Montag, 19. August 2019

Betroffene sollen zügig informiert werden Bayers US-Tochter Monsanto hat auch in Deutschland schwarze Listen erstellt

Attac-Protest vor der Bayer-Zentrale in der Nähe von Paris: Die Bayer-Tochter Monsanto soll schwarze Listen von ihren Kritikern erstellt haben

Der US-Konzern Monsanto hat vor der Übernahme durch Bayer Börsen-Chart zeigen nicht nur in Frankreich umstrittene Listen mit Kritikern erstellen lassen. Nach aktuellem Stand gehe man von Listen in Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Polen, Spanien und Großbritannien aus, teilte Bayer am Dienstag in Leverkusen mit.

Die von Bayer beauftragte Anwaltskanzlei Sidley Austin soll nun untersuchen, ob es in weiteren Ländern derartige Listen gegeben hat. Wie viele Menschen auf den Listen stünden, werde noch geklärt. Betroffene sollten spätestens Ende kommender Woche informiert werden.

Der Skandal um das "Stakeholder-Mapping"-Projekt von Monsanto war Mitte Mai im Zuge von Vorermittlungen der französischen Behörden hochgekocht. Sie verdächtigen den US-Saatgut- und Pestizidhersteller, illegal private Daten erfasst zu haben. Rund 200 Namen von Wissenschaftlern, Journalisten und Politikern sollen auf den Listen von Monsanto stehen.

Übernahme mit äußerst kostspieligen Folgen

Bayer hatte sich für die "komplett unangemessene" Praxis entschuldigt. "Es ist uns wichtig, die Aufklärung des Sachverhaltes voranzutreiben," schrieb Chef Werner Baumann vergangene Woche in einem offenen Brief an den Bundestag.

Monsanto bereitet Bayer seit der Übernahme 2018 Sorgen. Das Unternehmen sieht sich Tausenden Klagen in den USA wegen angeblicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter gegenüber. Vergangene Woche hatte Bayer den dritten Prozess verloren und wurde zu einer Schadenersatzsumme von rund 2 Milliarden Dollar (1,8 Milliarden Euro) verurteilt - deutlich mehr als in den ersten beiden Prozessen.


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Die Summe dürfte Experten zufolge zwar vom Richter reduziert werden und Bayer kündigte bereits an, in Berufung zu gehen. Die Unsicherheit wegen der Glyphosat-Prozesse lastet aber schwer auf den Aktien. Seit dem ersten Urteil gegen Monsanto im vergangenen August haben die Bayer-Papiere rund 40 Prozent an Wert verloren.

mg/dpa-afx

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