"Paketkopter"-Projekt eingestellt Deutsche Post verabschiedet sich von Zustelldrohnen

Adieu, "Paketkopter": Die Deutsche Post verfolgt ihr Drohnenprojekt zur Lieferung von Paketen an entlegene Orte, etwa zur Nordseeinsel Juist, nicht weiter. Dafür will der Nürnberger Flughafen zum Flugtaxi-Zentrum werden.
Jahrelang getestet, nun eingestellt: Die Zustelldrohne "Paketkopter" der Deutschen Post

Jahrelang getestet, nun eingestellt: Die Zustelldrohne "Paketkopter" der Deutschen Post

Foto: Nikolai Wolff Fotoetage/ AP/dpa

Die Deutsche Post DHL Group hat ihr Paketdrohnen-Entwickungsprojekt "Paketkopter" wieder eingestellt. Das Projekt werde schon seit längerem nicht mehr fortgeführt, sagte ein Sprecher der Deutsche Post DHL Group am Samstag auf Anfrage in Bonn. Zuvor hatte die "Welt am Sonntag" darüber berichtet . Auch ein Pilotprojekt zum Medikamentenversand in Tansania zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem Drohnenhersteller Wingcopter werde nicht fortgesetzt.

Die Post hatte die Paketdrohne für Lieferungen über schwierigem Gelände und über dem Wasser vorgestellt, unter anderem in den bayerischen Alpen sowie zwischen der Nordseeinsel Juist und dem Festland.

"Wir haben in den vergangenen Jahren diverse Anwendungsfälle für den DHL Paketkopter getestet, in denen die Drohne vor allem dann zum Einsatz kam, wenn ein Transport über etablierte Infrastrukturen schlecht möglich war oder deutlich mehr Zeit in Anspruch genommen hätte", sagte der Sprecher. Dabei seien wichtige Erkenntnisse gewonnen worden. "Aber wir haben auch mehrfach darauf hingewiesen, dass ein Regelbetrieb im Bereich der Zustellung per Paketdrohne in Deutschland nicht geplant sei. Es sind auch keine neuen Pilotprojekte vorgesehen", hieß es weiter.

Nürnberger Flughafen will Zentrum für Elektro-Flugtaxis werden

Bei elektrisch angetriebene Drohnen zur Personenbeförderung - ein Feld, auf dem die Deutsche Post nicht aktiv ist - weckt dagegen Begehrlichkeiten bei deutschen Städten. So will sich der Nürnberger Flughafen bereits in wenigen Jahren zu einem Zentrum für senkrecht startende Kleinflugzeuge mit Elektroantrieb entwickeln. Die Technologie sei inzwischen nicht mehr das Problem, sagte Flughafen-Geschäftsführer Michael Hupe am Wochenende. "Es geht jetzt vor allem um den rechtlichen Rahmen."

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Der Hersteller Lilium zum Beispiel habe Fünfsitzer bereits in der Luft getestet, Siebensitzer seien in Vorbereitung, sagte der Luftfahrt-Experte. Die rechtlichen und die Sicherheits-Voraussetzungen könnten an Flughäfen am besten gewährleistet werden, da diese Erfahrung mit dem Zulassungsverfahren besitzen. Nürnberg profitiere davon, nur über eine Startbahn für große Jets zu verfügen - dies mache die Abstimmung mit den Kleinflugzeugen einfacher, als wenn mehrere Startbahnen koordiniert werden müssen.

Er könne sich etwa Zubringerflüge vorstellen, die Passagiere statt auf der Straße über den Luftweg von 100 bis 200 Kilometer entfernten Regionen nach Nürnberg bringen. Dort könnten sie in ein Flugzeug für eine längere Strecke - etwa für eine Urlaubs- oder Geschäftsreise - umsteigen. Die Pläne könnten in drei bis vier Jahren Realität werden.

Mittelfristig sieht Hupe auch Möglichkeiten auf der Kurzstrecke - etwa wenn die Wasserstofftechnik in der Luftfahrt greife. Mit Wasserstoff über Brennstoffzellen betriebene Propeller-Flugzeuge seien in der Entwicklung. "Dann würden Flüge zu Zielen wie München, Stuttgart oder Berlin auch wieder opportun", sagte Hupe. Auf längeren Strecken hält er Verbrennermotoren in den nächsten 25 bis 30 Jahren allerdings nicht für ersetzbar.

wed/DPA/Reuters