Freitag, 26. April 2019

Aktie stürzt nach Investitionsplänen ab Beiersdorf-Chef bringt Aktionäre auf die Barrikaden

Die Pläne von Beiersdorf-Chef Stefan De Loecker (51) kommen an der Börse nicht gut an

Investitionen sind eigentlich eine gute Sache, sollen sie doch letztlich für mehr Geschäft sorgen - so auch bei Beiersdorf. Doch dass der neue Chef Stefan De Loecker damit zunächst auch auf Rendite verzichtet, schmeckt den Aktionären gar nicht. Sie strafen die Aktie des Dax-Konzerns regelrecht ab. Auch Analysten sind offenbar negativ überrascht.

Beiersdorf will mit kräftigen Investitionen für weiteres Wachstum in der Sparte Consumer sorgen. Dafür muss der Konsumgüterkonzern aber zunächst auf Rendite verzichten, wie aus einer am Dienstagabend nach einer Aufsichtsratssitzung veröffentlichten Mitteilung hervorgeht.

Anleger quittierten die Pläne am Mittwoch zunächst mit Protesten: Der Aktienkurs von Beiersdorf rutschte in der Spitze um mehr als 11 Prozent ab. Das ist der größte Kurssturz seit zwölf Jahren.

Versöhnen konnte die Investoren offensichtlich auch die stabile Dividenden-Ausschüttung nicht, die Beiersdorf zusammen mit den endgültigen Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres ebenfalls vorlegte. Eckdaten hatte Beiersdorf Börsen-Chart zeigen bereits Mitte Januar bekanntgegeben. Der Hauptversammlung wird eine zum Vorjahr unveränderte Dividende von 70 Cent je Aktie vorgeschlagen. Analysten hatten mit dieser Entwicklung gerechnet.

Analysten stufen Aktie ab, "Böses Erwachen einer schlafenden Schönen"

Analysten stuften die Aktien in einer ersten Reaktion ab. Die Investmentbank Oddo BHF etwa senkte die Einstufung für die Aktie von "Neutral" auf "Reduzieren" und das Kursziel von 97 auf 83 Euro. Er habe bislang Hoffnungen gesetzt in die Strategie des neues Managements und einen möglichen Zukauf, der die Geschäftsrisiken mindert, schrieb Analyst Pierre Tegner am Mittwoch. Die nun vorgestellten Maßnahmen mit ihren Folgen für die Profitabilität machten eine Übernahme aber vorerst weniger wahrscheinlich und wirkten sich negativ auf seine Schätzungen je Aktie für 2019 aus.

Die Schweizer Großbank UBS hat die Einstufung für Beiersdorf nach Zahlen und Bekanntgabe einer neuen Strategie auf "Sell" mit einem Kursziel von 85 Euro belassen. Analystin Pinar Ergun sprach am von einem "bösen Erwachen" einer "schlafenden Schönen". Gemessen am neuen Ausblick könnten die Markterwartungen nun um bis zu 10 Prozent sinken. Eine hohe Bewertung mache die Aktie anfällig.

Ab dem laufenden Jahr sollen im Rahmen des Strategieprogramms "C.A.R.E.+" jährlich 70 bis 80 Millionen Euro ausgegeben werden. Für den Unternehmensbereich Consumer erhofft sich Beiersdorf damit bis zum Jahr 2023 ein über dem Markt liegendes Umsatzwachstum von 4 bis 6 Prozent sowie einen Anstieg der Ebit-Umsatzrendite (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) auf 16 bis 17 Prozent.

Investitionen werden Umsatzrendite senken

Im laufenden Jahr wird diese Umsatzrendite durch den Plan des neuen Beiersdorf-Chefs Stefan De Loecker allerdings sinken. 2019 soll die Umsatzrendite im Bereich Consumer demnach von 15,3 Prozent im Vorjahr auf 14 bis 14,5 Prozent fallen. Konzernweit erwartet Beiersdorf einen Rückgang von 15,4 auf 14,5 Prozent.

Der Umsatz soll 2019 um 3 bis 5 Prozent steigen (Vorjahr: +5,4%). Beim Bereich Consumer erwartet das Unternehmen ein Erlöswachstum um 3 bis 5 Prozent (Vorjahr: 5,0%).

"Die Konsumgüterindustrie befindet sich in einem historischen Umbruch. Unser gesamtes Geschäftsmodell muss sich an die neuen wirtschaftlichen und technologischen Bedingungen anpassen", wird der Konzernchef in einer Mitteilung zitiert. Mit "C.A.R.E.+" werden demnach fünf Ziele angesprochen: Erschließung neuer Wachstumsmärkte und Geschäftsfelder, Stärkung der Hautpflege-Kategorien im Portfolio, Beschleunigung der Digitalisierung, kontinuierliche und ergebniswirksame Produktivitätssteigerung und gesellschaftliches Engagement.

rei/dpa-afx

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