Coca-Cola kauft für 4,4 Milliarden Euro Kaffee zu Warum der Zweikampf um den Kaffeethron zum Dreikampf wird

Neuzugang Coca-Cola: Künftig mischt auch Coca-Cola massiv auf dem lukrativen Kaffeemarkt mit

Neuzugang Coca-Cola: Künftig mischt auch Coca-Cola massiv auf dem lukrativen Kaffeemarkt mit

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Der Zweikampf um den internationalen Kaffeemarkt wird zum Dreikampf: Der Getränkekonzern Coca-Cola  kauft sich in diejenige Branche ein, in der sich bereits ein Investoren-Club um die deutsche Milliardärsfamile Reimann und der Schweizer Lebensmittelmulti Nestlé  seit einigen Jahren eine Materialschlacht liefern.

Wie Coca-Cola am Freitag bekannt gab,übernimmt der Getränkemulti für umgerechnet 4,3 Milliarden Euro (3,9 Milliarden Pfund) die zweitgrößte Kaffeekette der Welt, Costa Coffee, von der britischen Restaurant- und Hotelkette Whitbread. Und sichert sich damit eine starke Marke im Kaffeegeschäft in Europa, Asien Pazifik, dem Nahen Osten und Afrika. Zur Marke Costa gehört auch die gleichnamige Kaffeehauskette mit knapp 4000 Filialen, gut 2400 davon in Großbritannien.

Mit dem Zukauf kehrt Coca-Cola zurück in einen Getränkebereich, in dem seit mehreren Jahren der Konsumgüterriese Nestlé und der von Investoren unterstützte deutsche Reimann-Clan mit Milliardenzukäufen um die Vorherrschaft kämpfen. Eine Schlacht, die immer weiter ausufert und auf beiden Seiten bereits Milliardensummen verschlungen hat.

Entfesselte Milliardenschlacht

Dabei hat die Familienholding der Reimanns, JAB, ein milliardenschweres Kaffee- und Frühstücksimperium zusammengekauft: Dazu gehören mittlerweile neben dem Kaffeeriesen Jacobs Douwe Egberts ("Jacobs", "Tassimo", "Senseo") und dem direkten amerikanischen Nespresso-Konkurrenten Keurig (mittlerweile Keurig Dr Pepper)Ketten wie Baresso, Balzac, Espresso House, Peet's Coffee, Intelligentsia, Stumptown, Panera Bread, Krispy Kreme Doughnuts, Einstein Bros Bagels, Caribou Coffee und Au Bon Pain. Letzter Coup war im Mai der Zukauf der Sandwich-Kette Pret a manger für rund 1,7 Milliarden Euro.

Wie der Reimann-Clan Coca-Cola auf den Plan rief

Ein Siegeszug, den Rivale Nestlé (Nespresso, Nescafé, Dolce Gusto) nicht auf sich sitzen lassen konnte. Im Mai schlug der Konsumgüterhersteller zurück und kaufte für 6 Milliarden - mehr als das Dreifache des Jahresumsatzes des akquirierten Geschäftes - das Handelsgeschäft des Kaffeeriesen Starbucks, um dem Vormarsch des Reimann-Clans in den USA Einhalt zu gebieten.

Bei seinem Siegeszug und den Bemühungen, den Vertrieb für sein Kaffeeimperium zu verbessern, drang JAB über sein Investment, den direkten Nespresso-Konkurrenten Keurig, auch in das Softdrink-Segment vor - das Kerngeschäft des neuen Kaffeekonkurrenten Coca-Cola.

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Kaffee, Luxus und mehr: Das ist das Reich des Milliardärs-Clans Reimann

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In einem mehr als 21 Milliarden Dollar schweren Geschäft sicherte sich der Kapselhersteller Keurig Green Mountain den US-Limonadenhersteller Dr Pepper Snapple. Und dabei wollte es der Reimann-Clan nicht belassen. Er kündigte den Aufkauf weiterer Getränkemarken aus den Bereichen Wasser und Energydrinks an.

Eine Erweiterung des Portfolios, das in der Branche als "bulking up" (auffüllen) bezeichnet wird. Und vom Branchenprimus Coca-Cola offenbar sehr aufmerksam beobachtet wurde.

Nun schlägt der Getränkekonzern zurück und weitet sein Portfolio seinerseits auf Kaffee aus, einen lukrativen und wachsenden Markt, in dem viele junge Leute nicht genau auf den Preis schauen. Und viele bereit sind, für exotische Kaffees bestimmter Marken und ein bestimmtes Flair hohe Preise zu zahlen.

Warum Coca-Cola jetzt ausgerechnet Kaffee für sich entdeckt hat...

Für Coca-Cola ein interessantes Expansionsgebiet. Wird das Geschäft mit klassischen Limonaden wegen deren hohen Zuckergehaltes in vielen westlichen Märkten doch immer schwerer.

Um auf diesen Trend zu reagieren, mistet der Limonadekonzern aktuell sein Portfolio aus und will zahlreiche wachstumsschwache Marken aus dem Portfolio werfen.

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"Einzigartig in unserer Geschichte": Coca-Cola wagt sich erstmals an ein Getränk mit Alkohol

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Gleichzeitig kaufte der Konzern bei den immer mehr gefragten Gesundheits- und Sportgetränken zu und erwarb beispielsweise bereits 2007 für umgerechnet drei Milliarden Euro den Hersteller von Vitamin Water, Energy Brands (Glaceau). Vor wenigen Tagen kaufte sich Coca-Cola dann noch in den Gatorade-Konkurrenten Body Armour ein . Und in Japan experimentiert der Konzern mittlerweile sogar mit alkoholhaltigen Brausen.

Auch Konkurrent Pepsi ist sehr bemüht sein Portfolio an den Gesundheitstrend anzupassen und kaufte gerade für 3,2 Milliarden Dollar den israelischen Wassersprudler-Produzenten Sodastream.

.. und was das für die beiden anderen Wettbewerber bedeutet

Neben dem Wasser- und Energydrinkmarkt stellt aber auch der Kaffeemarkt für Coca-Cola ein attraktives Segment dar, in dem der Limonadekonzern bereits investiert war - aber kleiner - unter anderem über die Kaffeemarke Georgia.

Und auch an am Nespresso-Konkurrenten Keurig-Green Monutain hielt Coca-Cola vor einigen Jahren zeitweise eine Beteiligung von 16 Prozent - als die Kette versuchte, über den Kohlensäure-Spudler Keurig Kold einen Fuß in den Markt für zu Hause hergestellte Erfrischungsgetränke zu bekommen.

Ein Versuch, den Keurig aufgrund mangelnden Erfolges nach wenigen Monaten 2016 wieder aufgab.  Und seinen Anteil an den jetzigen Konkurrenten auf dem Kaffeemarkt, die JAB Holding, bei deren Übernahme von Keurig aufgab.

Nun ist Coca-Cola zurück. Und mit dem Konzern ein neuer, potenter Wettbewerber für Nestlé und den Reimann-Clan am Start, der dem Kampf in der Branche einen weiteren Koffeinschub verleihen dürfte.