Biosprit-Hersteller Cropenergies prüft Stilllegung von Anlagen

Der Mannheimer Biosprit-Hersteller Cropenergies erwägt die Produktion zu reduzieren oder Anlagen sogar komplett stillzulegen. Die Südzucker-Tochter bekommt dann die steigenden Energie- und Rohstoffpreise zu spüren.
Teurer Kraftstoff: Der Hersteller von Ethanol für E10-Benzin stellt aufgrund der steigenden Energiekosten womöglich die Produktion ein

Teurer Kraftstoff: Der Hersteller von Ethanol für E10-Benzin stellt aufgrund der steigenden Energiekosten womöglich die Produktion ein

Foto: DPA

Die Südzucker-Tochter Cropenergies muss im kommenden Jahr möglicherweise die Produktion in einzelnen Ethanol-Anlagen herunterfahren. Der Biosprit-Hersteller bekommt den Kostendruck durch steigenden Energie- und Rohstoffpreise zu spüren. Hinzu komme, dass höhere Ethanol-Einfuhren in die EU und Großbritannien aus Brasilien und den USA die Absatzpreise für den Biokraftstoff schmälerten, teilte das Unternehmen am Montag in Mannheim mit. Daher prüfe der Vorstand die Kapazitätsauslastung seiner Anlagen. Es werde erwogen, die Fertigung ab Januar 2023 zu reduzieren oder sogar vorübergehend stillzulegen.

Dabei stehe vor allem die Anlage von Ensus im britischen Wilton im Fokus, deren Profitabilität wegen der gestiegenen Kosten unter Druck stehe. Sie verfüge aktuell über eine Jahresproduktion von 400.000 Kubikmetern erneuerbarem Ethanol, das unter anderem als E10 in Benzin in Deutschland beigemischt wird, 350.000 Tonnen getrocknetem Tierfutter und bis zu 250.000 Tonnen biogenem CO2.

Bei den Anlegern kamen die Nachrichten nicht gut an. Der Kurs der Cropenergies-Aktie  gab am ersten Tag zurück im SDax um mehr als acht Prozent auf 14,24 Euro nach.

Ziele dennoch bestätigt, Hersteller profitiert von Absicherungen

Seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2022/23 hat der Konzern dennoch bestätigt. Der Konzern profitiert derzeit noch davon, sich schon vor dem Ukraine-Krieg gegen steigende Rohstoff- und Energie-Preise abgesichert zu haben. Bislang konnten zudem steigende Kosten durch höhere Preise für Ethanol ausgeglichen werden. Zuletzt seien die Absatzpreise für Ethanol allerdings deutlich gesunken.

Cropenergies schraubte vor diesem Hintergrund die Prognose im Juni für das operative Ergebnis um 60 Millionen auf 165 bis 215 Millionen Euro nach oben. Das wären bis zu 70 Prozent mehr als im Rekordjahr 2021/22. Der Umsatz soll mit 1,45 bis 1,55 (1,08) Milliarden Euro um rund 100 Millionen höher ausfallen als bisher angenommen.

Der Biokraftstoffhersteller hat wie viele weitere Betriebe in der Energie- und Chemieindustrie mit den explodierenden Energiekosten zu kämpfen. So hatte der Düngemittel- und AdBlue-Großproduzent SKW eine Anlage kürzlich für rund drei Wochen stillgelegt. Inzwischen hat der Hersteller die Anlage zwar wieder hochgefahren. Die Produktion laufe aber erst wieder an, wenn die Politik ein verlässliches Zeichen sende, sagte ein Sprecher kürzlich.

dri/Reuters, dpa-afxp
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