Hoffnung in der Chipkrise Infineon eröffnet neues Chipwerk in Österreich

In Österreich eröffnet Infineon am Freitag sein neuestes Werk - eines von mehreren Großprojekten in Europa. Auch Branchenriese Intel spielt mit dem Gedanken, ein Werk in Deutschland zu eröffnen. Ein vorzeitiges Ende der Chipkrise wird das aber kaum bedeuten.
Neues Werk: In Österreich fertigen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon seit drei Monaten Halbleiter

Neues Werk: In Österreich fertigen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon seit drei Monaten Halbleiter

Besser könnte das Timing für Infineon eigentlich nicht sein. Die ganze Welt reißt sich um die Halbleiter des Dax-Konzerns. Nun eröffnet am Freitag das neue Chipwerk von Infineon im österreichischen Villach. Dort stellt das Unternehmen bereits seit drei Monaten Leistungshalbleiter her. Anfang des Jahres gab Infineon bekannt, die Fabrik wegen des weltweiten Chipmangels und der anhaltend hohen Nachfrage früher fertigzustellen. 1,6 Milliarden Euro hat der Bau des Werks gekostet. Für die europäische Wirtschaft ist es ein Hoffnungsschimmer – wenngleich ein schwacher. Nahezu alle wichtigen Branchen kämpfen mit den Lieferengpässen in der Versorgung mit Halbleitern. Die Autoindustrie produziert weniger Fahrzeuge, Haushalte warten auf ihre neuen Waschmaschinen und die neuesten Spielkonsolen sind auf Monate vergriffen. Das neue Werk in Österreich wird die Krise jedoch nicht lösen, sondern maximal lindern können. Denn Infineon fertigt dort Leistungshalbleiter und nicht die in der Autobranche benötigten Mikroprozessoren. Im Zuge der Eröffnung gab Infineon-CEO Reinhard Ploss bekannt, dass die Preise der bei Chips steigen dürften. Das Unternehmen sei mit höheren Lieferkosten konfrontiert. "Wir gehen in Summe von erheblich steigenden Preisen aus", sagte er.

Außerdem wird die Fabrik erst in bis zu vier Jahren seine vollen Produktionskapazitäten erreichen. Dann rechnet Infineon dank der starken Nachfrage mit einem steigenden Umsatz: zwei Milliarden Euro will das Unternehmen pro Jahr mehr einnehmen.

Festakt: Österreichische Infineon-Landeschefin Sabine Herlitschka, Konzernchef Reinhard Ploss und COO Jochen Hanebeck (von links)

Festakt: Österreichische Infineon-Landeschefin Sabine Herlitschka, Konzernchef Reinhard Ploss und COO Jochen Hanebeck (von links)

Diese Herausforderung will die Europäische Union meistern. Thierry Breton, Kommissar für Binnenmarkt, forderte im Frühjahr, die Chipproduktion wieder nach Europa zu holen. Die EU müsse bis 2030 ein Fünftel der Halbleiter selbst herstellen. Derzeit ist es weniger als die Hälfte dieses Zielwertes. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte am Mittwoch ein europäisches Halbleitergesetz an. Damit sollen die EU und die Mitgliedstaaten koordiniert in neue Produktionsstätten investieren, anstatt sich mit Subventionen zu überbieten. Zudem veröffentlichte Breton am Mittwoch einen Blogpost, indem er sich für einen gemeinsamen europäischen Halbleiterfonds aussprach.

Deutschland buhlt um Intel-Werk

Andere Chipunternehmen wollen sich ebenfalls in Europa niederlassen. So kündigte etwa der Vorstandsvorsitzende von Intel, Pat Gelsinger, in einem Interview mit der "FAZ" an, eine "Megafabrik" bauen zu wollen. Dafür will der Branchenriese 80 Milliarden Euro investieren. Man gehe von einem Fabrikgelände von 500 Hektar aus. Noch in diesem Jahr wolle man sich für einen Standort entscheiden. Auch Deutschland möchte das attraktive Projekt anziehen. Intel hat derzeit zehn Kandidaten in der engeren Auswahl. Trotz des geplanten Projekts zweifelt Gelsinger an einer raschen Erholung der Krise. Bei der Präsentation der Quartalsbilanz sagte er: "Während ich erwarte, dass die Talsohle bei den Engpässen in der zweiten Jahreshälfte durchschritten wird, wird es noch ein oder zwei Jahre dauern, bis die Industrie die Nachfrage vollständig erfüllen kann."

Der deutsche Technologiekonzern Bosch hat hingegen unlängst ein neues Chipwerk in Dresden eröffnet. Drei Jahre nach Baubeginn lief die Produktion im Sommer an. Zunächst produzierte das Unternehmen für sich selbst. Die Chips wurden in Bosch-Elektrowerkzeugen verbaut. Im September startet die Halbleiter-Produktion für die Automobil-Industrie. Bosch hat rund eine Milliarde Euro in die neue Fabrik auf einem rund 100.000 Quadratmeter großen Areal in der Nähe des Dresdner Flughafens investiert – die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte.

Standort Europa? Für McKinsey zu teuer

Experten der Unternehmensberatung McKinsey sehen Investitionen in Halbleiterwerke in Europa kritisch. Moderne Halbleiter im großen Stil in der EU herzustellen, sei Geldverschwendung. Das berichtete das Handelsblatt. Demnach entspreche die modernste Chipgeneration nicht den Bedürfnissen der hiesigen Industrie. Den Fachleuten zufolge wird die gesamte europäische Autoindustrie 2024 nur zwei Prozent der neuesten Chips weltweit nachfragen. Daher seien Investitionen in Werke, die mehr als zehn Milliarden Dollar kosten, unrentabel. Vielmehr sollten öffentliche Gelder in Fabriken fließen, die zwar moderne aber nicht die fortschrittlichsten Technologien produzieren. Diese sollte man lieber aus den USA zukaufen. Denn nicht nur in Europa versucht die Chipindustrie zu expandieren. Sondern auch die Vereinigten Staaten fördern neue Fabriken. Damit wäre der europäische Markt nicht mehr so abhängig von den asiatischen Zulieferern. Deren Produktionsengpässe die globale Wirtschaft belasten.

flx
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