverfahren für die Centrotherm Photovoltaics AG und zwei Tochtergesellschaften aufgehoben. Nun geht es ans Aufräumen: "Wir wollen jetzt Ruhe in das Unternehmen bekommen und die Ärmel hochkrempeln", sagte Vorstandssprecher Jan von Schuckmann. "Das wird ein hartes Stück Arbeit." Die Stimmungslage im Photovoltaik-Markt habe sich allerdings nicht deutlich gebessert, erklärte der Centrotherm-Chef.

Schuckmann hat Centrotherm seit Oktober gemeinsam mit seinem Vorstandskollegen Jan Hoefer in Eigenregie in dem seit 2012 möglichen Schutzverfahren saniert. Der Hersteller von Solaranlagen war im vergangenen Sommer in die Insolvenz gerutscht. Ende Januar hatten die Gläubiger dem Insolvenzplan zugestimmt.

Der sieht vor, dass nun Teile der Forderungen der Gläubiger in Aktien einer Verwaltungsgesellschaft umgewandelt werden, die in Zukunft 80 Prozent der Anteile an der Centrotherm Photovoltaics AG halten wird.

Im ersten Schritt wird das Grundkapital durch einen Aktienschnitt reduziert. Dann wird das Sachkapital durch die Einbringung der Gläubigerforderungen wieder erhöht. 20 Prozent der Aktien an Centrotherm bleiben bei den Altaktionären.

Arbeitsplätze bleiben zunächst erhalten

Auf diese Weise könnten die derzeit rund 900 Arbeitsplätze in der Centrotherm-Gruppe erhalten werden, hieß es. Zuvor hatte sich Centrotherm von mehreren hundert Mitarbeitern und im Rahmen des Insolvenzverfahrens auch von Tochterfirmen getrennt. Die Kurzarbeit an den Standorten Blaubeuren und Dresden werde nun für drei Monate unterbrochen, sagte Schuckmann. "Entwarnung können wir an der Stelle noch nicht gegeben."

Der Centrotherm-Chef bemüht sich, nach vorne zu blicken, auch wenn das bei der derzeitigen Lage am Solarmarkt schwer fällt. "Jeder in der Photovoltaik fährt momentan auf Sicht. Der Nebel lichtet sich noch nicht." Deshalb fielen in der Branche auch keine Investitionsentscheidungen. Die von der EU derzeit diskutierten Strafzölle auf Billig-Solarmodule aus China, hält Schuckmann für den falschen Weg. "Die EU-Strafzölle stützten nur Individualinteressen. Allen anderen wird es schlechter gehen", sagte Schuckmann. Das werde nicht nur den Maschinenbau treffen.

"Alleingang kaum machbar"

Wolfgang Hummel vom Berliner Zentrum für Solarmarktforschung rechnet mit einem Anziehen der Nachfrage im Ausrüstungsbereich frühestens im zweiten Quartal 2014. "Ein Alleingang für Centrotherm erscheint uns angesichts der Wettbewerbsintensität und des Konsolidierungsdrucks längerfristig kaum machbar", sagte Hummel. Kooperationen nach dem Vorbild von DMG Gildemeister und der japanischen Mori Seiki hält er für den richtigen Weg.

Zwar hat es Centrotherm geschafft, seit Beginn des Insolvenzverfahrens im Oktober seinen Auftragsbestand zu steigern. Allerdings von einer sehr niedrigen Basis, wie Schuckmann zugibt. Künftig wolle sich das Blaubeurener Unternehmen noch stärker auf das Halbleitergeschäft konzentrieren, das künftig einen größeren Anteil am Umsatz haben wird. Nach früheren Aussagen peilt Centrotherm in dem Bereich Erlöse von 100 bis 150 Millionen Euro an.

Ob Centrotherm schon wieder profitabel ist, wollte Schuckmann nicht sagen. Derzeit arbeitet der Vorstand am Abschluss für die Monate Oktober bis Mai. Den letzte Jahresabschluss für 2011 legte Centrotherm vor einem Jahr vor. Damals machte das Unternehmen knapp 700 Millionen Euro Umsatz bei einem operativen Verlust von 20 Millionen Euro. Der Auftragsbestand lag damals bei 423 Millionen Euro.

Zuletzt hatte es Diskussionen um Strafzölle gegen chinesische Solarunternehmen gegeben. Diese setzen die deutschen Hersteller seit Jahren mit Dumpingpreisen unter Druck.

ts/dpa-afx
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