Mittwoch, 13. November 2019

BVG-Chefin soll im Bahn-Vorstand die Gütersparte sanieren Bahn beruft Sigrid Nikutta, Scheuer scheitert mit Rauswurf von Finanzchef Doll

Deutsche Bahn: Sigrid Nikutta soll die Gütersparte sanieren und rückt in den Vorstand auf. Finanzchef Alexander Doll wehrt sich derzeit erfolgreich gegen seine Abberufung
Christoph Soeder/dpa
Deutsche Bahn: Sigrid Nikutta soll die Gütersparte sanieren und rückt in den Vorstand auf. Finanzchef Alexander Doll wehrt sich derzeit erfolgreich gegen seine Abberufung

Die Berliner Managerin Sigrid Nikutta soll die verlustreiche Gütersparte der Deutschen Bahn sanieren. Der Aufsichtsrat berief die bisherige Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Donnerstag in den Vorstand des Bundesunternehmens, wie aus Kreisen des Kontrollgremiums verlautete.

Die 50-Jährige fängt demnach zum 1. Januar bei der Bahn an und übernimmt bei der Gütersparte DB Cargo auch operativ Verantwortung. Nikutta war 2010 von DB Cargo zur BVG gegangen, wo sie für die Busse und Bahnen der Hauptstadt verantwortlich ist. Ihre Nachfolge bei dem Landesunternehmen ist noch offen.

Nikutta soll das Gütergeschäft aus den roten Zahlen holen und dafür einen Posten im Konzernvorstand der Bahn bekommen, wie mm vorab berichtete. Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge soll DB Cargo in diesem Jahr einen Verlust von etwa 300 Millionen Euro ausweisen. Nikutta war in der Vergangenheit schon als Cargo-Chefin im Gespräch. Aufsichtsräten zufolge war ihre Berufung aber am Widerstand von Lutz und Pofalla zunächst gescheitert. Dass der Aufsichtsrat sich nun für Nikutta ausgesprochen hat, gilt als Niederlage für beide.

Bahn-Vorstand ab 1. Januar: Sigrid Nikutta soll die Gütersparte DB Cargo sanieren

Doll bleibt Finanzchef - Verkehrsminister Scheuer scheitert im Machtkampf

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat im Machtkampf um die Führung der Deutschen Bahn noch eine weitere Schlappe erlitten. Scheuer und Aufsichtsratschef Michael Odenwald seien mit dem Versuch eines sofortigen Rauswurfs von Finanzvorstand Alexander Doll gescheitert, sagten mehrere Aufsichtsräte am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters nach einer Sitzung des Gremiums. Doll war vorgeworfen worden, den Aufsichtsrat und die Regierung zu spät und unzureichend über Probleme beim Verkauf der internationalen Nahverkehrstochter Arriva informiert zu haben.

Im Aufsichtsrat fehlte aber für eine sofortige Abberufung eine ausreichende Mehrheit, da er bei Arbeitnehmer-Vertretern und einzelnen der Eigentümerseite des Staatskonzerns Unterstützung hat. Doll selbst habe erklärt, er habe sich nichts vorzuwerfen und lehnte einen freiwilligen Abgang ab, sagten die Aufsichtsräte. Die Deutsche Bahn äußert sich zu Personal- und Aufsichtsratsangelegenheiten nicht.

Scheuer hatte Konzernkreisen zufolge Doll am Mittwoch einbestellt und ihm vorgeworfen, beim geplanten Verkauf oder Börsengang nicht ausreichend informiert zu haben. Die erwarteten Erlöse von bis zu vier Milliarden Euro könnten voraussichtlich nicht erzielt werden. Der Verkauf liegt inzwischen auf Eis.

Doll lehnte freiwilligen Rückzug ab - neue Sondersitzung in zehn Tagen

Daher sollte Dolls Ablösung bei der ohnehin geplanten Aufsichtsratssitzung an diesem Donnerstag beschlossen werden, falls er nicht freiwillig gehe. Das lehnte Doll den Angaben zufolge vor der Sitzung ab. Nun soll ein neuer Versuch ihn abzulösen bei einer Sondersitzung in zehn Tagen gestartet werden, sagten Aufsichtsräte.

Hintergrund ist auch ein Zerwürfnis im Vorstand der Bahn: Die kriselnde Güterbahn DB Cargo, die Doll seit 1,5 Jahren mitführte, sollte einen eigenen Vorstand bekommen. Diese Funktion übernimmt nun Sigrid Nikutta. Nikutta war den Angaben zufolge bereits früher für diesen Posten im Gespräch gewesen, was aber am Widerstand vom jetzigen Bahnchef Richard Lutz und Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla gescheitert sei.

Alexander Doll, Finanzvorstand bei der Deutschen Bahn, lehnt einen freiwilligen Rückzug ab

Auch Bahnchef Lutz unter Druck

Die hoch verschuldete Deutsche Bahn und Konzernchef Richard Lutz stehen trotz milliardenschwerer Finanzzusagen des Bundes unter Druck. Scheuer hatte Lutz ein Ultimatum bis 14. November gesetzt, um ein schlüssiges Konzept für Verbesserungen etwa bei Pünktlichkeit und Service und vor allem beim Güterverkehr vorzulegen. Lutz hatte öffentlich daraufhin hingewiesen, dass Änderungen Zeit bräuchten. "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht", hatte er gesagt.

Der Streit in Vorstand und Aufsichtsrat erschwert nun die Bemühungen für Verbesserungen zusätzlich. Tritt Doll nicht doch noch freiwillig ab, müsste er als Finanzvorstand das von Scheuer bis nächsten Donnerstag eingeforderte Konzept mit vorstellen.

Bahn stoppt Arriva-Verkauf

Die Deutsche Bahn stoppt außerdem vorerst den geplanten milliardenschweren Verkauf ihrer Auslandsverkehrstochter DB Arriva. Die zu erwartenden Erlöse lägen erheblich unter dem Buchwert, hieß es am Donnerstag im Umfeld des Konzerns. Der Verkauf sollte eigentlich zusätzliche Milliarden für die Eisenbahn in Deutschland bringen. Der Konzern hatte monatelang einen Käufer gesucht und parallel auch einen Börsengang als Plan B vorbereitet.

Arriva betreibt Busse und Bahnen in 14 europäischen Ländern, macht aber gut 60 Prozent seines Umsatzes in Großbritannien, wo es auch seinen Sitz hat. Ein Börsengang birgt daher Risiken, weil nicht sicher ist, wann und wie Großbritannien wie geplant aus der EU austritt. In Medienberichten war von einem möglichen Erlös von bis zu vier Milliarden Euro die Rede. Davon müssten aber noch mehr als eine Milliarde Euro Schulden und Pensionsverpflichtungen abgezogen werden.

Die Bahn ist hoch verschuldet. Nachdem der geplante Verkauf sich hingezogen hatte, entschied der Aufsichtsrat im September, zunächst über eine Anleihe bis zu zwei Milliarden Euro frisches Geld aufzunehmen.


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Neben der Erweiterung des Vorstands wollte der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn an diesem Donnerstag auch über den Vorschlag einer Gehaltserhöhung für die Spitzenmanager beraten. Bereits im Vorfeld war bekannt geworden, dass für einen Teil des Vorstandes vorgeschlagen werden sollte, das Grundgehalt von 400.000 Euro auf 585.000 Euro im Jahr zu erhöhen. Bundesverkehrsminister Scheuer nannte dies bereits ein falsches Signal.

rtr/dpa/afp/akn

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