Sonntag, 15. Dezember 2019

Reaktion auf Kurssturz Bayer holt sich Hilfe für Glyphosat-Prozesse

Reagiert auf Kritiker: Bayers Aufsichtsratschef Werner Wenning.

Bayer reagiert auf die scharfe Kritik von Investoren und Öffentlichkeit an seinem Umgang mit den Schadensersatz-Prozessen rund um seine neue Konzerntochter Monsanto. Der Pharma- und Chemiekonzern werde im Aufsichtsrat einen Ausschuss einsetzen, der sich künftig ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt, teilte das Unternehmen am Mittwoch im Anschluss an eine ganztägige Aufsichtsratssitzung mit. Der Ausschuss werde aus je vier Mitglieder der Anteilseigner und Arbeitnehmer bestehen und dem Vorstand "Vorschläge zur Prozessstrategie" machen.

Zudem werde der US-Anwalt John H. Beisner von der Kanzlei Skadden den Aufsichtsrat "kontinuierlich" beraten. "Der Aufsichtsrat sieht die negativen Auswirkungen, die von der Unsicherheit im Zusammenhang mit den Gerichtsverfahren auf den Aktienkurs und die Wahrnehmung der Stakeholder ausgehen, und wird das Unternehmen dabei unterstützen, den Themenkomplex entschlossen und mit Umsicht voranzubringen", hieß es.

Mit dem Schritt will Bayers Aufsichtsratschef Werner Wenning (72) die Risiken aus der größten Übernahme der Konzerngeschichte eindämmen. Nach dem Kauf des Saatgut-Herstellers Monsanto für rund 63 Milliarden Dollar hatten Kläger in den USA gegen den neuen Eigentümer Bayer erstinstanzlich zum Teil spektakuläre Erfolge erzielt. Sie hatten mit der Behauptung, das Monsanto-Produkt Glyphosat, ein Unkrautvernichtungsmittel, sei krebserregend, zum Teil hohe Schadensersatzansprüche zugesprochen bekommen. Insgesamt ist die Zahl der Kläger inzwischen auf mehr als 10 000 angeschwollen. Der Kurs von Bayer war daraufhin eingebrochen, zum Teil wurde bereits über eine Zerschlagung des Großkonzerns spekuliert.

Investoren hatten argumentiert, Wenning und sein Vorstandschef Werner Baumann müssten die juristischen Niederlagen ernster nehmen und dürften sich nicht auf die

Studien verlassen, die Glyphosat Unbedenklichkeit attestiert hatten. Wenning will das Aufsichtsratsgremium nun auch bei den Themen Landwirtschaft und Ernährung kompetenter machen - die für Bayer Börsen-Chart zeigen durch den Kauf von Monsanto zu Kernthemen geworden sind. "Wir sind mit hervorragenden und sehr angesehenen Kandidatinnen und Kandidaten im Gespräch", lässt sich Wenning zitieren.

soc

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