Vorprodukte fehlen Industrie kann Aufträge nicht abarbeiten

Ein Rekord, der wenig Freude bereitet: Der Auftragsstau in den deutschen Industriebetrieben wird immer länger, da Materialmangel die Produktion bremst. Der Bestand an Bestellungen ist so hoch wie noch nie.
Mitarbeiter in einem Stahlwerk: Der Auftragsbestand in der deutschen Industrie wächst seit Juni 2020 stetig.

Mitarbeiter in einem Stahlwerk: Der Auftragsbestand in der deutschen Industrie wächst seit Juni 2020 stetig.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Die deutsche Industrie erlebt einen Auftragsstau. Der preisbereinigte Auftragsbestand lag im Dezember 1,5 Prozent höher als im Vormonat und erreichte damit zum Jahresende den höchsten Stand seit Einführung der Statistik im Januar 2015, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit.

Der Auftragsbestand sei seit Juni 2020 stetig gewachsen. Die Betriebe im Verarbeitenden Gewerbe erhielten also beständig mehr neue Aufträge, als sie abarbeiten konnten. Ein wesentlicher Grund dafür dürften Lieferengpässe bei Vorprodukten sein, so die Wiesbadener Statistiker.

Mit dem Auftragsbestand im Dezember ließ die deutsche Industrie das Niveau von vor der Corona-Krise weit hinter sich: Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen wegen der Pandemie in Deutschland, war der Auftragsbestand im Dezember 2021 kalender- und saisonbereinigt fast ein Drittel (29,3 Prozent) höher.

Auch die Reichweite des Auftragsbestands im Verarbeitenden Gewerbe stieg weiter und betrug im Dezember 7,7 Monate – ebenfalls ein Rekord seit Beginn der Zeitreihe 2015. Die Reichweite gibt an, wie viele Monate die Betriebe bei gleichbleibendem Umsatz ohne neue Auftragseingänge theoretisch produzieren müssten, um die vorhandenen Aufträge abzuarbeiten. Wegen Lieferengpässen und Materialmangel können viele Unternehmen in Deutschland die Aufträge nicht im gewohnten Tempo erfüllen. Das dämpft die Produktion und Geschäfte.

2021 hatten die Bestellungen in der Industrie nach früheren Angaben um 17,8 Prozent zum Krisenjahr 2020 zugelegt. Das Niveau des Vor-Krisenjahres 2019 wurde damit um gut 9 Prozent überschritten.

hr/DPA, Reuters
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