Chemikalienhändler Brenntag bläst Übernahme von US-Rivalen Univar ab

Der Chemikalienhändler Brenntag will seinen US-Rivalen Univar Solutions doch nicht mehr übernehmen. Aktionär Primestone hatte die Pläne zuvor scharf kritisiert. Die Risiken der Übernahme seien zu hoch für den Dax-Konzern von CEO Christian Kohlpaintner.
Absage an Univar: Brenntag-CEO Christian Kohlpaintner hat die Übernahme abgeblasen

Absage an Univar: Brenntag-CEO Christian Kohlpaintner hat die Übernahme abgeblasen

Foto: Mayk Azzato / Brenntag

Der weltgrößte Chemielogistiker Brenntag will den US-Rivalen Univar Solutions nach öffentlicher Kritik eines seiner Aktionäre nicht mehr kaufen. Brenntag hatte erst Ende November bestätigt, an einer Übernahme interessiert zu sein. Das Unternehmen habe "heute beschlossen, diese Gespräche nicht fortzuführen", hieß es in einer am Montagabend verbreiteten Mitteilung. Der Aktionär Primestone Capital hatte sich einen Monat nach dem Bekanntwerden öffentlich gegen die Pläne ausgesprochen.

Die beiden Unternehmen hatten Ende November vorläufige Übernahmegespräche bestätigt, waren danach aber unter Druck ihrer jeweiligen Aktionäre geraten. Durch die Fusion wäre ein Branchenriese mit einem Umsatz von gut 30 Milliarden Euro und einem operativen Gewinn von fast drei Milliarden Euro entstanden.

An der Börse kam der Verzicht auf die Akquisition des Dax-Konzerns gut an. Die Brenntag-Aktie  sprang am Dienstagmorgen vorbörslich um mehr als 5 Prozent. Im abgelaufenen Jahr hatte das Papier fast ein Viertel an Wert verloren, der Dax selbst gab gut zwölf Prozent ab. Europaweit verlor der Chemiesektor im vergangenen Jahr knapp ein Fünftel.

Primestone Capital hatte die "sofortige Beendigung" der Gespräche mit Univar gefordert. Die Investmentgesellschaft hielt zu dem Zeitpunkt 2 Prozent der Brenntag-Anteile. Die Essener hatten sich nicht direkt zu der Forderung geäußert, aber betont, bei der Umsetzung des Plans zur Wertsteigerung für die Anteilseigner "großen Wert auf einen offenen und konstruktiven Dialog mit allen Brenntag-Aktionären" zu legen.

Aktionär sah hohe Risiken – und fordert stattdessen Aufspaltung

Nach Vorstellung von Primestone sollte sich Brenntag statt auf eine "risikoreiche" Übernahme vielmehr auf die Verbesserung des Kerngeschäfts konzentrieren. Hierzu forderte der Investor in einem Brief an den Vorstand neben einer Aufspaltung des Unternehmens auch Aktienrückkäufe. Dies würde Anlegern auch die Möglichkeit bieten, nur in einen der beiden Geschäftsbereiche zu investieren, und dürfte im Laufe der Zeit zu einer erheblichen Wertsteigerung führen. "Wir glauben, dass dies innerhalb der nächsten 18 Monate geschehen könnte." Auch zu diesen Forderungen bezog Brenntag keine Stellung. Ferner kritisierte der Aktionär, dass für eine Übernahme die erforderliche Zustimmung der Anteilseigner fehle. Die Risiken und Unwägbarkeiten seien sehr hoch, wie eine eigene Überprüfung eines möglichen Kaufs ergeben habe.

Für Brenntag, dessen Chefkontrolleurin Doreen Nowotne  dieses Jahr den Aufsichtsratsvorsitz (49) abgibt, wäre die Übernahme von Univar einer Zeitenwende gleichgekommen, war das Unternehmen bisher doch eher für kleinere Zukäufe bekannt. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Pläne betrug die Marktkapitalisierung der Amerikaner gut fünf Milliarden US-Dollar – und damit nur etwas weniger als die Hälfte der Bewertung von Brenntag.

Die Essener haben sich unter dem aktuellen Vorstandschef Christian Kohlpaintner (59) ein straffes Wachstumsprogramm bis 2026 verordnet, das neben einer deutlichen Verbesserung der operativen Ergebnisse mehr Ausgaben für Übernahmen vorgesehen hat. Geplant waren jährlich lediglich 400 bis 500 Millionen Euro, was schon doppelt so viel wie bisher bedeutet hätte. Kaufen wolle Brenntag, um etwa seine Marktposition zu verbessern und seine Position in Schwellenländern auszubauen, hatte es bei der Vorstellung der Pläne geheißen.

In einem Interview in der "Börsen-Zeitung" hatte Finanzchefin Kristin Neumann (50) zum Thema Akquisitionen zudem gesagt: "Nicht alles passt und nicht alles ist finanziell sinnvoll". Daher gelte es trotz des höheren Budgets für Übernahmen, "dass wir weiterhin sehr diszipliniert vorgehen".

dri/DPA/Reuters
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