Mittwoch, 13. November 2019

Serie zu Innovationen für Klimaschutz Wie sich CO2 noch nützlich machen kann

Kohlendioxid statt Öl: Cardyon-Anlage von Covestro in Dormagen

Blau statt grün leuchtet der Kunstrasen, über den die Hockey-Spieler des CHTC in Krefeld rennen. Premiere für den modernsten Sportboden der Welt, heißt es; der werde auch bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio zum Einsatz kommen. Weniger sichtbar, aber spektakulärer: Der Unterboden enthält als Bindemittel ein Fünftel CO2 - Abgas aus einem nahen Chemiewerk, das sonst in die Atmosphäre gelangt wäre. "Wir wollten einfach den besten Platz haben", zitierte die "Rheinische Post" einen Clubmanager. Dass der Club so einen Beitrag zum Klimaschutz leiste, habe man erst später erfahren.

Womöglich sogar einen entscheidenden. Denn die Pläne zur Decarbonisierung der Wirtschaft haken daran, dass etliche Industrien keine richtig praktikablen Alternativen zum Ausstoß von CO2 finden. Von Stahl bis Zement sind sich die großen Emittenten einig: Auch sie wollen bis zur Mitte des Jahrhunderts klimaneutral werden. Das gehe aber nur, wenn die unvermeidlich anfallenden Megatonnen des klimaschädlichen Gases irgendwie aufgefangen werden und nicht in die Atmosphäre strömen.

Endlager für CO2, wie sie RWE in Schleswig-Holstein und Vattenfall in Brandenburg noch vor einem Jahrzehnt planten (in der Hoffnung, ihre Kohlekraftwerke in die Ära des Klimaschutzes zu retten), scheiterten am politischen Widerstand. In Deutschland gilt das Thema als tot. Global sind zwar nach jüngster Zählung des Global CCS Institute 18 große Lager in Betrieb, wie das ehemalige Erdgasfeld Sleipner in der norwegischen Nordsee. Die kommen aber zusammen auf 40 Millionen Tonnen pro Jahr - gerade mal ein Tausendstel der weltweiten Emissionen.

Dann bleibt als nächste Lösung, das CO2 weiterzuverwenden. Als Hilfsmittel für Ölbohrungen ist es schon lange im Einsatz - darauf zielen auch die meisten CCS-Lager. Wirklich hilfreich fürs Klima ist es aber nur, wenn das Gas dauerhaft chemisch gebunden bleibt und eben nicht im nächsten Schritt wieder entweicht.

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