Mittwoch, 27. Mai 2020

Möglicher Wirkstoff gegen Covid-19 Bayer will Chloroquin nun auch in Europa produzieren

Bayer-Chef Baumann: "Es gibt Hinweise darauf, dass Resochin im Labor und in ersten klinischen Untersuchungen die Viruslast senkt"

Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer Börsen-Chart zeigen schafft nun auch in Europa Produktionsmöglichkeiten für den Wirkstoff Chloroquin im möglichen Kampf gegen die Lungenkrankheit Covid-19. Bayer-Chef Werner Baumann kündigte am Donnerstag im Interview mit dem "Handelsblatt" an, dass Produktionsanlagen auch in Europa für die Fertigung des Medikaments Resochin mit dem Wirkstoff Chloroquin angepasst werden sollen. Bisher wird das Mittel, das Bayer in der Krise kostenlos an Regierungen spenden will, nur an einem Standort in Pakistan hergestellt.

Das bereits in den 1930ern entwickelte Medikament zur Malariaprophylaxe ist schon seit einigen Wochen im Gespräch, nachdem Tests an Zellkulturen eine Hemmung der Vermehrung des neuartigen Coronavirus gezeigt hatten, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann. "Es gibt Hinweise darauf, dass Resochin im Labor und in ersten klinischen Untersuchungen die Viruslast senkt", sagte Baumann dem Blatt. Es seien aber weitere klinische Studien notwendig, um das Verhältnis von Nutzen und Risiko zu klären. Diese würden nun unter anderem von der Weltgesundheitsorganisation WHO gestartet.

Chloroquin war im März auch außerhalb von Fachkreisen verstärkt ins Gespräch gekommen, nachdem Forscher aus China und Frankreich nach ersten kleineren klinischen Studien mit Coronavirus-Patienten von positiven Ergebnissen berichteten. US-Präsident Donald Trump bezeichnete Cloroquin daraufhin bereits als mögliches "Geschenk Gottes".

Arzneimittelagentur warnt vor Selbstmedikation

Am vergangenen Sonntag hatte die US-Arzneimittelbehörde die Nutzung der beiden Malaria-Wirkstoffe Chloroquin (Bayer) und Hydroxychloroquin (Novartis) in Notfällen erlaubt. manager magazin hatte zuvor bereits berichtet, dass Bayer sein Malariamittel den Regierungen der USA und Deutschlands im Kampf gegen das Virus und Covid-19 zur Verfügung stellen werde. Im mm-Gespräch hatte sich auch Biotech-Investor Christian Angermayer für den Einsatz des nicht unumstrittenen Medikaments ausgesprochen.

Experten sind angesichts möglicher Nebenwirkungen aber vorsichtig und warnen vor einer Selbstmedikation. So hat etwa die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) davor gewarnt, Coronavirus-Patienten mit den Malaria-Mitteln Chloroquin und Hydroxychloroquin zu behandeln. Die beiden noch nicht zum Einsatz gegen das Coronavirus zugelassenen Arzneimittel sollten nur bei klinischen Tests oder in Notfällen genutzt werden, erklärte die EMA am Mittwoch. Sie warnt insbesondere davor, die Medikamente ohne Verordnung oder Aufsicht durch einen Arzt einzunehmen.


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Beide Medikamente hätten zahlreiche Nebenwirkungen, eine Überdosis könne besonders gefährlich sein. Es sei daher "sehr wichtig", Chloroquin und Hydroxychloroquin nur für die zugelassene Anwendung, bei klinischen Studien oder im Zuge von festgelegten Notfallprogrammen zu nutzen, erklärte die EMA. Ohne ärztlichen Rat sollten beide Medikamente auf keinen Fall eingenommen werden.

mg/dpa-afx, afp

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