Donnerstag, 14. November 2019

Auto- und Stahlregionen entscheiden US-Wahl So hat Trump Amerikas alte Industrie-Herzkammer gestürmt

Ruinen in Detroit: Viele Bewohner des mittleren Westens fühlen sich abgehängt

2. Teil: Trumps Kleinkrieg mit Bill Ford mobilisierte Wähler

Einen regelrechten Kleinkrieg zu diesem Thema lieferte sich Trump mit dem Autokonzern Ford. Dieser plane angeblich, sämtliche Arbeitsplätze nach Mexiko zu verlegen und von dort Autos in die USA zu exportieren. Unternehmens-Miteigner Bill Ford suchte mehrmals Trumps Nähe, um die Sorgen zu entkräften. Vergebens. Trump ritt weiter auf der selbst erzeugten Anti-Ford-Welle und mobilisierte damit scheinbar Wähler, die sich vor wirtschaftlichem Wandel fürchten.

Auch China hat seine volle Wirkung als Feindbild im mittleren Westen entfaltet. Billigstahl und -Aluminium aus der Volksrepublik gelten als ein Grund für die Krise. Und erst die liberale Freihandelspolitik der US-Regierung habe die Konkurrenz aus Fernost ermöglicht.

Seine Vorwürfe gegen Washingtons Wirtschaftspolitiker ergänzte Trump um atemberaubende Wahlversprechen. Den Bergleuten aus der darbenden Kohlebranche in West Virginia, Ohio und Pennsylvania stellte er neue Jobs in Aussicht, obwohl die Förderung des Rohstoffs vielerorts nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben ist.

Mit all diesen Thesen und Verheißungen hat Trump offenbar die überwiegend weiße Arbeiterschaft auf dem Land angesprochen. Die eher multiethnisch geprägte Bevölkerung in großen Städten wie Philadelphia oder Detroit hielt dagegen mehrheitlich zur demokratischen Kandidatin.

Clinton hatte das Desaster offenbar geahnt

In den Tagen vor der Wahl hatte Clinton offenbar geahnt, dass es für sie in der alten industriellen Kernregion eng werden könnte. Plötzlich legten sie, ihr Mann Bill und Präsident Barack Obama Last-Minute-Stopps in Michigan und anderen Staaten der Region ein - zu spät.

Als Warnsignal interpretieren Beobachter im Nachhinein auch die Siege von Clintons demokratischem Widersacher Bernie Sanders bei den Vorwahlen in Michigan und Wisconsin. Mit seiner deftigen Kritik an Wirtschaftssystem und Freihandel sprach der Senator aus Vermont offenbar die klassische demokratische Wählergruppe der weißen Arbeiter viel besser an als Clinton.

Am Ende blieben vermutlich viele dieser Frustrierten und Verängstigten zu Hause. Oder sie stimmten gleich für Trump, um ihrer Wut Ausdruck zu verleihen.

Mit dem Ergebnis, dass einige blaue Staaten am 8. November 2016 rot wurden - und Trump der nächste Präsident der USA wird.

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