Freitag, 18. Oktober 2019

Chemieriese erhöht Gewinnziel Bayer zeigt vor Monsanto-Übernahme Stärke

Bayer-Zentrale in Leverkusen: Gute Geschäfte der Pharma-Sparte beflügeln den Gewinn

Noch in diesem Jahr will der Chemiekonzern Bayer in den USA den Antrag für die milliardenschwere Übernahme des US-Unternehmens Monsanto stellen. Die Leverkusener tun das mit guten Zahlen im Rücken - denn im dritten Quartal stieg der Gewinn unerwartet deutlich.

Gut laufende Geschäfte mit Pillen und Salben haben den Pharma- und Pflanzenschutzkonzern Bayer Börsen-Chart zeigen vor der Rekordübernahme des US-Saatgutspezialisten Monsanto auf Wachstumskurs gehalten. Nach Zuwächsen im dritten Quartal legte Konzernchef Werner Baumann die Latte für den bereinigten Gewinn je Aktie für das laufende Jahr am Mittwoch in Leverkusen erneut etwas höher. Er ist erst seit rund einem halben Jahr Bayer-Chef. Im September hatte er die rund 66 Milliarden US-Dollar schwere Rekord-Übernahme des umstrittenen US-Saatgutspezialisten Monsanto verkündet und damit einen monatelangen Poker beendet.

"Bayer und Monsanto passen perfekt zusammen", bekräftigte Baumann. Die größte Übernahme eines deutschen Konzerns würde Bayer mit einem Schlag zur globalen Nummer eins bei Saatgut und Pflanzenschutzmitteln machen. Die Monsanto-Aktionäre und zahlreiche Behörden müssen noch zustimmen. Bayer will den Antrag in den USA noch in diesem Jahr und in der Europäischen Union voraussichtlich im ersten Quartal 2017 stellen.

Monsanto musste im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015/16 einen Gewinneinbruch um rund 42 Prozent verdauen. Im Schlussquartal schrieben die Amerikaner zwar rote Zahlen, konnten ihren Verlust aber deutlich eindämmen und schnitten besser ab als erwartet.

Auch bei der Finanzierung setzt Baumann auf Tempo: Bei den Banken steht ein Kredit mit einem Volumen von rund 57 Milliarden Dollar. Die Refinanzierung werde in Abhängigkeit vom Kapitalmarktumfeld möglicherweise schon deutlich vor Abschluss der Transaktion Ende 2017 erfolgen, erklärte Baumann.

Auch im eigentlichen Geschäft bleibt der Konzern auf Kurs. Der Umsatz legte von Juli bis Ende September dank neuerer Medikamente um 2,3 Prozent auf 11,26 Milliarden Euro zu. Bereinigt um Zu- und Verkäufe sowie um Wechselkursschwankungen hätte das Plus 3,5 Prozent betragen. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie vor Sonderposten erhöhte sich um sechs Prozent auf 2,68 Milliarden Euro.

Neue Pharmaprodukte sorgen für Schwung

Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 1,19 Milliarden Euro - 18,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Vor einem Jahr hatte auch der Börsengang der Kunststofftochter Covestro belastet. Analysten hatten im Schnitt bei etwas mehr Umsatz weniger Gewinn erwartet. Vorbörslich legten Bayer-Aktien Börsen-Chart zeigen um rund ein halbes Prozent zu.

Besonders stark war das Umsatzplus im Pharmageschäft mit neueren Mitteln. Der Umsatz mit dem Blutverdünner Xarelto, dem Augenmittel Eylea, den Krebsmitteln Xofigo und Stivarga sowie dem Lungenhochdruckmittel Adempas legte um mehr als ein Viertel auf 1,4 Milliarden Euro zu. Beim Geschäft rund um rezeptfreie Produkte lief es nicht so rund. Hier gingen die Umsätze in Europa im Vergleich zum starken Vorjahresquartal leicht zurück.

Im Agrarchemiegeschäft blieb das Umfeld wegen der Wirtschaftskrise in Brasilien und des Preisdrucks wichtiger Agrargüter schwach. Bayer konnte trotz eines leichten Umsatzrückgangs das operative Ergebnis aber leicht steigern. Die vor einem Jahr an die Börse gebrachte Kunststoff-Tochter Covestro steigerte laut Angaben vom Dienstag bei einem Umsatzrückgang den Gewinn um 61,9 Prozent. Vor einem Jahr hatten Kosten für den Börsengang aufs Ergebnis gedrückt. Bayer wurde durch den Börsengang zum reinen Anbieter für die Gesundheits- und Agrarwirtschaft. Derzeit hält Bayer noch rund 64 Prozent an Covestro.

wed/dpa-afx/rtr

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