Mittwoch, 20. November 2019

Historische Hauptversammlung von Bayer Aktionäre rebellieren gegen Bayer-Chef Baumann

Blamage für Bayer-Chef Werner Baumann: Die Aktionäre verweigern seine Entlastung
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Blamage für Bayer-Chef Werner Baumann: Die Aktionäre verweigern seine Entlastung

Die Hauptversammlung des Agrarchemie- und Pharmakonzerns Bayer liefert eine Sensation: Vorstandschef Werner Baumann wurde als erster amtierender Dax-Chef von den Aktionären nicht entlastet. Eine Blamage für Baumann und für seinen Aufsichtsratschef Werner Wenning.

Samstag, 8.30 Uhr: Trotz der herben Abstimmungsniederlage bekommt der Bayer -Chef Werner Baumann Rückendeckung vom Aufsichtsrat des Agrarchemie- und Pharmakonzerns. Das Gremium teilte am frühen Samstagmorgen mit, man stehe "geschlossen hinter dem Vorstand". Im Anschluss an die 13-stündige Hauptversammlung mit hitzigen Wortmeldungen enttäuschter Aktionäre hatte der Aufsichtsrat eine außerordentliche Sitzung einberufen. Danach hieß es von Bayer, der Aufsichtsrat werde den Vorstand dabei "unterstützen, das Vertrauen der Aktionäre und weiterer Stakeholder in das Unternehmen und seine Strategie schnellstmöglich und vollständig wieder zurückzugewinnen." Die Aktionäre hatten indes auch dem Kontrollgremium deutlich gezeigt, dass sie mit dessen Arbeit im vergangenen Jahr nicht sonderlich zufrieden waren: Lediglich 66,4 Prozent stimmten für die Entlastung des Aufsichtsrats.

23 Uhr: Der Aufsichtsrat wurde mit knapper Mehrheit entlastet, dem Vorstand verweigerten die Aktionäre jedoch die Entlastung. Das Votum der Bayer-Aktionäre am Ende einer mehr als zwölfstündigen Hauptversammlung ist eine Sensation. Die Nicht-Entlastung hat zwar keine direkten Folgen für Baumann, dennoch ist fraglich, ob er sich auf dem Posten des Vorstandschefs wird halten können. Als der damalige Deutsche-Bank-Vorstandschef Anshu Jain 2015 nur knapp die Entlastung schaffte, verließ er kurze Zeit später seinen Posten.

Viele Kritiker hatten Baumann zwar die Entlastung verweigert, verstanden dies aber eher als Denkzettel. Zumal es derzeit keine Alternative zu Baumann gibt - der Aufsichtsrat hat sich geschlossen hinter den Bayer-Vorstand gestellt. Aktionärsvertreter Ingo Speich von der Fondsgesellschaft Deka etwa wies trotz seiner Kritik am Monsanto-Deal darauf hin, dass ein Stühlerücken an der Konzernspitze "das Chaos noch vergrößern" würde.

22.40 Uhr: Die Aktionäre von Bayer haben der Führungsspitze des Agrarchemie- und Pharmakonzerns das Misstrauen ausgesprochen. Auf der Hauptversammlung am Freitag in Bonn stimmten 55,5 Prozent des anwesenden Grundkapitals gegen eine Entlastung des Vorstands. Das ist ein herber Rückschlag für Konzernchef Werner Baumann: 2018 war der Vorstand noch mit rund 97 Prozent entlastet worden. Das Votum hat zwar keine direkten Folgen, darf aber als schallende Ohrfeige für den Vorstand verstanden werden. Der Aufsichtsrat wurde mit knapper Mehrheit dagegen entlastet.

Baumann hatte die umstrittene Übernahme des US-Konkurrenten Monsanto im vergangenen Jahr durchgezogen - aus Sicht zahlreicher Großaktionäre war dies eine schlechte Entscheidung, auch weil wegen einer Klagewelle in den USA hohe Schadenersatzzahlungen drohen.

22.30 Uhr: Herbe Niederlage für den Bayer-Vorstand: Die Aktionäre entlasten zum Ende der Hauptversammlung zwar den Bayer-Aufsichtsrat, verweigern dem Bayer-Vorstand jedoch die Entlastung. Bayer-Chef Werner Baumann erhält nur 45 Prozent Zustimmung beim Entlastungsvotum. Eine Demütigung für den Bayer-Chef. Baumann ist damit der erste amtierende Vorstandschef eines Dax-Konzerns, dem die Aktionäre die Entlastung verweigern.

21.30 Uhr: Die Hauptversammlung von Bayer zieht sich weiter hin - inzwischen dauert das Aktionärstreffen bereits mehr als elf Stunden. Die letzte Fragerunde ist beendet. Nach Beantwortung der Fragen können die Anwesenden dann zur Abstimmung über Vorstand und Aufsichtsrat schreiten.

18.00 Uhr: Die Bayer-Hauptversammlung wird zum Sitzungsmarathon: Ein Ende ist auch am frühen Freitagabend noch nicht absehbar. Mehr als 60 Redner standen auf der Redeliste, und noch immer warten zahlreiche verärgerte Aktionäre - trotz Begrenzung der Redezeit auf maximal 5 Minuten - auf ihren Auftritt. Spannend wird am Abend noch einmal die Frage, mit welcher Zustimmungsquote die Bayer-Führung entlastet werden wird. Eine Quote unter 70 Prozent dürfte als schallende Ohrfeige und Blamage für die Bayer-Führung gewertet werden.

Bayer-Chefaufseher Werner Wenning: Kurz mal die Fassung verloren

16.30 Uhr: Immer wieder melden sich verärgerte Privatanleger zu Wort und kündigen an, Vorstand und Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Antrieb ist vor allem der Blick auf das eigene Aktien-Depot: Die Übernahme des US-Saatgutkonzerns und Glyphosatherstellers Monsanto hat den Börsenwert von Bayer um rund 40 Prozent sinken lassen und Aktionäre damit in Summe bereits knapp 40 Milliarden Euro gekostet.

16.15 Uhr: Es sind so viele Privataktionäre nach Bonn gekommen, dass der Saal nicht ausreicht und einige hundert der insgesamt 3600 Aktionäre in den alten Tagungssaal des Bundestags ausquartiert werden müssen. Neben dem Bundesadler prangt das Bayer-Kreuz. Dieses Kreuz symbolisierte 2014 noch das wertvollste Unternehmen im Deutschen Leitindex. Bayer-Chef Werner Baumann nennt den Wertverfall seines Unternehmens eine "übertriebene Kursreaktion". Sie spiegele nicht den wahren Wert des Unternehmens wider - kann mit derlei Floskeln aber die Aktionäre kaum beruhigen.

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16.00 Uhr: Der Aktienkurs von Bayer Börsen-Chart zeigen pendelt am Tag der Hauptversammlung kaum verändert um die Marke von 61 Euro. Im Sommer 2017 hatte die Aktie ein Rekordniveau von 121 Euro erreicht. Sollte der Aktienkurs weiter verfallen, droht Bayer selbst zum Opfer einer Übernahme zu werden. Schließlich ist der Konzern nur noch 57 Milliarden Euro wert - nur wenig mehr, als die Leverkusener selbst für Monsanto bezahlt haben. Die Ironie der Geschichte: Einer der wichtigsten Antriebsfedern, durch Übernahmen zu wachsen, war Bayers Angst, eines Tages im Zuge einer feindlichen Übernahme zerschlagen zu werden.

15.30 Uhr: Baumann ist mit der zweiten Runde seiner Antworten durch. Jetzt haben wieder die Aktionäre das Wort. Das Ping Pong-Spiel wird kleinteiliger. Und Bayer bekommt die Schläge, die früher Monsanto vorbehalten waren. Jetzt steht eine Misereor-Sprecherin am Mikrofon: "Bayer hat nicht nur Monsanto übernommen sondern auch die Argumente von Monsanto." Für die kommenden Stunden hat sich noch einmal Corporate-Governance-Experte Christian Strenger für ein weiteres juristisches Gefecht angekündigt. Sein Schlagabtausch mit Versammlungsleiter Wenning von 14.20 Uhr soll nicht das letzte Wort in dieser Sache gewesen sein.

15.00 Uhr: Jetzt wechseln sich Kleinaktionäre, die Kursverluste beklagen und Entlastung verweigern wollen, mit Sprechern von Ökoorganisationen ab, die Grundsätzliches über die Schädlichkeit von Bayer-Medikamenten und Unkrautvernichtern loswerden wollen. Das wird sich noch eine Weile hinziehen. Gleich ist wieder Vorstandschef Baumann mit der Beantwortung der ihm aufgegebenen Fragen dran.

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