Montag, 30. März 2020

KfW-Kredite kommen zu spät Modebranche fordert 850 Millionen Euro - sofort

Geschlossene Läden setzen der Modebranche zu: Modehersteller fordern Liquiditätsfonds
Martin Gerten/dpa
Geschlossene Läden setzen der Modebranche zu: Modehersteller fordern Liquiditätsfonds

Deutschlands Modebranche droht der Kollaps. Aufgrund der geschlossenen Läden und der schleppenden Online-Verkäufe wenden sich die Unternehmen an die Bundesregierung und fordern eine Soforthilfe in Höhe von 850 Millionen Euro.

Das Hilfspaket soll den 30 größten Modeherstellern in Form eines Liquiditätsfonds zur Verfügung gestellt werden, damit diese den Facheinzelhandel mit Ware für die Herbst- und Wintersaison beliefern und dabei die Zahlungsziele auf 180 Tage ausdehnen kann. 10 Prozent des Haftungsrisikos soll laut dem der Bundesregierung in einem Brandbrief unterbreiteten Vorschlags bei den Herstellern liegen. Die Verwaltung, Kontrolle und Rückführung des Fonds würde demnach von unabhängigen Wirtschaftsprüfungsinstituten verwaltet werden.

Das Schreiben ist unter anderem unterzeichnet von s.Oliver-Chef Claus-Dietrich Lahrs und Bogner-Geschäftsführer Heinz Hackl. Marc O'Polo-Chef Dieter Holzer hatte die Idee in Grundzügen bereits Anfang vergangener Woche im Interview mit dem manager magazin skizziert.

Hintergrund sei, dass die anvisierte Unterstützung der Regierung über KfW-Darlehen viele Unternehmen nicht oder zu spät erreiche. "Auch mit den KfW-Darlehen bleibt ein Restrisiko von 10 Prozent bei den Banken. Die Banken sind aufgrund des schieren Volumens, aber auch aufgrund des Risikoprofils des Handels vermutlich nicht in der Lage, alle erforderlichen Freigaben zeitnah zu bestätigen", heißt es in dem Schreiben.


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"Gleichzeitig leiden Industrie und Handel unter dem Totalausfall einer gesamten Frühjahr- und Sommer-Kollektion. Wir brauchen eine Lösung zum Fortbestand des Facheinzelhandels und der Industrie." Der Brief endet mit der Bitte, die Forderungen "schnell und unbürokratisch zu prüfen". Ohne ein sofortiges Handeln würden viele Modehersteller und -händler kollabieren, tausende Arbeitsplätze verschwinden und Innenstädte veröden.

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