Mittwoch, 1. April 2020

Burger King und andere Amerikas Unternehmensexodus

Legale Steuerflucht: Die Lieblingsoasen der Konzerne
Corbis

3. Teil: Wütende Bürger rufen zum Boykott auf

Das jedoch könnte sich angesichts der aktuellen Machtverteilung äußerst schwierig gestalten. Denn bislang zeigen die prinzipiell steuerkritischen Republikaner wenig Neigung, gegen die Steuerflucht vorzugehen. Doch nach Einschätzung des demokratischen Kongressabgeordneten Sander M. Levin könnten Fälle wie der von Burger King womöglich Bewegung in die Sache bringen.

Jeder Wegzug eines Unternehmens sei ein "Funke, der trockenes Holz entzündet", sagte er der "New York Times". "Und je mehr Funken es gibt, umso mehr steigt hier der Druck auf die Republikaner."

Berater mahnen Unternehmen zu Eile

Entsprechend mahnen Experten wie die Wells-Fargo-Bankerin Colotia Unternehmen zur Eile, wollen sie das Steuerschlupfloch noch erfolgreich nutzen. "Angesichts der Aufmerksamkeit, die die Steuerfluchten provoziert haben, besteht ein realistisches Risiko, dass sich das Fenster, diese abzuschließen, sich eher früher als später schließt", schreibt sie. Zwar sei es unwahrscheinlich, dass dies noch 2014 geschehe, "aber es besteht die Möglichkeit, dass die Gesetzgeber 2015 handeln".

Für Burger-King und sein CEO Schwartz steht das "Fenster des Möglichkeiten" noch weit offen. Dass der Wegzug der in den 50ern in Florida gegründeten All American Company für einen öffentlichen Aufschrei sorgen wird, ist da sicher längst einkalkuliert. Bereits jetzt machen US-Bürger unter dem Hashtag #BoycottBK ihrem Ärger über die Pläne in wütenden Tiraden Luft.

Mit Boykottaufrufen hat 3G seine Erfahrungen - nicht zuletzt seit mehreren Werksschließungen bei seinem Investment, dem Ketchup-Hersteller Heinz. Wirklich geschadet haben die Aufrufe dem Unternehmen aber nicht. Dank der3G-typischen Effizienzprogramme ist das Ergebnis vor Zinsen und Steuern alleine im ersten Halbjahr 2014 um mehr als 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen - allen Protesten und Boykotts zum Trotz.

Gegenüber Steuerersparnissen in Milliardenhöhe dürfte da für Burger King der öffentliche Aufschrei das deutlich kleinere Übel sein.

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