Montag, 16. September 2019

Auto- und Stahlregionen entscheiden US-Wahl So hat Trump Amerikas alte Industrie-Herzkammer gestürmt

Ruinen in Detroit: Viele Bewohner des mittleren Westens fühlen sich abgehängt

Michigan, Wisconsin, Pennsylvania - kaum jemand hätte vor der Wahl damit gerechnet, dass Donald Trump den Demokraten diese Staaten entreißen werde. Doch mitten in der alten industriellen Herzkammer ist Hillary Clintons Firewall - die Reihe von 18 als "sicher" geltenden Staaten - in Flammen aufgegangen. Beispiel Wisconsin: Umfragen hatten Clinton kurz vor der Wahl im Schnitt mit 5,3 Prozentpunkten vorn gesehen. Am Ende lang Trump mit etwa einem Punkt vor der Demokratin.

Eine ähnliche Sensation gab es in Pennsylvania. Trump gewann ebenfalls knapp mit etwa einem Prozentpunkt Vorsprung nach einem Umfrage-Rückstand von 3 Punkten. In Michigan, dem Herz der alten US-Autoindustrie um GM, Ford und Chrysler, lieferten sich die beiden Kandidaten bis zum Nachmittag ein enges Rennen - doch auch das hatte fast niemand vor der Wahl vorhergesagt. Seit 1988 hatte kein Kandidat der Republikaner einen dieser drei Staaten gewonnen.

Trumps Botschaft hat in dieser noch immer von Folgen der Finanzkrise gebeutelten Region aber jetzt offenbar ihre volle Wirkung entfaltet. Der Slogan "Make America great again" konnte am Ende nirgendwo sonst eine derart entscheidende Wechselstimmung erzeugen.

Trump macht Freihandel für den Niedergang verantwortlich

Die Region des Rostgürtels und der angrenzenden Staaten macht schon seit Jahrzehnten einen harten Strukturwandel durch. Zehntausende Jobs im Bergbau, in der Fahrzeugindustrie und der Stahlbranche fielen weg. In vielen Städten ist die Bevölkerung extrem geschrumpft. Detroit hatte 1950 noch 1,8 Millionen Einwohner, zuletzt waren es noch knapp 700.000.

Verlassene Fabrik von Packard Motor in Detroit: Mit Trump sollen die alten Jobs zurückkehren, so die Hoffnung

Knallhart zeichnete Trump das Bild einer desolaten Lage. Und das, obwohl es in machen Städten wie Cincinnati (Ohio) und Pittsburgh (Pennsylvania) durchaus neue Technologiezweige gibt, die der Wirtschaft wieder Schwung bringen.

Gleichzeitig wies Trump die Schuld für den realen und wahrgenommenen Verfall dem politischen Establishment in Washington zu. Deren Wirtschaftspolitik habe es erst ermöglicht, dass Autokonzerne wie Ford Börsen-Chart zeigen Milliarden in Mexiko investierten und die Autos von dort nach Amerika exportierten.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung