Stagnation Chemiebranche senkt Umsatzprognose

Schwanken um die Nulllinie - so beschreibt der Chemieverband VCI Lage und Erwartungen in einer von Deutschlands Vorzeigeindustrien. Im Vergleich zum Maschinenbau erweist sich die Branche damit als stabil. Doch auch BASF und Co. dampfen ihre Ziele ein.
BASF-Werk in Ludwigshafen: "Geschäftserwartungen der Branche schwanken um die Nulllinie"

BASF-Werk in Ludwigshafen: "Geschäftserwartungen der Branche schwanken um die Nulllinie"

Foto: BASF/ dpa

Frankfurt am Main - Die Chemieindustrie hat nach einem schwachen ersten Halbjahr kaum Hoffnung auf eine durchgreifende Besserung. "Beim Ausblick auf die nächsten Monate halten sich Optimismus und Pessimismus die Waage", sagte VCI-Präsident und Merck-Chef Karl-Ludwig Kley am Donnerstag in Frankfurt ein.

Nachdem Branchenumsatz und Produktion in den ersten sechs Monaten auf Vorjahresniveau verharrten, setzt der Verband der Chemischen Industrie (VCI) für die zweite Jahreshälfte auf ein leicht anziehendes Inlandsgeschäft und steigende Chemieausfuhren in europäische Nachbarländer. Produktion und Branchenumsatz sollen - allerdings nur bescheiden - 2013 zulegen. "Die Geschäftserwartungen der Branche schwanken um die Nulllinie", sagte Kley.

Damit trifft es die Chemie nicht ganz so hart wie eine andere Schlüsselindustrie in Deutschland - die Maschinenbauer. Sie hatten wegen der Inlandsflaute unlängst ihre Jahresziele gekippt. Ein Abrutschen der deutschen Wirtschaft in die Rezession befürchtet der VCI jedoch nicht. Deutschlands drittgrößter Industriezweig nach den Autobauern und dem Maschinenbau geht wie bisher für das Gesamtjahr lediglich von einem Anstieg der Chemieproduktion um 1,5 Prozent aus.

Der Industriezweig mit Konzerngrößen wie BASF , Bayer  und Evonik  senkte zudem seine Jahresprognose für den Chemieumsatz leicht auf plus 1,5 Prozent von bislang plus 2,0 Prozent. Grund seien die Erzeugerpreise, die laut VCI 2013 nun wohl stagnieren werden. Bislang war der Verband davon ausgegangen, dass die Firmen ihre Preise um 0,5 Prozent anheben können. Zuletzt waren wichtige Rohstoffe aber günstiger geworden - das reichen die Chemieunternehmen nun an ihre Kunden weiter.

Maschinenbauer erwarten Rückgang statt Wachstum

Die Maschinenbauer hatten unlängst wegen der Nachfrageflaute vor allem im Inland ihre Ziele für 2013 deutlich zurückgenommen. Die Branche geht nunmehr von einem Produktionsrückgang von 1 Prozent aus, bisher hatte der Verband VDMA ein Plus von 2 Prozent angepeilt. Für die gesamte deutsche Wirtschaft erwarten viele Ökonomen und die Bundesbank nur einen leichten Anstieg von 0,3 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt. Zuletzt mussten auch die erfolgsverwöhnten Exporteure der Rezession in der Euro-Zone und der globalen Konjunkturabkühlung Tribut zollen. Die Exportbranche setzt aber auf das zweite Halbjahr, um das angepeilte Umsatzplus von 3 Prozent noch zu erreichen.

Für die Chemieindustrie fiel das erste Halbjahr verhalten aus. Der Branchenumsatz stagnierte zum Vorjahreszeitraum bei 91 Milliarden Euro. Dabei ging der Umsatz im Inland um 1 Prozent zurück, da Industriekunden weniger bestellten. Der Auslandsumsatz legte hingegen leicht um 0,5 Prozent zu. "Aus den europäischen Nachbarländern konnten erneut mehr Aufträge verbucht werden. Ob das nachhaltig ist, muss man sehen", sagte VCI-Präsdent Kley.

Seine Produktion konnte der Industriezweig binnen Jahresfrist nicht ausweiten, obwohl die Anlagen mit 84 Prozent immer noch gut ausgelastet blieben. Höhere Preise konnten die Unternehmen nicht durchsetzen. In Deutschland liege die Chemieproduktion immer noch um 3 Prozent unter dem Vorkrisenniveau von 2007, sagte Kley. "Insofern können wir nicht zufrieden sein." Neue Stellen wurden in der Chemiebranche im ersten Halbjahr nicht geschaffen. Die Zahl der Arbeitsplätze blieb mit rund 434.300 konstant. Auch für das Gesamtjahr rechnet der VCI nicht mit einem Stellenaufbau.

ak/rtr
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