Samstag, 24. August 2019

Spektakuläre Bahnverbindung "Ein Tunnel von Asien nach Amerika wäre durchaus machbar"

Chinesischer Superzug G802: Bald auf der Fahrt nach Amerika?

China und Russland planen eine Bahnverbindung von Asien nach Amerika. Der Haken: Dazu wäre ein Tunnel unter der Beringstraße erforderlich. Doch es mehren sich die Stimmen, dass der Bau technisch möglich wäre. Auch der badische Maschinenbauer Herrenknecht zeigt sich optimistisch.

Hamburg - Auf den ersten Blick erscheint die Idee verrückt: Eine Eisenbahnverbindung von China über Russland nach Amerika - wozu soll das gut sein? 13.000 Kilometer, überwiegend durch beinahe unbewohntes Gebiet würde die Trasse führen. Nicht zuletzt wäre ein mehr als 100 Kilometer langer Tunnel unter der Beringstraße nötig - die Verbindung von Sibirien und Alaska, von Asien und Amerika.

Immer wieder hat es jedoch solche Überlegungen gegeben, zuerst laut Wikipedia im Jahr 1905. In jüngster Zeit ist verstärkt von entsprechenden Projekten zu lesen. So verfolgt Russland den Bahn-Bau seit 2007 unter dem Namen TKM-World Link, die Kosten für de Tunnel werden mit 65 Milliarden Dollar angegeben.

Unlängst haben chinesische Wissenschaftler Pläne vorgestellt, nach denen ein Hochgeschwindigkeitszug Nordost-China mit den Vereinigten Staaten verbinden soll. Die Fahrt soll bei Tempo 350 etwa zwei Tage dauern. "Wir sind bereits in Gesprächen", sagte Planer Wang Mengshu der britischen Zeitung "The Guardian" zufolge und verwies auf die Vorarbeiten von russischer Seite.

Bauwerk wäre der längste Unterwassertunnel der Welt

Technisch sei der Tunnelbau inzwischen möglich, betonte die Zeitung "China Daily". Den Berichten zufolge haben die Planer eine Route ins Auge gefasst, auf der der Tunnel sogar 200 Kilometer lang wäre.

Tatsächlich wäre das Bauwerk damit der längste Unterwassertunnel der Welt. Zum Vergleich: Der Eurotunnel unter dem Ärmelkanal ist etwa 50 Kilometer lang. Der weltweit längste Eisenbahntunnel, der Seikan-Tunnel in Japan, erstreckt sich über 54 Kilometer. Der im Bau befindliche Gotthard-Basistunnel in der Schweiz wird eine Länge von 57 Kilometern haben.

Doch das Ende der Fahnenstange muss damit noch lange nicht erreicht sein, findet der am Gotthardtunnel beteiligte Maschinenbauer Herrenknecht aus Baden-Württemberg. "Wir denken, grundsätzlich wäre der Bau eines so gigantischen Tunnelbauwerks auf der Grundlage heutiger Technik durchaus machbar", teilte ein Herrenknecht-Sprecher manager magazin online auf Anfrage mit.

Abschließend könne das Unternehmen die Sache allerdings nicht beurteilen. "Da muss aus unserer Sicht noch sehr viel sehr genau untersucht und erwogen werden." Letztlich komme es auf die Finanzierung und die politische Entscheidung an. Herrenknecht gilt als weltweit führend bei der Konstruktion von Tunnelbohrmaschinen und hat schon einmal zwei Kontinente verbunden: Europa und Asien, in Form der Untertunnelung des Bosporus.

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