Donnerstag, 2. April 2020

US-Gericht verurteilt Bayer und BASF zu Schadenersatz Erst Glyphosat, jetzt Dicamba - US-Pfirsichbauer kassiert Millionen von Bayer

Unkrautvernichter Dicamba: BASF und Bayer zu Schadenersatz verurteilt

Eine US-Jury hat den Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer Börsen-Chart zeigen sowie den Chemiekonzern BASF Börsen-Chart zeigen im Rechtsstreit um den Unkrautvernichter Dicamba zu millionenschwerem Schadenersatz verurteilt. Insgesamt sollen die beiden Unternehmen dem Pfirsichbauern Bill Bader aus Missouri 265 Millionen US-Dollar zahlen. Dies teilt sich in 15 Millionen Schadenersatz sowie zusätzlich 250 Millionen Dollar Strafschadenersatz auf. Die Entscheidung der Jury fiel am Samstag.

Bader beschuldigt Bayer und BASF, dass er durch den Einsatz von Dicamba auf benachbarten Feldern Ernteverluste erlitten habe, da Teile des Unkrautvernichters auf seine Plantagen geweht worden sein sollen. Den Schaden bezifferte er auf 21 Millionen Dollar. Dicamba wurde von Monsanto entwickelt, der US-Konzern sieht sich wegen des Mittels seit 2015 Klagen ausgesetzt; Bayer hatte Monsanto 2018 übernommen.

Das Pestizid Dicamba ist umstritten, da Teile davon leicht auf benachbarte Felder wehen und dort nicht-resistenten Pflanzen schaden. Das Mittel lässt Pflanzen eingehen. Dicamba stehe im Verdacht, die Anpflanzungen mehrerer Landwirte im Mittleren Westen der USA ruiniert zu haben. Mehrere Betroffene reichten Klage ein.

Der Wirkstoff ist in verschiedenen Mitteln seit Jahrzehnten auf dem Markt. Gleichzeitig gibt es speziell gezüchtete Nutzpflanzen wie Sojabohnen und Baumwolle, die gegen Dicamba resistent sind. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg war die Entscheidung in Missouri das erste Urteil im Streit um das Unkrautvernichtungsmittel.

Bayer sieht sich bereits wegen angeblicher Krebsrisiken von Monsantos Unkrautvernichter Glyphosat tausenden Klagen in den USA ausgesetzt. Die erklärten am Montag: "Bei Verwendung gemäß den Anweisungen auf dem Etikett" wiesen Mittel wie Roundup Ready Xtend Crop System oder Xtendimax mit Vapor Grip "kein unangemessenes Abdrift-Risiko auf". Bayer stehe fest zu diesen Produkten. Sie seien "wertvolle Instrumente für Landwirte, die wirksame Optionen zur Ertragssteigerung und zur Bekämpfung resistenter Unkräuter benötigen". Der Konzern werde "zügig Rechtsmittel einlegen".

BASF, nach eigenen Angaben Erfinder von Dicamba, verkauft aktuell das Mittel Engenia für den Einsatz beim Anbau von Sojabohnen und Baumwolle in den USA. Dicamba wird unter wechselnden Namen seit 1964 verkauft. BASF kündigte ebenfalls Rechtsmittel an: "Wir sind überrascht und enttäuscht von der Entscheidung der Jury und planen in Berufung zu gehen", sagte ein Unternehmenssprecher.

Die Anwälte der Unternehmen hatten zuvor argumentiert, die Pfirsich-Felder hätten bereits vor 2015 gelitten und führten Wetterbedingungen wie Hagel und späten Frost für die Schäden an. Beide Unternehmen führten zudem an, dass die aktuelle Formulierung von Dicamba nicht verwehen könne, wenn sie korrekt angewendet werde. Wie der Schadenersatz unter den Unternehmen aufgeteilt wird, blieb zunächst offen.


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Im vorbörslichen Handel belastete das Urteil die Aktien von Bayer und BASF. Bayer gaben auf Lang & Schwarz um 1,1 Prozent nach und BASF um 0,7 Prozent, jeweils im Vergleich zum Xetra-Schluss am Freitag. Damit könnte die Übernahme von Monsanto für Bayer noch schmerzvoller werden", sagte ein Händler. Daher dürfte die Nachricht wohl vor allem die Bayer-Aktie treffen. Die Leverkusener sehen sich wegen angeblicher Krebsrisiken von Monsantos Unkrautvernichter Glyphosat bereits tausenden Klagen in den USA ausgesetzt.

dpa-afy/akn

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