Coca-Cola denkt über Hanf-Brause nach Wie Cannabis massenmarkttauglich wurde

Hanf-Pflanze: Cannabis gerät in den Blick der Nahrungsmittel-Hersteller

Hanf-Pflanze: Cannabis gerät in den Blick der Nahrungsmittel-Hersteller

Foto: Patrick Pleul/ dpa

Nach den großen Brauereien entdecken nun offenbar auch die Limonadehersteller den Reiz von Cannabis. Nach Molson Coors,  Corona-Brauer Constellation Brands und dem niederländischen Brauer Heineken trägt sich nun offenbar auch der Getränkeriese Coca-Cola mit Überlegungen,in das Geschäft mit cannabishaltigen Getränken einzusteigen . Und sein Portfolio um die angesagten Nischengetränke zu erweitern.

Laut einem Bericht des kanadischen Finanznachrichtensenders "BNN Bloomberg " spricht Coca-Cola aktuell mit dem drittgrößten kanadischen Cannabishersteller "Aurora Cannabis" über eine mögliche Entwicklung eines Cannabis-Drinks.

Offiziell bestätigt wurden die Gespräche zwar nicht. Aber sowohl Coca-Cola als auch Aurora bestätigten individuell, sich die Entwicklung von mit Cannabis versetzten Getränken genau anzuschauen. Eine Idee, die die Aktie von Aurora beflügelte. Der Kurs des kanadischen Marihuana-Herstellers legte nach Bekanntwerden der Nachricht um 22 Prozent zu. Die Aktien von Aurora, Canopy Growth und anderen Cannabis-Produzenten verzeichnen seit Monaten ohnehin deutliche Zuwächse an der Börse - dort ist Cannabis inzwischen ein Mode-Thema.

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Anders als die großen Brauereien, die zum Teil auf THC-haltige Drinks mit leicht berauschender Wirkung setzten, dürfte Coca-Cola allerdings eher an einer massenmarkttauglichen Getränkevariante interessiert sein. Laut Bloomberg  womöglich mit dem Marihuana-Wirkstoff Cannabidiol (CBD).

Anders als das "high" machende Tetrahydrocannabinol (THC) werden dem aus den Hanfblüten gewonnenen CBD entzündungshemmende, schmerzlindernde, muskellockernde und Blutzuckersenkende Eigenschaften zugesprochen.

Was Cannabis für Coca-Cola attraktiv macht

Zudem gilt CBD als nicht suchtfördernd und berauschend - und ist in vielen internationalen Verträgen und Drogengesetzen nicht aufgeführt, was die Verarbeitung für Coca-Cola erleichtern dürfte. Auch im deutschen Betäubungsmittelgesetz ist der Stoff CBD nicht als verbotener Stoff aufgeführt. Zudem kommt CBD in vielen Nutzhanfsorten recht hochprozentig vor, was den Stoff für seine industrielle Verwendung zudem günstig macht.

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"Einzigartig in unserer Geschichte": Coca-Cola wagt sich erstmals an ein Getränk mit Alkohol

Foto: ? Christian Hartmann / Reuters/ REUTERS

Analysten werteten Überlegungen zur Einführung eines CBD-Drinks als durchaus sinnvoll - gegenüber den Kunden allerdings als erklärungsbedürftig, da Coke deutlich machen müsste, dass Cannabis nicht mit berauschendem THC gleichzusetzen ist.

Analysten sehen "aufregende Entwicklung"

Wells-Fargo-Analyst Bonnie Herzog sprach von einer "aufregenden möglichen Entwicklung", die Coke nach dem Kauf 5,1 Milliarden-Dollar-Kauf von Costa-Coffee in ein weiteres Wachstumsstarkes Segment führen würde - das der "Functional-Wellness-Getränke. Beispielsweise gibt es Mutmaßungen, dass Coke das CBD-Getränk als Sport-Erholungsgetränk vermarkten könnte.

Bei anderen Trends wie mit Vitaminen angereichertem Wasser  oder Energydrinks  war Coke relativ spät auf den Zug aufgesprungen - und hatte später Milliarden für Zukäufe ausgeben müssen.

Zieht Pepsi bald nach?

Entsprechend halten es Analysten auch für möglich, dass demnächst auch Pepsi in den Cannabis-Getränkemarkt einsteigt, um seine Gatorade-Potfolio zu erweitern. Mutmaßungen, die Pepsi zunächst aber nicht kommentierte.

Die großen Brauereien haben - sensibilisiert durch dasschmerzhafte Verpassen des Craft-Bier-Trends - Cannabis schon länger für sich entdeckt. Erst Mitte August stieg der weltgrößte Weinkonzern und Corona-Brauer Constellation Brands mit 3,8 Millionen US-Dollar beim kanadischen Cannabis-Züchter Canopy Growth ein.

Auch Konkurrent Molson Coors, der fünfgrößte Brauereikonzern der Welt, hat seine Fühler schon ins Cannabis Geschäft ausgestreckt. Über ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem kanadischen Cannabis-Produzenten Hydropothecary will Molson Coors in großem Stil ins Geschäft mit alkoholfreien Cannabis-Getränken einsteigen. 

Ein Geschäftszweig, den auch die niederländische Brauerei Heineken bereits für sich entdeckt hat. Ende Juni brachte Lagunitas, ein kalifonischer Craft-Brauer, an dem die Niederländer mit 50 Prozent beteiligt sind, eine alkoholfreies Getränk mit 10 beziehungsweise 5 mg des Cannabinoids THC,auf den Markt.

Cannabis-Aktien im Höhenrausch: Ritt auf der Legalisierungs-Welle

Der Marktforscher Euromonitor rechnet damit, dass sich angesichts einer aktuellen Legalisierungswelle der legale Cannabis-Markt alleine in den USA von 5,4 Milliarden Dollar bis 2020 auf 16 Milliarden Dollar verdreifachen wird.

Eine ganze Reihe von US-Bundesstaaten hat den Konsum von Cannabis bereits legalisiert - die meisten zu medizinischen Zwecken. In sieben Staaten ist der Verkauf allerdings auch der so genannte "recreational use", zur persönlichen Entspannung erlaubt - auch wenn die Droge auf Bundesebene noch immer als illegal eingestuft wird. In Kanada soll Cannabis am 17. Oktober legalisiert werden. Und auch in Südafrika ist der private Anbau und Konsum von Marihuana und anderen Cannabis-Produkten gerade für legal erklärt worden.

Entsprechend erleben die Aktien der Cannabis-Konzerne aktuell einen regelrechten Höhenflug. So hat der BI Canada Cannabis Competitive Peers Index seinen Wert in den vergangenen 12 Monaten mehr als verdoppelt. Allerdings haben Bedenken, dass viele der Firmen massiv überbewertet sein könnten, immer wieder für Rückschläge und starke Kursschwankungen gesorgt.

mit Material von reuters