Großauftrag für Boeing Ryanair kauft 75 Modelle des Unglücksfliegers 737 Max

Die Luftfahrbranche stöhnt noch unter der Last der Pandemie. Doch die irische Billigairline wettet auf die Zeit danach – und bestellt Flugzeuge, die 18 Monate lang keine Starterlaubnis hatten. Das ist vor allem für den US-Konzern eine gute Nachricht.
Restart: Zum ersten Mal seit März 2019 ist eine Boeing 737 Max wieder gestartet. Am Mittwoch ging es von Dallas nach Tusla in den USA.

Restart: Zum ersten Mal seit März 2019 ist eine Boeing 737 Max wieder gestartet. Am Mittwoch ging es von Dallas nach Tusla in den USA.

Foto: COOPER NEILL / AFP

Mitten in der größten Krise der Luftfahrt kauft Ryanair 75 neue Flugzeuge – und zwar vom Typ des Unglücksfliegers Boeing 737 Max. Das teilte die irische Fluggesellschaft am Donnerstag mit. Ryanair hält damit trotz der Corona-Krise am geplanten Auftragsvolumen von insgesamt 210 Flugzeugen fest. Man habe jetzt feste Bestellungen im Wert von umgerechnet 18 Milliarden Euro für den Flugzeugtyp im Auftragsbuch. Die Lieferung, die sich insgesamt über einen Zeitraum von vier Jahren erstreckt, beginnt im Frühjahr 2021.

Das belegt, dass die Branche sich langsam auf ein Comeback nach den Schockwellen der Pandemie vorbereitet. Zwar sind die Fluglinien noch immer schwer angeschlagen. Erst an diesem Mittwoch willigte etwa die norwegische Billigairline Norwegian in eine zweite Restrukturierung ein; und in den USA ist die Debatte um abermalige Milliardenhilfen durch den Staat neu entflammt. Aber in den Buchungsdaten lassen sich erste Hoffnungszeichen erkennen – auch wenn es noch Jahre dauern dürfte, bis die Passagierzahlen wieder Vorkrisenniveau erreichen.

Er sei zuversichtlich, "dass unsere Kunden diese neuen Flugzeuge lieben werden", erklärte Ryanair-Chef Michael O`Leary (59) bei der Vertragsunterzeichungs-Zeremonie am Boeing-Standort Washington. Und er kündigte gleich an, im sich konsolidierenden europäischen Flugmarkt eine führende Rolle zu spielen.

Boeings Schicksal hängt am Comeback der 737 Max

Interessant ist der Deal aber noch aus einem anderen Grund. Boeings 737 Max gilt als Unglücksmaschine. Sie war nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten im März 2019 aus dem Verkehr gezogen worden. Die Bestellungen der Fluggesellschaften waren danach eingebrochen und hatten den US-Konzern in eine tiefe Krise gestürzt.

Erst im November wurden die Flugverbote in den USA, in Europa und in Brasilien unter strikten Auflagen wieder aufgehoben. Am Mittwoch ist die Maschine erstmals nach der Freigabe durch die US-Flugaufsichtsbehörde FAA wieder gestartet. Der Flug der American Airlines dauerte 45 Minuten von Dallas (Texas) nach Tulsa (Oklahoma). Am 29. Dezember soll das Modell wieder in den Passagierflugbetrieb zurückkehren – in vielen Ländern bedarf es dazu aber noch Überzeugungsarbeit bei den Flugbehörden. An der möglichst reibungslosen Wiedereinführung in den Markt hängt viel für den Airbus-Rivalen. Entsprechend reagierten die Investoren: Die Boeing-Aktien stiegen deutlich, zwischenzeitlich um sieben Prozent.

"Boeing konzentriert sich weiterhin darauf, die gesamte 737-Flotte sicher wieder in Betrieb zu nehmen und den Lieferrückstand an Ryanair und andere Kunden aufzuholen", sagte Boeing-Chef Dave Calhoun (63). "Wir glauben fest an dieses Flugzeug."

Ryanair ist Boeings Erstkunde für die Hochkapazitätsvariante der 737-8 mit rund 200 Sitzen. Bereits Ende 2014 hatten die Iren 100 Flugzeuge fest bestellt, später folgten Nachbestellungen über 10 und 25 Flugzeuge. Die jetzt 75 gekauften Modelle entstammen einer Kaufoption über 100 weitere Flugzeuge.

Die ursprünglichen Pläne für die Rückkehr des Flugzeugs in den Markt hat Boeing allerdings abgedämpft, da sich die Krise länger als erwartet hinzog. Eine hochkarätige Werbekampagne, eine Zeremonie in der Gegend von Seattle und eine Tour mit einer Oman Air 737 Max wurden gestrichen, heißt es in der Branche.

lhy/dpa, Reuters
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