Mittwoch, 8. April 2020

Aktie behauptet sich Bayer im Glyphosat-Streit kurz vor Milliardenvergleich

Bayer-Unkrautvernichter Glyphosat: Der Konzern wird sich wohl auf einen Zehn-Milliarden-Dollar-Vergleich einigen
Patrick Pleul/zb/dpa
Bayer-Unkrautvernichter Glyphosat: Der Konzern wird sich wohl auf einen Zehn-Milliarden-Dollar-Vergleich einigen

Der Industriekonzern Bayer steuert im US-Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken von Glyphosat-Unkrautvernichtern laut einem US-Zeitungsbericht auf eine Lösung zu. Das Unternehmen habe sich mit sechs Anwaltskanzleien, die im Auftrag Zehntausender Kläger verhandelten, auf einen Vergleichsentwurf geeinigt, schrieb das "Wall Street Journal" am Freitag (Ortszeit) unter Berufung auf Insider. Der Kompromiss sehe eine Zahlung in der Größenordnung von zehn Milliarden Dollar vor.

Damit läge man am unteren Ende der am Markt kursierenden zehn bis zwölf Milliarden Dollar, erklärte ein Marktteilnehmer. "An normalen Tagen würde dies gefeiert, aber nicht heute", ergänzte ein Börsianer mit Blick auf den neuerlichen Dax-Einbruch um fast 9 Prozent im Zuge der Coronavirus-Krise. Die Aktien von Bayer Börsen-Chart zeigen schlugen sich in einem sehr schlechten Marktumfeld mit minus 4 Prozent noch vergleichsweise gut.

Bayer erklärte, dass die Verhandlungen andauerten und das Unternehmen keine Spekulationen kommentieren könne. Der deutsche Agrarchemie- und Pharmakonzern hatte sich 2018 mit dem über 60 Milliarden Dollar teuren Kauf des US-Saatgutriesen Monsanto enorme Rechtsrisiken aufgeladen. Zuletzt war Bayer laut eigenen Angaben mit rund 48.600 US-Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken von Monsanto-Produkten mit dem Wirkstoff Glyphosat konfrontiert. Die Klagewelle hat den Dax-Konzern nicht nur an der Börse stark unter Druck gebracht.

Die ersten drei Glyphosat-Prozesse in den USA hatte Bayer verloren und hohe Schadenersatzurteile kassiert, allerdings will der Konzern die Schuldsprüche in Berufungsverfahren aufheben lassen. Zeitgleich laufen hinter den Kulissen schon seit Monaten auf Hochtouren Vergleichsgespräche unter der Aufsicht des US-Staranwalts Ken Feinberg, der als Vermittler zwischen Bayer und Klägern verpflichtet wurde. Alle weiteren US-Gerichtsverfahren bislang wurden vertagt, um den Streitparteien Zeit für Verhandlungen zu verschaffen.

mg/dpa-afx

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