Montag, 14. Oktober 2019

Elektro-Joint-Venture in China Motorenbauer Deutz schafft Comeback

"Ein Meilenstein für Deutz": Firmenchef Frank Hiller

Der Kölner S-Dax-Konzern stellt sein Chinageschäft neu auf. Ein Joint Venture mit dem Baumaschinenhersteller Sany verschafft dem Motorenbauer eine starke Stellung im größten Markt für schwere Aggregate weltweit. Türöffner waren allerdings nicht große Diesel-, sondern ausgerechnet kleine Elektromotoren.

Als Frank Hiller vor gut zwei Jahren beim Motorenhersteller Deutz CEO wurde, schaute er sich bald auch das Joint Venture seines neuen Arbeitgebers in China an. Sein Befund: Ziemlich katastrophal - und das ausgerechnet im für Deutz potenziell größten Markt.

Sollte er versuchen, Deutz-Dalian zu retten? Vor einem Jahr entschied sich Hiller für einen Neustart. Aus dem alten Joint Venture stieg er aus. Nun hat der CEO einen Durchbruch für seine neue Chinastrategie geschafft: Deutz hat eine Kooperation mit Sany geschlossen, dem zweitgrößten Baumaschinenhersteller Chinas.

"Das Joint Venture mit Sany ist ein Meilenstein für Deutz", sagte Hiller gegenüber manager-magazin.de. Deutz hält 51 Prozent an der neuen Gemeinschaftsfirma. Das Closing erwartet Hiller bis Jahresende.

"Könnte das Geschäft in eine neue Dimension hieven"

Mit dem Deal lagert Sany seine eigene Motorenfertigung de facto an den Kölner S-Dax-Konzern aus. Dafür errichtet Deutz unweit des Sany-Hauptsitzes in Changsha, der Hauptstadt der Provinz Hunan, ein neues Werk, in das auch die Motorenbauer von Sany einziehen werden. Bis zu 80.000 Aggregate pro Jahr soll das neue Werk herstellen - ein Riesenschritt: Vergangenes Jahr verkaufte Deutz weltweit insgesamt knapp 215.000 Motoren und erzielte 1,8 Milliarden Euro Umsatz. "Wenn wir die Kooperation gut umsetzen, könnte diese das Geschäft von Deutz in eine neue Dimension hieven", sagt Hiller.

Auch wenn zunächst die meisten in Changsha gefertigten Motoren in Sany-Maschinen eingebaut werden - der Konzern braucht pro Jahr etwa 200.000 Motoren -, hat sich Hiller vertraglich zusichern lassen, dass die Partner die Aggregate aus Changsha künftig auch an andere Kunden verkaufen können.

China ist für den Motorenhersteller der wichtigste Markt. Branchenexperten schätzen, dass von den etwa 2,8 Millionen Aggregaten für Bau- und Landmaschinen, Laster und weitere Großgeräte, die pro Jahr weltweit verkauft werden, etwa eine Million nach China gehen.

Drei Säulen für China

Mit dem Sany-Deal stellt Hiller die Chinastrategie von Deutz auf drei Säulen. Die erste ist eine bereits vereinbarte Kooperation mit dem Motorenhersteller Beinei, der künftig etwa 20.000 Deutz-Aggregate pro Jahr in Lizenz fertigen wird. Zweites Standbein ist eine Zusammenarbeit mit Horizon, dem größten chinesischen Vermieter von Baumaschinen: Mit ihr baut Deutz sein Servicenetz in der Volksrepublik deutlich aus.

Den Deal mit Sany verdankt Hiller auch seiner Entscheidung, die Dieselmotoren von Deutz um eine Elektro-Komponente zu erweitern. Weil Kunden und Behörden weltweit auch von Bau- oder Landmaschinen weniger Abgase verlangen, Deutz aber noch vor drei Jahren das Knowhow für Elektroantriebe fehlte, kaufte Hiller im September 2017 die kleine deutsche Firma Torqeedo, die E-Motoren für Boote entwickelt. Die gemeinsame Entwicklungsarbeit bringt seit kurzem erste Erlöse, seit Deutz neue Elektromotoren für kleine Bagger verkauft.

Elektrostrategie als Türöffner

Die neue E-Kompetenz bei Deutz ein wichtiger Türöffner gewesen, sagt Hiller: "Unsere Elektrostrategie war ein wichtiges Kriterium für Sany, da in China die Abgasgrenzwerte immer strenger werden."

Deutz ist einer der traditionsreichsten Industriekonzerne Deutschlands. Hier entwickelte Nicolaus August Otto (1832 bis 1891) den Viertakter, hier holte sich Robert Bosch (1861 bis 1942) die Idee für seine Zündkerzen. Als Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD) war der Konzern in den 1970er- und 1980er-Jahren ein Gigant. Den Aufsichtsrat kommandierte einst Deutsche-Bank-Boss Hilmar Kopper (84).

Der neue Deutz-Partner Sany ist hinter XCMG der zweitgrößte Baumaschinenhersteller Chinas. 2018 setzte der Konzern mit Sitz in Changsha gut 7 Milliarden Euro um. Hierzulande kennt sich Sany gut aus: 2012 übernahm der Konzern den deutschen Mittelständler Putzmeister, einen Spezialisten für den Bau von Betonpumpen.

Seit Hiller im Januar 2017 den Vorstandsvorsitz bei Deutz übernommen hat, geht es in Köln bergauf. Nach 1,3 Milliarden Euro Umsatz in 2016 dürfte dieser im laufenden Geschäftsjahr etwa 2 Milliarden Euro erreichen. Auch die bei Deutz jahrelang geringe Profitabilität konnte Hiller steigern: Die lange Jahre magere Ebit-Marge hat er bereits mehr als verdoppelt auf zuletzt 4,6 Prozent. Für 2022 peilt er einen Wert von 7 bis 8 Prozent an.

An der Börse hat der S-Dax zwar unter CEO Hiller zugelegt, verunsichert Anleger aber auch immer wieder durch größere Kursausschläge. Die meisten Analysten halten Deutz dennoch für unterbewertet und raten zum Kauf.

Vor seinem Amtsantritt in Köln war Hiller Vorstand beim Autozulieferer Leoni (2014 bis 2016) und beim Nutzfahrzeughersteller MAN (2009 bis 2013).

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