Kapitalerhöhung für RFM-Zukauf Covestro sammelt binnen Stunden 447 Millionen Euro ein

Covestro hat in kürzester Zeit bei institutionellen Investoren 447 Millionen Euro frisches Kapital eingesammelt. Der Kunststoffhersteller will damit den jüngsten Zukauf in den Niederlanden finanzieren.
Covestro ist auf die Herstellung von Kunststoffen spezialisiert

Covestro ist auf die Herstellung von Kunststoffen spezialisiert

Foto: picture alliance / Oliver Berg/d

Der Chemiekonzern Covestro hat mit seiner Kapitalerhöhung eine knappe halbe Milliarde Euro eingenommen. Der Platzierungspreis für die gut zehn Millionen neuen Aktien sei auf 43,85 Euro festgesetzt worden, teilte das Unternehmen am späten Dienstagabend in Leverkusen mit. Der Schlusskurs der Aktie  im Xetra-Hauptgeschäft hatte bei 44,25 Euro gelegen. Nach Bekanntgabe der Pläne am frühen Abend waren die Papiere allerdings im Frankfurter Handel um mehrere Prozent abgesackt.

Der Bruttoemissionserlös der Kapitalmaßnahme liegt bei 447 Millionen Euro. Das Grundkapital wurde dabei unter Ausschluss der Bezugsrechte der Altaktionäre durch Ausgabe von neuen, auf den Inhaber lautenden Stückaktien um etwa 6 Prozent erhöht. Die neuen Aktien sind für das Geschäftsjahr 2020 dividendenberechtigt.

Die neuen Aktien wurden ausschließlich institutionellen Anlegern im Rahmen einer Privatplatzierung über ein beschleunigtes Platzierungsverfahren angeboten. Die Zulassung der neuen Aktien werde voraussichtlich am 15. Oktober erfolgen. Mit dem Erlös will Covestro zum Teil die angekündigte Übernahme des Geschäftsbereichs Resins & Functional Materials (RFM) von Royal DSM refinanzieren.

Erster großer Zukauf seit Börsengang und Abspaltung von Bayer

Die Integration des Bereichs werde den Umsatz von Covestro um rund eine Milliarde Euro und das operative Ergebnis (Ebitda) um 141 Millionen Euro steigern, hatte Covestro zuvor angekündigt. Der Konzern erhofft sich davon zudem dauerhafte Synergieeffekte, die sich bis 2025 auf jährlich rund 120 Millionen Euro belaufen sollten. Auérdem könne Covestro dadurch seine Abhängigkeit von einzelnen Kundenindustrien verringern, wie Vorstandschef Markus Steilemann (50) Ende September erklärte.

Für Covestro ist es der erste große Zukauf seit der Abspaltung vom ehemaligen Mutterkonzern Bayer und dem Börsengang im Jahr 2015. Im vergangenen Jahr erzielte Covestro bei einem Umsatz von rund 12,4 Milliarden Euro ein Ergebnis von rund 1,6 Milliarden. Der aus dem schon vor Jahrzehnten aufgegebenen staatlichen Kohlebergbau der Niederlande hervorgegangene DSM-Konzern setzte im vergangenen Jahr neun Milliarden Euro um, den Großteil davon mit Nahrungsergänzungsmitteln. Die Sparte Materials ist nur noch ein Nebengeschäft.

rei/dpa-afx/Reuters