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Legale Steuerflucht: Die Lieblingsoasen der Konzerne

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Burger King und andere Amerikas Unternehmensexodus

Der amerikanische Fastfoodriese Burger-King will die kanadische Kette Tim Hortons übernehmen - und zugleich ins steuergünstigere Kanada abwandern. Ein Weg, den derzeit viele US-Unternehmen gehen. Fragt sich nur, wie lange noch. Protest brandet auf.

Hamburg/Miami - Bevor Daniel Schwartz im Juni letzten Jahres seinen neuen Job als Chef bei der Burger King antrat, musste der frühere Hedgefonds-Manager und M&A-Experte noch eine Schnellkurs im Fleischklopsbraten absolvieren. Der heute gerade einmal 33-Jährige half in einem Laden in Miami am Verkaufstresen aus. Und er putzte an zwei Tagen "ungefähr 15 Toiletten", wie er stolz einem begleitenden Fernsehteam verkündete. 

Wo Schwartz' eigentliche Begabungen liegen, dürfte der amerikanischen Öffentlichkeit mit der Ankündigung des Unternehmens, seinen Sitz nach Kanada zu verlegen , nun klar geworden sein.

Geht es nach Schwartz und Burger-King-Großaktionär 3G Capital, wird der amerikanische Fastfoodriese mit der Übernahme der kanadischen Donut-Kette Tim Hortons seinem Heimatland den Rücken kehren und künftig vom deutlich steuergünstigeren Kanada aus operieren.

Statt bis zu 35 Prozent wie in den USA müsste Burger King dort nur rund 15 Prozent Unternehmensteuer an den Staat zahlen . Regionale Steuern nicht eingeschlossen. Viele US-Unternehmen sind daher längst dazu übergegangen, ihre Cashreserven ins Ausland zu verfrachten , um sie nicht in den USA versteuern zu müssen.

Steuerparadies Kanada

Im Nachbarland der USA hat die kanadische Regierung unter der Ägide ihres konservativen Premiers Stephen Harper eine Art Steuerparadies geschaffen - allerdings nur für Unternehmen. Lag die staatliche Unternehmensteuer in den 80ern noch bei stattlichen 30 Prozent, senkte die Regierung diese in den vergangenen Jahren schrittweise ab. Seit 2012 werden für Unternehmen nun nur noch 15 Prozent fällig - was dem Land trotz des niedrigeren Steuersatzes ein deutliches Einnahmeplus im Staatssäckel bescherte.

Für die US-Regierung sind Steuerfluchten, wie sie nun auch Burger King plant, nicht neu. "Den heißesten Trend in M&A" nannte das "Wall Street Journal"  die so genannte "tax inversion" kürzlich. Mehr als 22 US-Unternehmen haben demnach seit 2011 die Steuerflucht aus den USA bereits angetreten.

Alleine in diesem Jahr hat mehr als die Hälfte der US-Unternehmen, die im Ausland zukauften, diese Möglichkeit genutzt. Ganze 66 Prozent zog es ins steuergünstigere Ausland, wie das "WSJ" unter Berufung auf Thomson Reuters berichtet. 2011 lag die Quote demnach noch bei einem Prozent.

Pharmakonzerne flüchten in die Schweiz, nach Irland und in die Niederlande

Sorgte zuletzt der Bananenriese Chiquita mit Steuerfluchtplänen nach Irland für Aufmerksamkeit, waren es zuletzt vor allem Pharmaunternehmen, die sich von niedrigeren Abgaben nach Kanada, in die Schweiz oder nach Irland locken ließen.

Alleine in diesem Jahr beschlossen fünf Pharmakonzerne einen Umzug in Niederigsteuerländer, darunter der US-Generikahersteller Mylan, AbbVie oder der Medizintechnikhersteller Medtronic, den es nach der Übernahme des Wettbewerbers Covidien nach Irland zieht.

Davor waren es laut Reuters  vor allem der Ölindustrie nahestehende Unternehmen wie wie McDermott, Rowan oder Transocean, die es in Steueroasen wie die Kaimaninseln, auf die Bermudas oder nach Großbritannien zog.

Das "Fenster der Möglichkeiten" schließt sich

Doch das "Fenster der Möglichkeiten" wie es Wells-Fargo-Analystin Kelly Colotia  nennt, könnte sich angesichts von Fällen wie dem von Burger King bald schießen. Schließlich brächten es die größte kanadische Restaurantkette und der weltweit zweitgrößte Hamburger-Brater gemeinsam auf einen Jahresumsatz von 22 Milliarden Dollar. Steuern darauf und die Gewinne dürften in der US-Staatsschatulle schmerzhaft fehlen.

Angesicht zu erwartender Mindereinnahmen in Milliardenhöhe aufgrund des Trends zur Steuerflucht in den nächsten Jahren, gehen Experten wie Colotia davon aus, dass die US-Regierung den sogenannten "tax inversions" bald einen Riegel vorschieben wird.

Überlegungen, das Steuerschlupfloch zu schießen oder die Firmenumzüge zumindest zu erschweren, gibt es schon länger. Allerdings braucht US-Präsident Obama für wirkungsvolle Maßnahmen die Hilfe des Kongresses. "Wir können das ganze Problem nicht auf administrativem Wege lösen", erklärte er vor einigen Wochen.

Wütende Bürger rufen zum Boykott auf

Das jedoch könnte sich angesichts der aktuellen Machtverteilung äußerst schwierig gestalten. Denn bislang zeigen die prinzipiell steuerkritischen Republikaner wenig Neigung, gegen die Steuerflucht vorzugehen. Doch nach Einschätzung des demokratischen Kongressabgeordneten Sander M. Levin könnten Fälle wie der von Burger King womöglich Bewegung in die Sache bringen.

Jeder Wegzug eines Unternehmens sei ein "Funke, der trockenes Holz entzündet", sagte er der "New York Times".  "Und je mehr Funken es gibt, umso mehr steigt hier der Druck auf die Republikaner."

Berater mahnen Unternehmen zu Eile

Entsprechend mahnen Experten wie die Wells-Fargo-Bankerin Colotia Unternehmen zur Eile, wollen sie das Steuerschlupfloch noch erfolgreich nutzen. "Angesichts der Aufmerksamkeit, die die Steuerfluchten provoziert haben, besteht ein realistisches Risiko, dass sich das Fenster, diese abzuschließen, sich eher früher als später schließt", schreibt sie. Zwar sei es unwahrscheinlich, dass dies noch 2014 geschehe, "aber es besteht die Möglichkeit, dass die Gesetzgeber 2015 handeln".

Für Burger-King und sein CEO Schwartz steht das "Fenster des Möglichkeiten" noch weit offen. Dass der Wegzug der in den 50ern in Florida gegründeten All American Company für einen öffentlichen Aufschrei sorgen wird, ist da sicher längst einkalkuliert. Bereits jetzt machen US-Bürger unter dem Hashtag #BoycottBK ihrem Ärger über die Pläne in wütenden Tiraden Luft.

Mit Boykottaufrufen hat 3G seine Erfahrungen - nicht zuletzt seit mehreren Werksschließungen bei seinem Investment, dem Ketchup-Hersteller Heinz. Wirklich geschadet haben die Aufrufe dem Unternehmen aber nicht. Dank der3G-typischen Effizienzprogramme ist das Ergebnis vor Zinsen und Steuern alleine im ersten Halbjahr 2014 um mehr als 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen - allen Protesten und Boykotts zum Trotz.

Gegenüber Steuerersparnissen in Milliardenhöhe dürfte da für Burger King der öffentliche Aufschrei das deutlich kleinere Übel sein.

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