Dietmar-Hopp-Investment bei Corona-Impfstoff vorne dabei Bund steigt bei Corona-Impfstoff-Entwickler CureVac ein - Börsengang im Juli geplant

CureVac-Forscher bei der Arbeit: Bei der Tübinger Firma steigt der Bund ein, ein Börsengang ist für Juli geplant

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Im Rennen um einen Corona-Impfstoff bekommt der Tübinger Impfstoffentwickler CureVac weitere massive Unterstützung von der Bundesregierung. Wie das Bundeswirtschaftsministerium, CureVac und sein Hauptinvestor dievini, der dem SAP-Gründer Dietmar Hopp gehört, am Montag erklärten, erwirbt der Bund für 300 Millionen Euro eine Beteiligung von rund 23 Prozent an dem Unternehmen.

Das Tübinger Unternehmen plant zudem einen baldigen Börsengang. Starten will CureVac noch im Juli an der US-Technologiebörse Nasdaq. Das geht aus einem Schreiben hervor, in dem das Bundesfinanzministerium den Bundestags-Haushaltsausschuss über die geplante Bundesbeteiligung an dem Unternehmen informiert.

CureVac habe einen großen Kapitalbedarf "und beabsichtigt einen Börsengang an die Nasdaq in New York im Juli 2020", heißt es in einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Schreiben, über das zunächst die "Welt" berichtet hatte. "Der beabsichtigte Erwerb einer Bundesbeteiligung an CureVac soll sicherstellen, dass das Unternehmen nicht durch einen ausländischen Investor übernommen wird und ins Ausland abwandert."

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Altmaier: Bundesinvestment soll Entwicklungen beschleunigen

Deshalb plant die Bundesregierung einen direkten Einstieg bei Curevac. Umsetzen soll die Minderheitsbeteiligung, mit dem den Angaben zufolge keinerlei geschäftspolitische Einflussnahme verbunden sein soll, die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Die im Rahmen einer Kapitalerhöhung zu vereinnahmenden Finanzmittel sollen demnach für die weitere Entwicklung der proprietären Pipeline und mRNA-Plattformtechnologie und den Ausbau der Geschäftstätigkeit verwendet werden, wie es hieß.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier begründete das Investment mit der Erwartung, damit Entwicklungen zu beschleunigen und dem Unternehmen finanziell zu ermöglichen, das Potenzial seiner Technologie ausschöpfen zu können. Auch wenn es dem Unternehmen freistehe, sich weltweit weiteres Kapital zu besorgen, gehe er davon aus, dass CureVac weiter ein deutsches Unternehmen bleiben werde. Eine beihilferechtliche Zustimmung aus Brüssel sehe er nicht als erforderlich, fügte er hinzu.

Für CureVac ist der 23-prozentige Einstieg des Bundes eine weitere Finanzierungsquelle für die Entwicklung eines möglichen Impfstoffes. Zuvor hatten - nach Berichten über eine drohende US-Übernahme - auch bereits die Europäische Union sowie der Bund Millionen an Forschungsunterstützung zugesichert.

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CureVac gehört neben Moderna  und dem Mainzer BioNtec zu den drei Forschungsfirmen, denen derzeit die besten Chancen für die schnelle Entwicklung eines einen Impfstoff zur Bekämpfung des SARS-CoV-2-Virus eingeräumt werden. Alle drei arbeiten mit der sogenannten Messenger-RNA-Methode.

Anders als klassische Impfstrategien, bei denen entweder das Virus selbst in abgeschwächter Form oder ein Protein des Virus gespritzt wird, um Immunität zu erzeugen, setzt die mRNA-Technik am Erbgut des Virus an. Dabei wird eine charakteristische Sequenz der Virus-Gene am Computer neu designt. Diese mRNA wird dann dem Patienten injiziert - und der Körper stellt quasi selbst einen Impfstoff her, um die körperfremden Gene zu eliminieren.

Hopps Anteil dürfte sich nun verwässern, aber im Wert steigen

Größter Vorteil verglichen mit herkömmlichen Methoden: Das Gendesign geht um ein Vielfaches schneller als das mühsame Züchten von Viren in Eiern oder Tieren. Zudem muss der Gen-Impfstoff anders als die temperaturempfindlichen natürlich hergestellten Mittel beim Transport in alle Welt nicht durchgängig gekühlt werden. Allerdings gibt es bislang keine zugelassenen Medikamente oder Impfstoffe, die auf dieser Technik beruhen.

Die Biotechfirma hatte Mitte Mai positive präklinische Ergebnisse zu ihrem Projekt veröffentlicht. Noch im Juni sollten erste klinische Studien mit gesunden Freiwilligen starten. CureVac war im März in die Schlagzeilen geraten, weil die US-Regierung angeblich Interesse an der Gesellschaft gehabt haben soll. US-Präsident Donald Trump sollte der Firma einem Medienbericht zufolge einen hohen Betrag angeboten haben, um sich deren Arbeit exklusiv zu sichern. Das hatten die Tübinger allerdings zurückgewiesen.

SAP-Gründer Dietmar Hopp war zuletzt über seine Dievini-Holding mit 80 Prozent an CureVac beteiligt - dieser Anteil dürfte nun aber durch die Kapitalerhöhung im Zuge des Einstiegs des Bundes entsprechend verwässert werden.

Am Wochenende hatten Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande eine Vereinbarung mit dem Pharmakonzern AstraZeneca bekannt gegeben, mit der sich die EU-Staaten bis zu 400 Millionen Dosen eines in der Entwicklung befindlichen Corona-Impfstoffs sichern.

wed/rtr/dpa,mihec
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