Kritik an Klimaschutz-Auflagen Condor und Lufthansa setzen auf weitere Erholung

Die Chefs der staatlich gestützten Airlines Lufthansa und Condor setzen trotz der Delta-Mutante auf eine weitere Erholung des Fluggeschäfts. Zugleich kritisiert Lufthansa-Chef Carsten Spohr die geplanten Klimaschutz-Auflagen der Bundesregierung.
Geparkte Flieger von Lufthansa und Condor in Düsseldorf: "Wenn man die Deutschen reisen lässt, sind die sofort am Start"

Geparkte Flieger von Lufthansa und Condor in Düsseldorf: "Wenn man die Deutschen reisen lässt, sind die sofort am Start"

Foto: INA FASSBENDER/ AFP

Die Chefs der Fluggesellschaften Lufthansa und Condor sind trotz der jüngsten Unsicherheit über Corona-Auflagen für Virusvariantengebiete zuversichtlich, dass die Passagierzahlen im Juli, August und September weiter steigen werden. "Ich war schon immer optimistischer als viele, dass die Nachfrage schneller zurückkommt als wir denken", erklärte Condor-Chef Ralf Teckentrup (63) bei einer Feier zum 10-jährigen Bestehen des Bundesverbandes Deutscher Luftverkehrswirtschaft (BDL) am Freitag. "Wenn man die Deutschen reisen lässt, sind die sofort am Start, nicht in drei Wochen, sondern übermorgen", sagte der Chef des Ferienfliegers.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr (54) betonte, er teile den Optimismus. Er sei allerdings besorgt, dass die europäischen Airlines durch die geplanten neuen Klimaschutzauflagen für die Branche  an Konkurrenzfähigkeit gegenüber nicht-europäischen Fluglinien verlören. Er forderte einen fairen Wettbewerb im globalen Luftverkehr. Die Lufthansa habe zwar selbst milliardenschwere Staatshilfen erhalten, er sehe aber weltweit eine Verschiebung zu ihren Ungunsten. Während die USA ihre großen Gesellschaften "sehr clever" gestützt hätten, seien die Milliardenhilfen am Golf wie auch in der Türkei und China noch einmal erhöht worden, so Spohr bei der Festveranstaltung. Mit weiteren Klimavorschriften drohten den europäischen Anbietern strukturell weitere Nachteile. Auch sein Condor-Kollege Teckentrup warnte davor, die Zubringerflüge für Lufthansa, British Airways oder auch sein Unternehmen so teuer zu machen, dass die Umsteigerpassagiere auf Drehkreuze im außereuropäischen Raum ausweichen.

Beide Manager kündigten erneut an, die Staatshilfen in ihren Unternehmen möglichst schnell zurückführen zu wollen. Spohr zeigte sich enttäuscht, dass es Europa nicht geschafft habe, in der Corona-Krise einen einheitlichen Inlands-Luftverkehrsmarkt aufrechtzuerhalten, wie es ihn in den USA und China gebe.

Delta-Virusvariante sorgt für Unsicherheit

Das Geschäft von Airlines und Reiseveranstaltern erholt sich nach langer Durststrecke seit einigen Wochen. Der Fortschritt beim Impfen und das gerade eingeführte EU-weite digitale Impfzertifikat erleichtern Urlaubsreisen unter Auflagen wie Test- und Quarantänepflichten.

Zuletzt aber stiegen in einigen Ländern die Infektionszahlen durch die ansteckendere Delta-Virusvariante wieder. Daher verhängte die Bundesregierung in dieser Woche eine zweiwöchentliche Quarantänepflicht für alle Reiserückkehrer aus Portugal und Russland, auch für Geimpfte. Die Länder sind wie Großbritannien Virusvariantengebiete – die höchste Risikostufe im Bewertungssystem der Regierung. Hunderte Urlauber brachen ihre Reise ab, um vor Gelten der Quarantänepflicht noch nach Hause zu kommen.

In der Tourismusbranche wächst die Sorge, dass auch die Massentourismusländer Spanien, Griechenland oder die Türkei als Virusvariantengebiete eingestuft werden könnten. Dann könnten Rückreiseaktionen in großem Umfang notwendig werden wie zu Beginn der Pandemie, Reisen massenhaft storniert werden und Buchungen einbrechen.

Bundesverbands-Präsident lobt Erfolge

BDL-Präsident Peter Gerber erklärte beim Festakt, die Branche sei mit der Gründung des Bundesverbandes ein großes Stück zusammengerückt. Als wichtige Erfolge nannte er bessere staatliche Sicherheitskontrollen, behobene Kapazitätsengpässe als Antwort auf die Pünktlichkeitskrise 2018 und den "Masterplan Klimaschutz im Luftverkehr" im Jahr 2020.

Unterdessen wurde die bereits vereinbarte Bund-Länder-Hilfe von 400 Millionen Euro für die deutschen Flughäfen gestartet, die in der Pandemie ihre Infrastruktur offen gehalten hatten. Einen entsprechenden Bewilligungsbescheid über 160 Millionen Euro übergaben die Verkehrsminister Andreas Scheuer (46; CSU) und Tarek Al-Wazir (50; Grüne) an den Frankfurter Flughafenchef Stefan Schulte (61).

cs/dpa-afx, Reuters
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