Pipeline-Alternative Deutsche Bahn will Wasserstoff für die Industrie transportieren

Wasserstoff gilt als klimaschonende Alternative für die Energieversorgung. Doch die Importe müssen von den Seehäfen weitertransportiert werden – hier bringt sich nun die Deutsche Bahn ins Spiel.
"Leistungsfähige Lieferkette": Sigrid Nikutta ist im Vorstand der Deutschen Bahn für den Güterverkehr zuständig

"Leistungsfähige Lieferkette": Sigrid Nikutta ist im Vorstand der Deutschen Bahn für den Güterverkehr zuständig

Foto: Friso Gentsch / dpa

Die Deutsche Bahn bringt sich als Lieferant großer Mengen Wasserstoffs für die Industrie ins Gespräch. Mit Energieversorgern habe man ein Konzept erarbeitet, wie Wasserstoff in den bestehenden Kesselwagen der Güterbahn von den Seehäfen ins Hinterland transportiert werden könne, teilte die Bahn am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur mit. Dies sei eine effiziente Alternative zum aufwendigen Bau von Pipelines. Die Konkurrenten der Bahn hingegen sehen auch Hindernisse für den Bahn-Transport.

"Grüner" Wasserstoff gilt als einer der Hoffnungsträger im Kampf gegen den Klimawandel, vor allem für diejenigen industriellen Anwendungen, in denen eine Elektrifizierung nicht möglich ist. Bislang gibt es aber weder größere Mengen zu wettbewerbsfähigen Preisen noch die erforderlichen Lager- und Verteilnetze. Weil hierzulande die benötigten Mengen noch für viele Jahre nicht verfügbar sein werden, wird Deutschland auf Importe angewiesen sein.

Die Deutsche Bahn will den in Flüssigkeiten gebundenen Wasserstoff so, wie er ist, in die Kesselwagen verladen. Erst bei den Empfängern in der Industrie soll der Wasserstoff von seinem Trägermedium separiert werden, sodass er als Energieträger genutzt werden kann. "So schaffen wir für die deutsche Wirtschaft eine sichere und leistungsfähige Lieferkette", warb Cargo-Chefin Sigrid Nikutta (53).

Der Deutschen Bahn gehört etwa die Hälfte der Güterzüge, die durch Deutschland fahren. Ihre Konkurrenten sind beim Thema Wasserstoff noch zurückhaltend. Ihr Verband Netzwerk Europäischer Eisenbahnen verweist darauf, dass der Transport mit dem Zug deutlich ineffizienter sei als per Pipeline. Zurzeit sei auch die Zahl der Wagen begrenzt und das Schienennetz bereits hoch ausgelastet.

Geeignete Pipelines gibt es noch nicht

Dennoch hat auch Bahn-Konkurrent VTG das mögliche neue Geschäftsfeld im Blick. Man habe spezielle Kesselwagen und Tankcontainer im Angebot, heißt es bei dem Hamburger Unternehmen.

Denn geeignete Wasserstoffpipelines gibt es noch nicht. Möglich ist auch der Transport per Lastwagen und nach Expertenangaben auch die Beimischung im bestehenden Erdgasnetz. Auch der Transport flüssigen Wasserstoffs im Bahn-Kesselwagen ist demnach ein Weg. Die Deutsche Bahn beteiligt sich auch an der Entwicklung neuer Wasserstoff-Container, um etwa Tankstellen für Wasserstofflokomotiven zu versorgen.

hr/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.