Mittwoch, 27. Mai 2020

Nach Koch-Rücktritt Baukonzern Bilfinger präsentiert schwaches Halbjahr

Bilfinger-Zentrale in Mannheim: Trotz schwacher Halbjahreszahlen steigt der Kurs der Bilfinger-Aktie

Zwei Gewinnwarnungen innerhalb kurzer Zeit hatten Ex-Bilfinger-Chef Roland Koch zum Rücktritt gezwungen: Nun präsentiert der Baukonzern Bilfinger eine schwache Halbjahresbilanz - die Aktie legt dennoch zu.

Mannheim - Nach dem abrupten Abgang von Bilfinger-Chef Roland Koch hat der Bau- und Dienstleistungskonzern wie erwartet schwache Halbjahreszahlen vorgelegt. Der neue Vorstandsvorsitzende, Kochs Vorgänger im Amt Herbert Bodner, soll das Unternehmen nun wieder in ruhiges Fahrwasser führen. Er übernimmt den Chefposten übergangsweise bis zum 31. Mai 2015.

Ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld im Energiemarkt sowie in der europäischen Öl- und Gasindustrie drückten den Gewinn deutlich. Die Leistung blieb trotz Schwächen im Kraftwerks- und Industriedienstleistungsgeschäft von Januar bis Juni mit 3,63 Milliarden Euro aber praktisch stabil. Beim operativen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) im fortgeführten Geschäft war der Rückgang mit 47 Prozent auf 80 Millionen Euro hingegen deutlich. Der Gewinn sank um 19 Prozent auf 55 Millionen Euro. Dabei ist auch das zum Verkauf gestellte Tiefbaugeschäft enthalten. Es gibt laut Bilfinger Börsen-Chart zeigen dafür zahlreiche Interessenten, aber noch keinen Käufer.

Mit einem Sparkurs samt Stellenabbau steuert der Konzern nun gegen. Das Industrie- und das Kraftwerksgeschäft schwächelt gleichzeitig. In den USA sei die Nachfrage wegen des Schiefergas-Booms zwar weiter hoch. Doch in Europa steckten die Öl- und Gaskonzerne weniger Geld in Investitionen und Wartung. Zudem schlage die Energiewende in Deutschland im Kraftwerksgeschäft durch. Neue Kraftwerke werden kaum noch gebaut.

Aktienkurs legt trotz schlechter Zahlen zu

Wegen der schlechteren Auftragslage kürzt der Konzern seine Kapazitäten und will bis zu 300 Arbeitsplätze streichen. Auch das laufende große Sparpaket wird beschleunigt. Dadurch sollen wie bereits bekannt 2014 und 2015 weltweit zusätzlich rund 1250 Stellen in der Verwaltung wegfallen. Alles in allem arbeiten rund 70 000 Mitarbeiter für den Konzern. An der Börse wird der Kurs des Unternehmens goutiert: Bilfinger-Aktien legten im frühen Handel nach dem Kursrutsch der Vorwoche um 2,72 Prozent zu und setzten sich damit an die MDax-Spitze.

Der bisherige Konzernchef Koch hatte vor einer Woche überraschend seinen Abgang angekündigt. Als Grund nannte Hessens ehemaliger Ministerpräsident zwei Gewinnwarnungen innerhalb kurzer Zeit und Differenzen mit dem Aufsichtsrat. "In der heimischen Energiewirtschaft herrscht Stillstand",hatte Koch wenige Wochen vor seinem Rücktritt im Gespräch mit manager magazin gesagt.

Bei einer Leistung von 7,8 Milliarden Euro soll das bereinigte Ebita 2014 nun nur noch 340 bis 360 Millionen Euro erreichen. Dies sind 40 Millionen weniger als noch bei der ersten Prognosesenkung Ende Juni in Aussicht gestellt waren. Das bereinigte Konzernergebnis werde mit 205 bis 220 Millionen Euro um 25 Millionen Euro geringer ausfallen als zuletzt erwartet. Dabei setzt der Konzern auf ein erheblich stärkeres zweites Halbjahr. Vor einem Jahr lag die Leistung bei 7,7 Milliarden und der bereinigte Gewinn bei 255 Millionen Euro.

Seit dem Wochenende führt Kochs Vorgänger Herbert Bodner den Konzern wieder. Er kennt das Geschäft gut: Vor dem Amtsantritt Kochs Mitte 2011 hatte er zwölf Jahre an der Bilfinger-Spitze gestanden und die Umwandlung vom Baukonzern zum Dienstleister rund um Industrieanlagen, Kraftwerke und Immobilien eingeleitet. Diesen Kurs hatte Koch mit weiteren Zukäufen fortgesetzt und zuletzt forciert. Dabei hatte er auch das traditionsreiche Tiefbaugeschäft mit einer Leistung von rund 800 Millionen Euro zum Verkauf gestellt. Dieser Prozess laufe plangemäß, hieß es nun. Er solle weiter innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden.

Das vollständige Interview mit Roland Koch lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von manager magazin:

Heft 3/2015
Lufthansa
Wie die Fluglinie sich selbst demontiert - und ihren neuen Chef gleich mit

wed/dpa/dpa-afx

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