Folgen der Extremhitze Energienot in China legt Fabriken von Bosch und Volkswagen lahm

Einige Regionen Chinas leiden unter der stärksten Hitzewelle seit mindestens sechs Jahrzehnten. Dadurch mangelt es im Land an Strom. Etliche Industriebetriebe wie Bosch, Toyota, CATL oder Volkswagen mussten die Produktion zurückfahren.
Rekordtemperaturen: Die Hitzewelle trocknet die Flüsse wie hier in Chongqing aus, dadurch fehlt es an Strom durch Wasserkraft

Rekordtemperaturen: Die Hitzewelle trocknet die Flüsse wie hier in Chongqing aus, dadurch fehlt es an Strom durch Wasserkraft

Foto: STRINGER / EPA

So etwas hat es in China seit Menschengedenken nicht gegeben. Große Teile des Landes erleben laut der Staatsregierung gerade den heißesten und trockensten Sommer seit mindestens sechs Jahrzehnten. Seit Wochen herrscht Dürre in mehreren Provinzen – etwa Jiangsu, Sichuan, Anhui und Zhejiang in der Mitte und im Süden des Landes. Der Jangtse, der drittlängste Fluss der Welt, ist auf Tiefststand. Die Wasserkraftwerke, die der Fluss normalerweise antreibt und von denen das Land besonders abhängig ist, liefern kaum noch Strom. Gleichzeitig ist die Energienachfrage aufgrund der Rekordtemperaturen und der vielen Klimaanlagen gestiegen.

Die Folge: Viele Betriebe stehen auf Anordnung der Behörden still, damit wenigstens Häuser und Wohnungen versorgt werden können. Der Staat hat in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt Teile der Industrie lahmgelegt.

Von den deutschen Unternehmen sind laut der Deutschen Handelskammer in China (AHK) vor allem Automobilzulieferer betroffen. "Die mangelnde Energiesicherheit stellt deutsche Unternehmen in China vor große Herausforderungen", sagt Jens Hildebrandt, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der AHK in China. Betriebe in Sichuan und Chongqing kämpften bereits seit Juli mit Einsparungen.

Im Fall des Stuttgarter Automobilzulieferers Robert Bosch beutete das die Stilllegung der Produktion. Seit Tagen ist der Betrieb des Werks Chengdu eingestellt, wo Bosch Elektrowerkzeuge fertigt. In anderen Werken, wo Automobilkomponenten hergestellt werden, ist der Betrieb bereits wieder angelaufen. Ansonsten laufe die Produktion, teilt das Unternehmen auf Anfrage des manager magazins mit. Immerhin: Die Auswirkungen seien überschaubar.

Auch Volkswagen spürt die Folgen der Notlage. Ein Werk von FAW-Volkswagen Automotive in Chengdu sowie einige Zulieferer des Automobilherstellers seien derzeit von der örtlichen Stromknappheit betroffen. Dadurch komme es zu Verzögerungen, teilt der Konzern mit und hofft, die Ausfälle in naher Zukunft wieder aufholen zu können. Der Stromengpass hat VW zufolge keine Auswirkungen auf das Geschäft in Europa, da der Konzern vor Ort für China produziert.

Regierung verlängert Stromdrosselung – das Ende bleibt offen

Wettbewerber aus dem Ausland wie Toyota oder Tesla, aber auch der chinesische Autobauer SAIC klagen ebenfalls über Stromengpässe. Der japanische Autobauer Honda Motor teilte der Agentur Bloomberg  mit, dass sein Werk in der chinesischen Stadt Chongqing diese Woche geschlossen bleiben wird, da die örtliche Regierung eine Anordnung zur Drosselung des Stromverbrauchs und zur Schließung des Werksbetriebs verlängert hat. Ursprünglich sollte die Richtlinie am Donnerstag auslaufen. Dem Honda-Sprecher zufolge unterliegt jeder Hersteller in der Region dieser Anordnung. Wann sie aufgehoben wird, ist noch nicht entschieden.

Rivale Mazda produziert in einem Werk in Nanjing schon seit Mitte August nur noch nachts, um der Hitze zu entkommen und Strom zu sparen. Wann sich die Abläufe wieder normalisieren würden, wisse man nicht, so ein Sprecher.

Produktion von Lithium, Kupfer, Aluminium gefährdet

Die Ausfälle verschärfen die angespannte Lage in Chinas Wirtschaft. Das Wachstum der Industrieproduktion blieb laut AHK mit 3,8 Prozent bereits im Juli weit hinter den Prognosen zurück. Die Produktionsstopps im Industriesektor dürften die Wirtschaft der Volksrepublik weiter schwächen, die wegen der staatlichen Null-Covid-Politik und der Immobilienkrise ohnehin schon mit vielen Problemen zu kämpfen hat.

Als Beispiel dient auch hier: die Autoindustrie. Selbst wenn die Unterbrechungen in den Fabriken möglicherweise nur von kurzer Dauer sind, könnten die Folgen noch länger spürbar sein. Die betroffene Region Sichuan zählt zu den größten Lithium-Lieferanten, ein wichtiger Rohstoff für Elektroautos. Nach Angaben von BloombergNEF wird hier mehr als ein Fünftel des chinesischen Lithiums produziert. Der weltweit führende Batteriehersteller Contemporary Amperex Technology Co. (CATL), dessen zweitgrößte Produktionsstätte in der Region angesiedelt ist, hat seine Produktion bereits eingestellt. Der Preis für Lithiumcarbonat ist bereits vergangene Woche auf ein Viermonats-Hoch getrieben. Wenn die Störungen länger andauern und der ohnehin knappe Rohstoff ausbleibt, könnten Batteriehersteller auch in anderen Regionen gezwungen sein, ihre Produktion zu drosseln.

Was der Autoindustrie zudem schmerzen dürfte, sind ausfallende Lieferungen von Aluminium- und Kupferproduzenten. Die energieintensive Produktion ist besonders gefährdet, wenn örtliche Regierungen den Stromverbrauch senken wollen. Anfang August drosselte einer der größten Kupferproduzenten Chinas, der in der Provinz Anhui ansässig ist, seine Produktion, da die örtlichen Behörden Stromabschaltungen anordneten. Kupfer kommt in der Autobranche vor allem in Elektroteilen zum Einsatz. Das in der Karosserie eingesetzte Aluminium stammt häufig aus der Region Sichuan.

Neben der Autoindustrie bekommt auch der Solarsektor die Stromknappheit zu spüren. Zwei Werke von Jinko Solar, einem der weltweit größten Hersteller von Solarmodulen, sind laut Bloomberg  vom Stromausfall betroffen. Es sei unklar, wann die Anlagen in Sichuan wieder ihre volle Kapazität erreichen könnten, teilte das Unternehmen mit.

dri mit Nachrichtenagenturen
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