Mittwoch, 17. Juli 2019

Schlechte Marktbedingungen Potash beendet Kali-Poker und zieht K+S-Gebot zurück

Potash-Chef Jochen Tilk stieß auf enormen, auch politischen Widerstand mit seinem Übernahmeversuch: Da sich zusätzlich noch die Marktbedingungen extrem verschlechtert haben, gibt der kanadische Konzern sein Vorhaben vorerst auf

Der kanadische Düngemittelhersteller Potash zieht nach heftigem Widerstand seine milliardenschwere Offerte für den Kasseler Rivalen K+S zurück. Ein Zusammenschluss der beiden Unternehmen sei nicht mehr im Interesse der Aktionäre, teilte Potash am Montagmorgen mit. Die im Dax gelistete Aktie von K+S verlor am Morgen mehr als 20 Prozent auf 24 Euro.

K+S hatte zuvor die Avancen von Potash mehrfach abgelehnt: Die Offerte über 41 Euro je Aktie, die K+S mit insgesamt 7,9 Milliarden Euro bewertete, war dem Dax-Unternehmen zu niedrig und die Arbeitsplatzgarantien nicht sicher genug. Auch deutsche Landespolitiker stellten sich hinter den K+S-Vorstand, obwohl Potash unter anderem auch bei der hessischen Landesregierung vorgesprochen hatte.

Der Dax-Konzern nahm die geplatzten Übernahmepläne am Morgen zur Kenntnis, wollte sich aber noch nicht weiter äußern. Der Aktienmarkt reagierte enttäuscht: Das K+S-Papier rutschte nach Handelsbeginn um 21 Prozent ab.

Im Juni war bekannt geworden, dass Potash an einem Kauf interessiert ist. Die Kanadier hatten dem Management von K+S Ende Mai ein Gebot über 41 Euro je Aktie in Aussicht gestellt hat.

Das Management des deutschen Konzerns hatte sich allerdings gegen die rund 7,8 Milliarden Euro schwere Übernahme gesträubt. Zudem trübte sich die Lage an den Rohstoffmärkten und an den Börsen zuletzt deutlich ein. So konnte der Kurs der K+S-Aktie auch nur kurz von der möglichen Offerte profitieren. Das Papier war in der Spitze bis auf 40,285 Euro angezogen - also fast bis zum von Potash in Aussicht gestellten Preis. In den Wochen danach sackte der Wert der Aktie aber wieder deutlich ab. Am Freitag kostete sie mit 31 Euro nur kaum mehr als vor dem Bekanntwerden des Potash-Interesses.

Analyst spricht von einer verpassten Chance für K+S-Aktionäre

Der Rückzug des kanadischen Interessenten stelle eine verpasste Chance für die Aktionäre von K+S dar, schrieb Analyst Rajesh Singla von der französischen Großbank Societe Generale in einer aktuellen Einschätzung. Auch Händler zeigten sich eher pessimistisch. Die gefallenen Preise auf dem Kalimarkt verhießen wenig Gutes für die Aktie - insbesondere jetzt, wo das stützende mögliche Potash-Angebot wegfalle. Vor allem der Preisrutsch in Brasilien belaste das Geschäft.

Potash-Chef Jochen Tilk setzt jetzt auf Wachstum aus eigener Kraft. Das Unternehmen sei mit seiner Bilanz, seinem Portfolio und operativen Struktur gut aufgestellt, um künftige Chancen zu nutzen. Er betonte noch einmal, dass der Ende Mai dem K+S-Management unterbreitete Vorschlag fair und angemessen war. Der Vorschlag habe zudem umfassende und glaubhafte Zusagen an die Mitarbeiter, Gewerkschaften und Standorte von K+S enthalten. Ein Zusammenschluss hätte es beiden Unternehmen erlaubt, von einer breiteren Aufstellung sowohl bei den Produkten als auch Regionen zu profitieren.

Potash-Chef begründet Rückzug mit drastisch verändertem Umfeld

Doch inzwischen habe sich die Situation drastisch geändert. "Seither hat das herausfordernde gesamtwirtschaftliche Umfeld dazu beigetragen, dass die weltweiten Rohstoff- und Aktienmärkte deutlich nachgegeben haben. Vergleichsunternehmen in der Kalibranche mussten Kurseinbrüche um fast 40 Prozent hinnehmen", sagte Tilk. "Angesichts dieser Marktbedingungen und der fehlenden Unterstützung seitens des K+S-Managements sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es nicht länger im Interesse unserer Aktionäre liegt, den Zusammenschluss weiterzuverfolgen."

Angesichts der Sorgen um eine abflauende chinesische Konjunkturlokomotive sind die Rohstoffpreise in der jüngsten Zeit weltweit deutlich unter Druck geraten. China ist der größte Importeur und Verbraucher zahlreicher Metalle und Energieträger wie Kohle. Die Turbulenzen am Markt hatten zuletzt gar Schwergewichte der Branche wie den schweizerischen Bergbaukonzern Glencore in arge Bedrängnis gebracht.

rei/dpa-afx/reuters

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