Sonntag, 19. Mai 2019

Klamme Hoffnungsbranche Biotech-Startups - der gnadenlose Kampf ums knappe Geld

Mitarbeiterin der Firma Curevac im Labor: 46 Millionen Euro investierte Bill Gates in das Tübinger Biotech-Unternehmen

2. Teil: Krimi um Injex

Injex-Gründer Andy Rösch, der bereits mit einem Versuch der Post mit seinem Paketeria-Dienst Konkurrenz zu machen gescheitert war, soll potenzielle Investoren mit Umsatzprognosen von 100 Millionen Euro und mehr in sein neues Startup gelockt haben. Völlig unrealistische Versprechungen - in den ersten zehn Monaten 2012 erzielte der Medizintechnik-Hersteller rund 2,5 Millionen Euro Umsatz.

Die Produktionsanlagen in Singapur standen wegen Qualitätsmängeln bei den Ampullen still. Die Probleme fielen einem amerikanischen Geldgeber auf. Rösch verliess die Unternehmensführung im Sommer 2013.

Sein Nachfolger Klaue sanierte das Geschäft zwar operativ und schaffte auch ein von dem US-Investor angestrengtes Schiedsgerichtsverfahren aus der Welt. Doch alte Schulden gefährdeten die Existenz von Injex weiter. Gegen den ehemaligen Firmenchef läuft derzeit ein Ermittlungsverfahren. Injex verdächtigt ihn unter anderem des Betrugs und der Bilanzmanipulation.

"Kontinuierlich in den Untergang geführt"

Rösch indes will von den Vorwürfen nichts wissen. Im Gegenteil: Er beschuldigt Heinrich und Klaue, das Unternehmen "zwei Jahre kontinuierlich in den Untergang geführt" zu haben. Sie hätten selbst hohe Kosten erzeugt und alte Verbindlichkeiten nicht bedient.

Mitte vergangenen Jahres tauchte dann aus Singapur ein potenzieller Retter auf. Der Vertriebspartner Miracle Medical, der bereits im Frühjahr 2013 schon einmal investiert hatte, gab zunächst einen Überbrückungskredit und versprach ein Millioneninvestment für Anfang 2015. Die Investoren unterzeichneten die Verträge zwar Ende 2014 und ließen sich auf der Hauptversammlung des Unternehmens als Retter feiern.

Die zugesagten Summen aber flossen nicht. Statt dessen stellten die Singapuri ihr Darlehen Anfang Februar fällig. Wodurch Injex zahlungsunfähig wurde.

Mittlerweile hat sich Miracle Medical übrigens beim Involvenzverwalter gemeldet: Man habe Interesse Injex zu übernehmen. Auf diese Weise will das Unternehmen wohl billigst an die Technologie kommen.

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