Donnerstag, 5. Dezember 2019

Insolventer Stahlhersteller British Steel vor Rettung - Chinesen interessiert

Stahlwerk von British Steel in Scunthorpe, Großbritannien: Der zweitgrößte britische Stahlproduzent ist insolvent, rund 5000 Arbeitsplätze sind in Gefahr
Danny Lawson/PA Wire/dpa
Stahlwerk von British Steel in Scunthorpe, Großbritannien: Der zweitgrößte britische Stahlproduzent ist insolvent, rund 5000 Arbeitsplätze sind in Gefahr

Beim insolventen britischen Stahlhersteller British Steel gibt es womöglich Hoffnung auf den Erhalt von tausenden Arbeitsplätzen. Die chinesische Jingye-Gruppe führt derzeit Gespräche über einen möglichen Kauf des Unternehmens, wie eine Sprecherin des Konzerns bestätigte. Einer mit den Vorgängen vertrauten Quelle zufolge soll eine Einigung über den Kauf noch am Montag verkündet werden.

Nach Angaben der Jingye-Sprecherin ist die Konzernspitze derzeit für Gespräche in Großbritannien. Angaben zu weiteren Einzelheiten machte sie nicht. Dem Sender BBC zufolge könnte der Kaufpreis bei rund 81 Millionen Euro liegen.

Wenn sich die Rettung bestätige, "begrüßen wir diesen positiven Schritt in Richtung der Rettung von British Steel unter einem neuen Eigentümer", erklärte ein Sprecher der britischen Stahlgewerkschaft Community.

5000 Arbeitsplätze in Gefahr

Das Unternehmen British Steel hatte die Investmentfirma Greybull Capital 2016 von dem indischen Konzern Tata Steel übernommen. Im Mai dieses Jahres rutschte der Konzern in die Insolvenz, nachdem zuvor Verhandlungen zur Rettung des Unternehmens gescheitert waren.

Der Stahlhersteller machte für seine immensen finanziellen Schwierigkeiten vor allem das Brexit-Chaos verantwortlich. 5000 Arbeitsplätze hauptsächlich im Stahlwerk Scunthorpe im Nordosten Englands stehen auf dem Spiel. Hinzu kommen 20.000 weitere Stellen, die durch die Lieferkette mit British Steel verbunden sind.

Im September hatte zunächst der Pensionsfonds der türkischen Armee Oyak mitgeteilt, dass eine vorläufige Einigung über einen Kauf von British Steel erzielt worden sei. Letztlich kam aber keine Übernahme zustande.

Die Chinesen wollen die Produktion offenbar hochfahren

Der Jingye-Konzern ist auf das Geschäft mit Eisen und Stahl spezialisiert. Zugleich investiert die in Shijiazhuang in der chinesischen Provinz Hebei ansässige Gruppe aber auch in die Bereiche Tourismus und Immobilien. Zuletzt beschäftigte sie nach eigenen Angaben 23.500 Mitarbeiter.

Der britischen Zeitung "Financial Times" zufolge will Jingye die Stahlproduktion von derzeit rund 2,5 Millionen Tonnen pro Jahr auf mehr als drei Millionen Tonnen hochfahren. Für eine Rückkehr von British Steel in die Profitabilität sei dabei eine "Senkung der Kosten" nötig.

Europäische Stahlproduzenten hatten zuletzt indes auch billige Importe aus China für finanzielle Schwierigkeiten verantwortlich gemacht. Im Mai hatte der Stahlverband Eurofer an die Kommission in Brüssel appelliert, der Branche angesichts zunehmender Billigimporte aus Asien in die EU wegen der von der US-Regierung von Präsident Donald Trump verhängten Strafzölle auf Stahl stärker unter die Arme zu greifen.

mg/AFP, rtr

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