Freitag, 18. Oktober 2019

Duales System Deutschland im Wandel Remondis greift nach Grünem Punkt

Marktführer Remondis vor Grüner Punkt

In der deutschen Müll- und Recyclingbranche bahnt sich eine weitere Verschiebung an. Noch in dieser Woche könne der Einstieg des Branchenriesen Remondis beim Grünen Punkt-Eigner DSD - Dualen System Deutschland Holding besiegelt werden. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ).

Remondis könne demnach den 80-prozentigen Anteil der Finanzinvestoren H.I.G. und Blue Bay an dem Kölner Recyclingspezialisten übernehmen. DSD ist eines von neun dualen Systemen in Deutschland, gilt aber mit einem Anteil von 35 Prozent als Marktführer.

Das zur Rethmann-Gruppe gehörende Remondis ist hiesiger Marktführer unter den Entsorgungsunternehmen - vor Alba und Veolia. 2017 fuhr das Unternehmen mit Sitz in Lünen einen Umsatz von 7,3 Milliarden Euro ein und beschäftigt rund 33.000 Mitarbeiter. Die Nummer zwei in Deutschland ist Alba, das 2016 auf einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro kam.

Die Verhandlungen zwischen Remondis und den Eigentümern des Grünen Punkts sollen bereits seit Anfang 2017 laufen, berichtet die FAZ. Zwischenzeitlich sollen die Gespräche kurz vor dem Scheitern gewesen sein, da man sich nicht auf einen Preis einigen konnte. Die Unternehmen wollten sich dem Bericht zufolge jedoch nicht zu Marktgerüchten äußern. Eric Rehbock, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Sekundärstoffe und Entsorgung (BVSE) warnte in der Zeitung vor einer weiteren Marktkonzentration.

Einer der größten Kunden der DSD Holding ist DiscounterAldi, aus dessen Märkten circa ein Zehntel aller Kunststoffverpackungen stammen, die über die gelbe Tonne oder gelben Sack eingesammelt werden. Aldis Konkurrent Lidl wechselte zuletzt von DSD zur Interseroh von Alba, baut aber derzeit sein eigenes Recyclingsystem aus. Käme das Geschäft zustande, müsste das Bundeskartellamt der Übernahme zustimmen.

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Müllgebühren rufen Kartellamt auf den Plan

Erst in der vergangenen Woche hatte die Weltbank vor einer vehementen Zunahme des weltweiten Müllberges gewarnt. Die Menge des rund um den Erdball produzierten Mülls werde bis zum Jahr 2050 um 70 Prozent steigen. Derzeit würden weltweit pro Jahr 2,01 Milliarden Tonnen Müll pro Jahr produziert. Dieser Wert werde durch Bevölkerungszunahme und zunehmende Urbanisierung auf 3,4 Milliarden Tonnen steigen, hieß es. Es mache wirtschaftlich Sinn, in Recycling- und Müllmanagementsysteme zu investieren, lautete die Empfehlung.

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Vor wenigen Tagen hatten zudem mehrere Großkonzerne wie Coca-Cola, Unilever, Dow Chemicals und der US-Einzelhandelsriese Walmart sich verpflichtet, zum Kampf gegen die Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll beizutragen. Die Unternehmen erklärten ihre Unterstützung für die G7-Charta zum Kampf gegen die Vermüllung der Meere, die Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und die EU im Juni beim Gipfeltreffen der G7-Gruppe unterzeichnet hatten. Japan und die USA hatten sich jedoch nicht angeschlossen.

akn mit dpa

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