Milliardenverlust im dritten Quartal Boeing rutscht immer tiefer in die Krise

Dave Calhoun muss erneut einen Milliardenverlust für den US-Flugzeugbauer verkünden. Die Schuld gibt der Boeing-Chef auch seinem Vorgänger und dessen Air-Force-One-Deal mit Donald Trump.
Milliardenschwere Belastungen: Die Kosten für die neue Air Force One, dem Flugzeug des US-Präsidenten, laufen aus dem Ruder - doch Calhouns Vorgänger hat einen Festpreis vereinbart

Milliardenschwere Belastungen: Die Kosten für die neue Air Force One, dem Flugzeug des US-Präsidenten, laufen aus dem Ruder - doch Calhouns Vorgänger hat einen Festpreis vereinbart

Foto: Carlos Barria / REUTERS

Probleme im Rüstungsgeschäft haben den US-Flugzeugbauer Boeing im dritten Quartal erneut tief in die roten Zahlen gedrückt. Vor allem gestiegene Kosten und technische Probleme beim Tankflugzeug für die US-Luftwaffe, der Präsidentenmaschine Air Force One, einer Tarnkappendrohne und einem Schulflugzeug führten zu einem Quartalsverlust von 3,3 Milliarden US-Dollar (rund 3,3 Milliarden Euro), wie Boeing am Mittwoch in Arlington mitteilte. Ein Jahr zuvor hatte sich das Minus auf lediglich 132 Millionen Dollar belaufen.

"Umschwünge brauchen Zeit", verkündete Boeing-Chef Dave Calhoun (65) mit Blick auf die Dauerkrise beim Airbus-Rivalen. "Aber ich habe Vertrauen in unser Team und die Maßnahmen, die wir für die Zukunft ergreifen", erklärte der Vorstandsvorsitzende in einem Memo an die Beschäftigten. Boeing kämpft seit zwei Abstürzen von Maschinen seiner wichtigen Modellreihe 737 Max aufgrund technischer Fehler, bei denen 2018 und 2019 insgesamt 346 Menschen starben, mit immer neuen Problemen. Inzwischen droht der einstigen Ikone sogar die Zerschlagung . Der europäische Konkurrent Airbus hatte dem einstigen Weltmarktführer bereits 2019 die Position als weltgrößter Flugzeugbauer abgejagt.

In der Rüstungs- und Raumfahrtsparte brachen die Erlöse im dritten Quartal um ein Fünftel auf 5,3 Milliarden Dollar ein. Auch das Geschäft mit Passagier- und Frachtflugzeugen für die kommerzielle Luftfahrt blieb im dritten Quartal in der Verlustzone - obwohl der Umsatz hier dank deutlich gestiegener Auslieferungszahlen im Jahresvergleich um 40 Prozent wuchs. Konzernweit legten die Erlöse nur um 4 Prozent auf knapp 16 Milliarden Dollar zu.

Air-Force-One-Deal führt zu milliardenschweren Belastungen

Zum Hintergrund der Probleme zählt auch ein Auftrag, den Boeing 2018 unter Ex-Chef Dennis Muilenburg (58) mit dem früheren US-Präsidenten Donald Trump (76) für den Bau der neuen Air Force One vereinbarte. Muilenburg hatte nach Attacken Trumps einen guten Preis versprochen, doch die Kosten liefen aus dem Ruder. Im April räumte Calhoun ein, dass der Deal zu milliardenschweren Belastungen führte und Boeing ihn "wahrscheinlich" nicht hätte eingehen sollen. Auch die Verluste im jüngsten Quartal seien nicht zuletzt den vereinbarten Festpreisen im Rüstungsgeschäft geschuldet, sagte der Boeing-Chef jetzt.

Insgesamt verfehlte Boeing mit seinen Quartalszahlen klar die durchschnittlichen Erwartungen von Branchenexperten. Die Aktie  legte zunächst dennoch um gut 1 Prozent zu. Mit einem Großauftrag der Fluggesellschaft Alaska Air für 52 Boeing 737 Max gab es am Mittwoch immerhin auch eine kleine positive Nachricht.

mg/dpa-afx
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