Montag, 30. März 2020

Wegen Corona-Krise Boeing ruft Milliarden-Kreditlinie ab

Boeing fordert Milliarden-Hilfspaket
Ted S. Warren/AP/DPA
Boeing fordert Milliarden-Hilfspaket

Der angeschlagene US-Luftfahrtriese Boeing Börsen-Chart zeigen hat in der Coronavirus-Krise eine 13,8 Milliarden Dollar (12,5 Milliarden Euro) schwere Kreditlinie vollständig ausgeschöpft. Das gab das Unternehmen am Dienstag nach US-Börsenschluss in einer Mitteilung an die Börsenaufsicht SEC bekannt und bestätigte damit Medienberichte.

Angesichts massiver Belastungen der Luftfahrtbranche durch die Ausbreitung des Coronavirus, die den Flugverkehr stark eingeschränkt hat, bemüht sich Boeing zudem intensiv um Staatshilfen. Diese würden der gesamten Industrie zugute kommen, da ein großer Teil davon für Zahlungen an Zulieferer eingesetzt würde, erklärte Boeing.

Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtete unter Berufung auf eingeweihte Kreise, dass der Airbus-Rivale versucht, bei der US-Regierung mehr als 20 Milliarden Dollar an Hilfsgeldern für sich selbst und Unternehmen aus seiner Produktionskette zu bekommen. US-Präsident Donald Trump habe bereits Unterstützung versprochen und gesagt: "Wir müssen Boeing schützen, wir müssen Boeing helfen".

Schon zuvor hatte Boeing-Sprecher Gordon Johndroe gesagt, die angeschlagene Branche benötige "mindestens 60 Milliarden Dollar Liquidität, einschließlich Darlehensgarantien". Die langfristigen Aussichten für die Branche seien nach wie vor gut, aber bis sich der weltweite Passagierverkehr wieder normalisiert habe, wären diese Maßnahmen notwendig, um den Druck auf den Luftfahrtsektor und die Wirtschaft insgesamt zu bewältigen, so Boeing.

"Dies wird eine der wichtigsten Möglichkeiten für Fluggesellschaften, Flughäfen, Lieferanten und Hersteller sein, um die angespannte Finanzlage bis zur Erholung der Märkte zu überbrücken." Die Gelder würden das Bestehen der gesamten Industrie zugutekommen, da ein Großteil der Liquiditätshilfen für Boeing für Zahlungen an Lieferanten zur Aufrechterhaltung der Lieferkette sei, erklärte Johndroe. Der Flugzeughersteller lehnte es ab, zu sagen, welcher Anteil des Rettungspakets für seine Lieferanten vorgesehen sei.


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An der Börse geriet der US-Flugzeugbauer am Dienstag trotz allgemeiner Kursgewinne weiter unter Druck, die Aktie schloss vier Prozent schwächer. Am Montag hatte Boeing bereits einen Kurssturz um 24 Prozent erlitten. Der Konzern steht wegen seines nach zwei Abstürzen binnen kurzer Zeit weltweit mit Flugverboten belegten Verkaufsschlagers 737 Max ohnehin schon mit dem Rücken zur Wand.

dpa/rtr/akn

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