Statistisches Bundesamt Deutsche Industrie stagniert zum Jahresende

Angesichts des Einbruchs durch die Corona-Pandemie hat sich die Industrie zum Dezember zwar erholt, insgesamt liegt sie aber noch unter Vorkrisenniveau. Ökonomen sehen Signale für eine Besserung.
Monteurin beim Zulieferer ZF Friedrichshafen: Die Autoindustrie wächst wieder

Monteurin beim Zulieferer ZF Friedrichshafen: Die Autoindustrie wächst wieder

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Felix Kästle / dpa

Die Produktion der deutschen Industrie hat zum Ende 2020 stagniert. Die Gesamtherstellung von Industrie, Bau und Energieversorger habe sich im Dezember gegenüber dem Vormonat nicht verändert, teilte das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden mit. Analysten hatten im Schnitt einen Zuwachs um 0,3 Prozent erwartet. Im Vergleich zum Vorjahresmonat fiel die Herstellung ein Prozent niedriger aus.

Von dem schweren Einbruch während der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 hat sich die Industrie damit mittlerweile zwar deutlich erholt, die Herstellung liegt aber immer noch 3,6 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von Februar. Im Gesamtjahr 2020 ging die Produktion um 8,5 Prozent zum Vorjahr zurück. Das zeigt, wie schwer die Pandemie und die mit ihr verbundenen Einschränkungen wiegen.

"Mit größeren Sprüngen ist vorerst nicht zu rechnen. Die 0 Prozent sieht unspektakulär aus, ist aber vor dem Hintergrund des im Dezember geltenden Lockdowns eher ein Zeichen der Stärke", kommentierte Jens-Oliver Niklasch von der LBBW die Situation.

Industrie zieht an – Bau und Energie rückläufig

Im gesamten vierten Quartal fällt das Bild freundlicher aus. Von Anfang Oktober bis Ende Dezember stieg die Gesamtherstellung um 6,1 Prozent, wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte. Die Warenherstellung in der Industrie stieg ebenso an wie die Aktivität am Bau. Die Autoindustrie weitete ihre Herstellung kräftig um 14,4 Prozent aus.

Angesichts des bevorstehenden Brexits und der auslaufenden Mehrwertsteuersenkung wurde im Dezember noch einmal kräftig produziert. So stieg im Dezember die Warenherstellung in der Industrie, während am Bau und in der Energieerzeugung die Aktivität abnahm.

"Die Unternehmen hierzulande, besonders aber im Vereinigten Königreich, füllten ihre Lager wieder einmal auf, um sich für das Schlimmste – den Brexit ohne Abkommen – zu wappnen. Dass die gute Entwicklung der Industrieproduktion sich nicht im gesamten produzierenden Gewerbe widerspiegelte, ist der stark rückläufigen Produktion in der Bau- und Energiewirtschaft zuzuschreiben", so die Einschätzung von Andreas Scheuerle (Dekabank) der Lage zum Jahresende.

Das Wirtschaftsministerium wertete die höhere Industrieproduktion angesichts des verschärften Corona-Lockdowns positiv. Der Ausblick bleibe angesichts des Pandemiegeschehens und wegen Lieferengpässen in der Halbleiterindustrie aber verhalten. Hierfür spreche auch die zuletzt schwächere Auftragslage und die gedämpfte Stimmung in den Unternehmen.

"Die Atempause in der Industrie hält an – nach dem Auftragseingang jetzt auch bei der Produktion. Es bleibt dabei, dass Aufträge wegen der Corona-Maßnahmen nicht im Hurrastil abgearbeitet werden können. Die Signale stehen dennoch auf weitere Erholung, insbesondere, wenn Schutzmaßnahmen stärker gelockert werden", so Alexander Krüger, Experte vom Bankhaus Lampe.

Ökonom Thomas Gitzel (VP Bank) sieht gute Chancen, dass die Industrieproduktion noch im Frühjahr wieder das Vorkrisenniveau erreichen kann. Der nun zu erwartende volatilere Verlauf der Produktion unterstreiche aber auch, dass die Industrie die Einbußen des Dienstleistungssektors nicht mehr ausgleichen können werde. "Das deutsche Bruttoinlandsprodukt wird deshalb im ersten Quartal 2021 erneut schrumpfen. Die Pandemie drückt also der deutschen Wirtschaft gleich zu Jahresbeginn ordentlich den Stempel auf."

cs/dpa-afx, Reuters
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