Samstag, 21. September 2019

Nach den Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen Die Oasen in der ostdeutschen Wirtschaftswüste

Komsa in Sachsen: Seltenes Beispiel eines Ost-Konzerns - aber kaum bekannt

Die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg haben es wieder einmal gezeigt: Der Osten tickt anders, auch 30 Jahre nach der Wende. Laut einer Nachwahlbefragung der Forschungsgruppe Wahlen stimmten eine Mehrheit der sächsischen Wähler der Aussage zu, "die Ostdeutschen werden behandelt wie Bürger zweiter Klasse".

Dabei geht es nicht bloß um Stimmung. Auch die wirtschaftlichen Fakten sprechen von einer tiefen Kluft, mögen die Arbeitsmarkt- und Einkommensdaten auch inzwischen einigermaßen gut wirken.

"Woran es in den Neuen Ländern mangelt, sind große Unternehmen mit strategischen Unternehmensfunktionen, also vor allem mit Forschung und Entwicklung", heißt es in einer Analyse des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Solche Funktionen seien zumeist in Konzernzentralen angesiedelt - "es gibt aber in Ostdeutschland kaum Konzernzentralen".

Tatsächlich finden sich im Ranking der Tageszeitung "Die Welt" über die 500 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands ohne Berlin nur 16 aus den fünf Ost-Ländern. manager-magazin.de fand über einen Abgleich mit weiteren Unternehmensdatenbanken nur wenige Ergänzungen. Sachsen kommt auf acht Einträge. Zum Vergleich: Baden-Württemberg ist ganze 70-mal vertreten. Vor der deutschen Teilung waren beide Länder industriell noch ungefähr gleich stark.


Unsere Redakteurin Eva Buchhorn hat vor Ort recherchiert und mit einflussreichen Akteuren gesprochen. Hören Sie ihre Analyse in unserem Podcast:


Hinzu kommt, dass viele der genannten Unternehmen mehrheitlich zu westdeutschen oder internationalen Mutterkonzernen gehören, oder aber einen kommunalen Versorgungsauftrag haben. Der Kapitalismus ist vor 30 Jahren in den Osten zurückgekehrt, doch das Kapital hat seine Heimat im Westen. Entsprechend ist auch die manager-magazin-Liste der reichsten Deutschen eine West-Domäne.

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