Einsame Hauptversammlung von Air Berlin in London-Heathrow Air-Berlin-Chef Stefan Pichler und die 26 Aktionäre

Von Arne Gottschalck
Er ist der Hoffnungsträger der Air Berlin: Stefan Pichler vor dem Logo der Fluglinie

Er ist der Hoffnungsträger der Air Berlin: Stefan Pichler vor dem Logo der Fluglinie

Foto: Gregor Fischer/ dpa

Am heutigen Dienstag wendet sich die deutsche Fluglinie Air Berlin  an ihre Aktionäre - in London genauer in "Park Inn Hotel and Conference Center" des Flughafens London Heathrow. Auf der Bühne steht erstmals Stefan Pichler, neuer Mann im Cockpit der angeschlagenen Fluglinie. Ihm gegenüber war es luftig.

Denn nur 26 Aktionäre hatten sich auf den Weg zur Air-Berlin-Hauptversammlung gemacht, was einem einstelligen Prozentsatz des gezeichneten Kapitals entspricht. Zählt man die per Brief oder Vollmacht tätigen Anleger dazu, verzeichnet Air Berlin eine Präsenz von 52,11 Prozent. Im vergangenen Jahr lag diese Zahl noch deutlich höher, so die Statistiken des Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK): 2014 waren noch 58,73 Prozent des Kapitals vertreten. Damals war die Fluglinie noch im SDax vertreten.

Aktionärsschützer murrten bereits über die Wahl des Ortes, vergessend, dass Air Berlin als PLC (Public limited Company), als Gesellschaft britischen Rechts firmiert - und den Sitz in Rickmansworth im ländlichen Hertfordshire hat.

Nur der Verwaltungssitz liegt in Berlin. Air Berlin sei ein Sonderfall, sagt Wolfgang Schnorr vom Beratungshaus Barkow Consulting. Denn es bleibe eine deutsche Aktie, so wollen es die Regularien - mindestens 50 Prozent der Aktien müssen in deutscher Hand sein.

"Kein Thema"

Für die Gesellschaft selbst ist der Versammlungsort kein Thema. "Es gibt keine Probleme, mit Air Berlin in Kontakt zu treten", so ein Sprecher auf der Seite "airliners".  Der Aufwand für die Anreise nach London Heathrow sei für Aktionäre, die nicht aus Berlin oder Umgebung anreisen, nicht größer als für eine Anreise nach Berlin.

Auch andere Unternehmen kämpfen damit, ihre Aktionäre einmal im Jahr um sich zu scharen. Mit Blick auf den Dax beispielsweise betrug die Präsenz des stimmberechtigten Kapitals bei den Hauptversammlungen im laufenden Jahr exakt 56,4 Prozent - noch etwas weniger als 2014 (56,9 Prozent) und deutlich unter den 60,6 Prozent, die beispielsweise noch 2012 erreicht worden waren. Die tatsächliche Einsamkeit von Air Berlin in London indes dürfte unerreicht sein.

Stefan Pichlers erster Auftritt als Chef - vor handverlesenem Publikum

Dabei hat Air Berlin Interessantes zu berichten. Immerhin ist es Stefan Pichlers erster Auftritt als Chef, auch seine Wiederwahl als "Director" steht auf der Agenda. Spannend auch die Frage, wie er das Unternehmen wieder auf Kurs bringen will.

Abgesehen davon hat das Unternehmen vieles getan, um sich in Deutschland bekannt zu machen. Zwischenzeitlich hat das Unternehmen auch den unvermeidlichen Moderator Johannes B. Kerner als Werbe-Gesicht verpflichtet , sich allerdings längst von ihm getrennt.

Warum die Anleger trotzdem so auf Distanz bleiben, hat zumindest in den Augen Air Berlins einen guten Grund. Denn die großen Aktionäre stimmen regelmäßig per Brief ab, wird das Unternehmen zitiert. Richtig - doch per Briefwahl lässt sich auch in Deutschland abstimmen.

Ein Punkt indes macht die Einsamkeit tatsächlich verständlicher: Der Vorstand selbst kann nämlich für seine Aktionäre abstimmen, sagt Berater Schnorr. "Nimmt man die Großaktionäre wie Etihad zusammen, dann kommen wir schon wieder in die Richtung einer normalen Beteiligungsquote." Was die Konferenz in London mit den 26 Aktionären allerdings noch einsamer wirken lässt.

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