Montag, 22. Juli 2019

Eisenerz in diesem Jahr um 66 Prozent verteuert Warum Eisen knapp wird - und wie uns das trifft

Verladung von Eisenerz in Lianyungang, China

Im westafrikanischen Guinea könnte sich nach jahrzehntelangem vergeblichen Warten doch noch die große Bonanza einstellen. Wie die "Financial Times" berichtet, stehen Investoren plötzlich Schlange, um die bislang ungenutzten riesigen Eisenerzvorräte des Landes auf den Weltmarkt zu bringen.

Mick Davis, Ex-Chef des Rohstoffkonzerns Xstrata, kündigt mit seiner neuen Firma Niron Metals gewaltige Investitionen an. Der kanadische Milliardär Robert Friedland verhandelt mit dem Multi BHP Billiton, der mit seinen Lizenzen in Guinea wegen der hohen Erschließungskosten und Marktrisiken nie etwas anzufangen wusste.

Der Grund für die Gold- oder besser gesagt Eisengräberstimmung: Das meistgenutzte Metall, in den vergangenen Jahren oft verramscht, wird auf einmal knapp. Seit Jahresbeginn ist der maßgebliche Preis für eine Tonne Eisenerz um 66 Prozent auf 117 Dollar pro Tonne gestiegen.

Ein Auslöser war das tödliche Bergwerksunglück mit dem Dammbruch im brasilianischen Brumadinho im Januar. Seitdem musste der Vale-Konzern, der weltgrößte Lieferant des Rohstoffs, aus Sicherheitsgründen etliche alte Produktionsstätten im dichtbesiedelten Südosten Brasiliens stilllegen. Zugleich wurden die großen, moderneren Vale-Werke im Norden Brasiliens von Unwettern getroffen - ebenso wie die Konkurrenten BHP, Rio Tinto und Fortescue im Nordwesten Australiens.

"Der Markt sagt uns, dass wir Alternativen brauchen", kommentierte Chefökonom Graeme Train vom Handelskonzern Trafigura. Das Angebot für den (nach Erdöl) zweitgrößten Rohstoffmarkt sei im Wesentlichen auf nur zwei Länder beschränkt.

Zwar sind laut einem von der "Financial Times" zitierten - nicht namentlich genannten - Bergbaumanager nur rund 5 Prozent der weltweiten Produktion ausgefallen. Der rasche Preissprung zeige, dass "man sehr bequem werden und sich an den Gedanken gewöhnen kann, der Markt sei überversorgt, und dann kalt erwischt wird".

Stahlnachfrage bricht alle Rekorde

Haupttreiber des Preises jedoch ist offenbar die ungebrochene Nachfrage der Stahlindustrie, die inzwischen mehrheitlich in China angesiedelt ist und vor allem von der dortigen Baukonjunktur angetrieben wird - also kaum beeindruckt von den internationalen Handelswirren.

Im Mai verzeichnete der Branchenverband World Steel Association die Rekordproduktion von 162,7 Millionen Tonnen Rohstahl, Tendenz stark steigend. Wenn das so weiter geht, dürfte die Welt bald zwei Milliarden Tonnen Rohstahl im Jahr produzieren - doppelt so viel wie noch vor 15 Jahren.

Nur ein geringer Teil der Menge kann aus Stahlschrott recycelt werden, für den Rest ist Eisenerz als Input nötig. Autos, Häuser, Züge, Kraftwerke, Maschinen - fast nichts geht ohne das Metall. Dem Bericht zufolge schrumpfen die Erzvorräte in chinesischen Häfen auf kritische Niveaus. Jeffries-Analyst Christopher LaFemina wird zitiert, er rechne in den kommenden Monaten mit "Panikkäufen" der Stahlproduzenten.

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