Sonntag, 22. September 2019

Nach Monsanto-Übernahme Bayer-Gewinn steigt, US-Klagen steigen auf mehr als 13.000

Proteste gegen die Fusion von Bayer und Monsanto

Inmitten der Klagewelle wegen des Unkrautvernichters Glyphosat erweist sich die Monsanto-Übernahme als Ergebnistreiber bei Bayer. Im ersten Quartal erhöhte sich der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) um mehr als 44 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro, wie der Pharma- und Agrarchemiekonzern am Donnerstag in Leverkusen mitteilte. Das hatte Bayer vor allem starken Zuwächsen im Agrargeschäft zu verdanken, das durch den 63 Milliarden Euro schweren Monsanto-Zukauf im vergangenen Sommer deutlich ausgebaut worden war.

Auch aus eigener Kraft lief es gut für den Bayer-Konzern: Wechselkurseffekte sowie Zu- und Verkäufe von Bereichen herausgerechnet belief sich das Plus beim Konzernumsatz auf 4,1 Prozent.

Beide Kennziffern - Ebitda und Umsatz - übertrafen die durchschnittlichen Analystenschätzungen. Auch wegen der Kosten im Zusammenhang mit dem Umbau sowie für die Integration von Monsanto verdienten die Leverkusener im ersten Quartal unter dem Strich mit 1,24 Milliarden Euro 36,5 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Das Agrargeschäft konnte dank Monsanto und der gut laufenden Geschäfte in Latein- und Nordamerika den Umsatz auf rund 6,4 Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Damit ist es nun der größte Bereich von Bayer. Portfolio- und Wechselkurseffekte herausgerechnet wuchs die Sparte ebenfalls, profitierte dabei aber erneut von Umsätzen im Zusammenhang mit der Veräußerung des Saatgutgeschäfts an die BASF Börsen-Chart zeigen . Hier liefert Bayer noch für einige Zeit, da BASF noch Produktionskapazitäten aufbauen muss.

Pharmageschäft: Xarelto und Eylea stützen

Im Pharmageschäft konnte sich Bayer abermals auf starke Verkaufszahlen des Gerinnungshemmers Xarelto und des Augenmedikaments Eylea verlassen. Die Sparte konnte so um knapp 7 Prozent auf mehr als 4,3 Milliarden Euro zulegen. Weniger rund lief es hingegen erneut bei den rezeptfreien Produkten. Der Bereich Consumer Health verzeichnete ein leichtes Umsatzminus und einen deutlichen Gewinnrückgang. Allerdings stehen hier auch mit der Fußpflegemarke Dr. Schollæs und der Hautpflegemarke Coppertone zwei schwächelnde Geschäfte zum Verkauf.

Die geplanten Veräußerungen sind Teil des Ende letzten Jahres angekündigten Konzernumbaus, in dessen Zuge auch der 60-prozentige Anteil am Chemiepark-Betreiber Currenta sowie das Geschäft mit Tiergesundheit abgegeben werden sollen. Gerade die Animal Health Sparte könnte Bayer viel Geld in die Kassen spülen, das für den Schuldenabbau nach dem Milliardenkauf von Monsanto sowie für die laut Analysten mittelfristig notwendige Stärkung der Pharmasparte gut gebraucht werden kann.

Bayern bestätigt Gewinn- und Umsatzziele

Für das Gesamtjahr Bayer sieht sich Bayer auf Kurs, den Umsatz wie angekündigt auf etwa 46 Milliarden Euro und das bereinigte Ebitda auf rund 12,2 Milliarden Euro zu steigern. Die geplanten Veräußerungen von Geschäftsteilen sind dabei aber noch nicht berücksichtigt.

Anleger beruhigte vor allem die Bestätigung es Jahresausblicks, die Aktie Börsen-Chart zeigen legte am Morgen rund 2 Prozent zu. Vom jüngsten Tief von zwischenzeitlich 54,48 Euro vor rund einem Monat hatte sich die Aktie zuletzt wieder etwas erholt.

Zahl der Glyphosat-Klagen steigt weiter

Gleichzeitig reißt der Strom der Glyphosat-Klagen wegen der angeblich krebserregenden Wirkung des von Monsanto entwickelten Herbizids nicht ab: Bis zum 11. April seien Klagen von rund 13.400 Klägern zugestellt worden, teilte Bayer am Donnerstag in Leverkusen mit. Das sind rund 2200 mehr als Ende Januar. Der Anstieg hat sich damit allerdings verlangsamt.

Lesen Sie auch: Wie Bayer in die Abwehrschlacht um Monsanto zieht

Die Klagezahl steigt vor allem seit August beständig, nachdem ein Geschworenen-Gericht einem Krebspatienten hohen Schadensersatz zugesprochen hatte. Im März musste Bayer die nächste Schlappe in einem Geschworenen-Prozess einstecken. Die Urteile - und wohl auch die im Raum stehenden Summen von jeweils rund 80 Millionen US-Dollar - sorgten für viel Aufmerksamkeit und dürften weitere Kläger angezogen haben.

Bayer bestreitet die Vorwürfe und verweist auf zahlreiche wissenschaftliche Studien. Der Konzern geht gegen die Urteile vor und hofft, dass Berufsrichter die Sache in der nächsten Instanz anders einschätzen als die Geschworenen.

luk / reuters, dpa

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung