Freitag, 19. Juli 2019

Sie kennen Siegwerk nicht? Ein Fehler Wie ein deutscher Industrie-Dino die Welt aufmischt

Herbert Forker (l.) und Alfred Keller: "Bei uns weiß jeder, was er kann und was nicht"
Marina Rosa Weigl für manager magazin
Herbert Forker (l.) und Alfred Keller: "Bei uns weiß jeder, was er kann und was nicht"

2. Teil: Das Wachstum kommt aus Asien

Herbert Forker, Alfred Keller
Siegwerk
Die Entrepreneure
Alfred Keller ist seit 1988 in sechster Generation persönlich haftender Gesellschafter der Siegwerk KGaA, seit 1995 sitzt der Jurist dem Beirat vor. In dieser Funktion engagierte er 1999 als neuen Leiter der Geschäftsleitung Herbert Forker. Dieser machte nach einer Banklehre und einem BWL-Studium Karriere bei Beiersdorf, wo er nach Stationen in Frankreich und Mexiko zuletzt die US-Tochter von Tesa geleitet hat.
Das Unternehmen
Die Siegwerk Druckfarben AG & Co. KGaA in Siegburg produziert vor allem Druckfarben für die Verpackungsindustrie. Mit einem Umsatz von über einer Milliarde Euro und gut 4900 Mitarbeitern gehört Siegwerk weltweit zu den drei größten Firmen der Branche. Das Unternehmen hat ein globales Produktions- und Servicenetzwerk. Vor allem das Geschäft in Asien wird weiter ausgebaut. Demnächst wird in der Nähe von Shanghai das zweite Werk in China eingeweiht.

Das Kapital fließt vor allem in die Automatisierung des Siegburger Stammhauses, aber auch nach China. "Das ist der attraktivste Markt für uns", sagt Forker, der demnächst eine zweite Fabrik in der Nähe von Shanghai eröffnen wird. Fast das gesamte Wachstum stamme inzwischen aus Asien. 800 Mitarbeiter sollen dort neu hinzukommen.

Neben der Expansion ins Ausland ist die Organisation im Inneren Forkers großes Thema. Er habe da "etwas Missionarisches", gesteht er. Über Personalfragen könnte er stundenlang referieren. Sein Credo: "Ich glaube an die Diversity von Menschen."

Das bedeutet: Die führenden Mitarbeiter von Siegwerk müssen sich einem Test unterziehen, mit dessen Hilfe ihre Stärken und Schwächen herausgefunden werden sollen. "Strength-based approach" heißt das in der Sprache der Personaler. Forker: "Bei uns weiß jeder, was er kann und was nicht."

Siegwerk stellt dann Teams aus gegensätzlichen Leuten zusammen. So bekommt zum Beispiel ein typischer Vertriebler einen Controller zur Seite gestellt. Warum soll, was ganz oben klappt, nicht auch unten funktionieren?

Das rheinische Powerduo an der Spitze - der bedächtige Keller und der dynamische Forker - harmoniert jedenfalls prächtig. Die beiden, die sich einmal im Monat austauschen und gemeinsam auch Tochterunternehmen im Ausland besuchen, werden wohl noch einige Jahre zusammenarbeiten.

Keller sagt, er wolle, wie es die Statuten des Familienunternehmens erlauben, bis zu seinem 70. Lebensjahr an der Spitze des Beirats bleiben. Und Forker dürfe das Unternehmen bis zu seiner Pensionierung führen. Diversity in Siegburg.

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