Historisches Debakel Boeing fällt auf Niveau von 1977 zurück

Mehr als 1000 Flugzeuge musste Boeing 2020 aus seinen Auftragsbüchern streichen. Das laufende Geschäft brach noch dramatischer ein. Der Rückstand der amerikanischen Konkurrenz auf Airbus wächst.
Debakel, Stufe eins: Der Krisenflieger Boeing 737 Max ließ das Geschäft schon 2019 einbrechen. Dann kam die Corona-Krise noch hinzu.

Debakel, Stufe eins: Der Krisenflieger Boeing 737 Max ließ das Geschäft schon 2019 einbrechen. Dann kam die Corona-Krise noch hinzu.

Foto: Lindsey Wasson/ REUTERS

Das Debakel um den Absturzflieger 737 Max und die Corona-Krise haben im vergangenen Jahr tiefe Spuren in Boeings Auftrags- und Auslieferungsbilanz hinterlassen. Unter dem Strich erhielt der Airbus-Rivale laut Angaben vom Dienstag 2020 gut 650 Stornierungen. Insgesamt wurden sogar mehr als 1000 Bestellungen aus dem Orderbuch gestrichen, weil viele Aufträge als unsicher gelten.

Mit lediglich 157 Verkehrsflugzeugen fielen auch die Auslieferungen im vergangenen Jahr historisch schlecht aus - so wenige Flugzeuge ausgeliefert wie seit 43 Jahren nicht mehr. Das bedeutete einen Rückgang um 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr, als Boeing bereits stark unter den im Zuge zweier Abstürze verhängten Flugverboten für den Verkaufsschlager 737 Max litt. Im Rekordjahr 2018 hatte Boeing noch 806 Flugzeuge ausliefern können.

Der europäische Konkurrent Airbus musste im Corona-Jahr 2020 zwar ebenfalls einen herben Einbruch des Geschäfts verkraften. Die Auslieferungen schrumpften aber vergleichsweise milde um ein Drittel auf 566 Jets. Damit enteilt Airbus immer weiter.

Immerhin ging es für Boeing zuletzt wieder etwas bergauf. Nachdem der Krisenflieger 737 Max wieder zugelassen wurde, gingen einige Bestellungen ein. Am Dienstag gab zudem die Post-Tochter DHL Express bekannt, acht Frachtflugzeuge vom Typ Boeing 777F geordert zu haben. Darüber hinaus erhielt Boeing eine Bestellung von vier Maschinen seines schon totgesagten Jumbojets 747-8 von der US-Fluggesellschaft Atlas. Boeing hatte erst vergangenen Juli angekündigt, den Bau des Jumbos mangels neuer Aufträge im Jahr 2022 nach mehr als 50 Jahren einzustellen.

ak/dpa-afx, Reuters