Produktionsrate soll sinken Boeing schließt Dreamliner-Produktion in Seattle

Der Flugzeughersteller Boeing kürzt an seinem Stammsitz. Der Langstreckenjet 787 "Dreamliner" soll künftig nicht mehr im Werk Everett bei Seattle gefertigt werden.
Konstruktion einer Boeing 787 in Everett (Archivbild von 2012)

Konstruktion einer Boeing 787 in Everett (Archivbild von 2012)

Foto: JASON REED/ REUTERS

Um die Produktionskosten in der Corona-Krise zu senken, verschiebt der US-Luftfahrtriese Boeing die Fertigung seines Modells 787 "Dreamliner". Traditionell wird der Langstreckenjet in Everett bei Seattle im US-Bundesstaat Washington produziert, 2010 kam North Charleston in South Carolina als zweiter Standort hinzu. Ab 2021 soll die komplette Fertigung der Modellserie dorthin verlagert werden, wie Boeing am Donnerstag mitteilte. Die Produktionsrate sinkt ab kommendem Jahr auf sechs Jets pro Monat.

In einem Memo an die Mitarbeiter sprach Boeing-Manager Stan Deal von einer "schwierigen Entscheidung", die nötig sei, damit der Konzern die Belastungen durch die Pandemie bewältigen könne. Auf Nachfrage sagte eine Sprecherin, dass aktuell etwa 900 Mitarbeiter in der 787-Produktion in Everett beschäftigt seien. Boeing wolle sich bemühen, den Stellenabbau möglichst gering zu halten.

South Carolina zählt zu den südlichen US-Staaten, die Konzerne mit niedrigeren Löhnen und geringem Gewerkschaftseinfluss locken. Allerdings gibt es schon länger Berichte über Produktionsmängel im dortigen Boeing-Werk.

Für den Standort Seattle ist die Entscheidung ein schwerer Schlag. Boeing hat in der Region eine Reihe von Werken mit insgesamt zehntausenden Beschäftigten und betont, dass dort weiterhin die Modellserien 737, 747 sowie 767 und 777 produziert würden. Everett ist das größte Werk des Konzerns, eine der Hallen hält den Weltrekord für das Gebäude mit dem größten Volumen. Boeing wurde vor mehr als 100 Jahren in Seattle gegründet, verlegte den Hauptsitz aber 2001 nach Chicago.

Boeing ist wegen des Debakels rund um die nach zwei Abstürzen mit Flugverboten belegte 737 Max ohnehin schon stark angeschlagen, die Corona-Pandemie hat die Lage weiter verschärft. Der Rivale von Airbus hat bereits angekündigt, dass aufgrund der Krise rund 19.000 der zu Jahresbeginn noch 160.000 Mitarbeiter gehen, nun dürften weitere Entlassungen hinzukommen.

ak/dpa-afx
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