Dienstag, 7. April 2020

Burger King und andere Amerikas Unternehmensexodus

Legale Steuerflucht: Die Lieblingsoasen der Konzerne
Corbis

Der amerikanische Fastfoodriese Burger-King will die kanadische Kette Tim Hortons übernehmen - und zugleich ins steuergünstigere Kanada abwandern. Ein Weg, den derzeit viele US-Unternehmen gehen. Fragt sich nur, wie lange noch. Protest brandet auf.

Hamburg/Miami - Bevor Daniel Schwartz im Juni letzten Jahres seinen neuen Job als Chef bei der Burger King antrat, musste der frühere Hedgefonds-Manager und M&A-Experte noch eine Schnellkurs im Fleischklopsbraten absolvieren. Der heute gerade einmal 33-Jährige half in einem Laden in Miami am Verkaufstresen aus. Und er putzte an zwei Tagen "ungefähr 15 Toiletten", wie er stolz einem begleitenden Fernsehteam verkündete.

Wo Schwartz' eigentliche Begabungen liegen, dürfte der amerikanischen Öffentlichkeit mit der Ankündigung des Unternehmens, seinen Sitz nach Kanada zu verlegen, nun klar geworden sein.

Geht es nach Schwartz und Burger-King-Großaktionär 3G Capital, wird der amerikanische Fastfoodriese mit der Übernahme der kanadischen Donut-Kette Tim Hortons seinem Heimatland den Rücken kehren und künftig vom deutlich steuergünstigeren Kanada aus operieren.

Statt bis zu 35 Prozent wie in den USA müsste Burger King dort nur rund 15 Prozent Unternehmensteuer an den Staat zahlen. Regionale Steuern nicht eingeschlossen. Viele US-Unternehmen sind daher längst dazu übergegangen, ihre Cashreserven ins Ausland zu verfrachten, um sie nicht in den USA versteuern zu müssen.

Steuerparadies Kanada

Im Nachbarland der USA hat die kanadische Regierung unter der Ägide ihres konservativen Premiers Stephen Harper eine Art Steuerparadies geschaffen - allerdings nur für Unternehmen. Lag die staatliche Unternehmensteuer in den 80ern noch bei stattlichen 30 Prozent, senkte die Regierung diese in den vergangenen Jahren schrittweise ab. Seit 2012 werden für Unternehmen nun nur noch 15 Prozent fällig - was dem Land trotz des niedrigeren Steuersatzes ein deutliches Einnahmeplus im Staatssäckel bescherte.

Für die US-Regierung sind Steuerfluchten, wie sie nun auch Burger King plant, nicht neu. "Den heißesten Trend in M&A" nannte das "Wall Street Journal" die so genannte "tax inversion" kürzlich. Mehr als 22 US-Unternehmen haben demnach seit 2011 die Steuerflucht aus den USA bereits angetreten.

Alleine in diesem Jahr hat mehr als die Hälfte der US-Unternehmen, die im Ausland zukauften, diese Möglichkeit genutzt. Ganze 66 Prozent zog es ins steuergünstigere Ausland, wie das "WSJ" unter Berufung auf Thomson Reuters berichtet. 2011 lag die Quote demnach noch bei einem Prozent.

© manager magazin 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung