Onlinegeschäft wächst Douglas streicht Filialen zusammen

Douglas wächst im Internetgeschäft

Douglas wächst im Internetgeschäft

Foto: Douglas

Douglas-Chefin Tina Müller setzt beim Filialnetz der Parfümerie-Kette wie erwartet den Rotstift an. Bis Ende 2020 sollen rund 70 der insgesamt rund 2400 Filialen schließen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Der Großteil dieser Läden befinde sich in Südeuropa, sagte Müller und bestätigte damit einen Bericht von manager-magazin.de.

In der Bundesrepublik stehen offenbar rund zehn von 440 Geschäfte vor dem Aus. Die Kette setzt dabei weiter auf eine Verschränkung von Filialen und Online-Shops. "Wir stehen zu unseren Filialen", betonte Müller. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2018/19 mit dem wichtigen Ostergeschäft wuchs Douglas vor allem im Online-Handel. Im Gesamtjahr will die Managerin hier erstmals mehr als eine halbe Milliarde Euro Umsatz einfahren.

Die von den Schließungsplänen betroffenen Filialen böten keine Entwicklungsperspektiven, teilte Douglas mit. Die Innenstadtlagen, in denen sie sich befinden, würden von immer weniger Passanten aufgesucht. Betroffene Mitarbeiter können wohl aber auch in andere Filialen wechseln. "Ich bin guter Dinge, dass wir für die betroffenen Mitarbeiter Möglichkeiten bei Douglas finden werden", sagte Müller.

Douglas-Chefin Tina Müller greift durch

Douglas-Chefin Tina Müller greift durch

Foto: Sebastian Kahnert/ DPA

Douglas steigerte im dritten Quartal den Umsatz um 5,7 Prozent auf 762 Millionen Euro, im E-Commerce schossen die Erlöse dabei um 44,3 Prozent in die Höhe. Müller hatte hier gezielt investiert, neues Personal wurde eingestellt, die IT-Abteilungen erweitert und das Sortiment in den Online-Shops deutlich ausgebaut. Ein offener Online-Marktplatz soll nun bald in Deutschland an den Start gehen. Er könnte auch Mode anbieten. Erste Partner stünden bereits fest.

Die konjunkturelle Eintrübung in Deutschland hat den Verbrauchern im Geschäft rund um die Kosmetik zudem nicht die Kauflaune verdorben. "Wir sehen keine Eintrübung des Konsumklimas in Deutschland", sagte Müller: "Kosmetik ist weitestgehend unabhängig von konjunkturellen Schwankungen." Der Umsatz im vierten Quartal entwickele sich weiter gut.


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Douglas arbeitet dabei auch wieder profitabel, sagte Müller. "Wir haben unser Ergebnis gegenüber dem Vorjahr signifikant verbessert", betonte sie. "In den ersten neun Monaten haben wir einen Jahresüberschuss von 59,9 Millionen Euro erzielt."

Müller hatte Douglas nach ihrem Antritt Ende 2017 einen frischen Anstrich und ein neues Logo verpasst, um die Marke zu stärken. Den Online-Handel baut sie aus, die Filialen sollen verstärkt auf Service und Beratung setzen. Als Abkehr vom stationären Handel will die 50-Jährige die Schließung der 70 Filialen deshalb auch nicht verstanden wissen. "Wir glauben an unser Filialnetz und wir investieren auch weiter stark in die Geschäfte. Allein in Deutschland haben wir in diesem Jahr 16 Neueröffnungen", sagte sie.

Umfragen zeigten, dass die Konsumenten im Kosmetikbereich Händler bevorzugten, die stationär und online präsent seien. "Wenn sie ein Beauty-Produkt kaufen, wollen sie es erst mal direkt erleben. Deshalb investieren wir in beide Kanäle: online und stationär", sagte Müller.

Der Wettbewerb auf dem deutschen Parfümeriemarkt ist indes hart. Douglas sieht sich mit einer ganzen Reihe von aggressiven Rivalen konfrontiert. Nicht nur die zum französischen Luxuskonzern LVMH gehörende Parfümeriekette Sephora, auch zahlreiche Onlinehändler wie Zalando oder Flaconi versuchen, sich ein Stück von dem Milliardengeschäft mit Duftwässerchen und Schönheitsprodukten zu sichern. Aggressive Preiskämpfe waren deshalb zuletzt an der Tagesordnung. Hauptanteilseigner von Douglas ist der Finanzinvestor CVC. Müller wollte sich nicht zu der Frage äußern, wann Douglas wieder an die Börse zurückkehre. Dies sei Sache der Eigner.

rtr/dpa/akn